Markt: EFIs Abkehr von der Produktionssoftware

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Metrix, Directsmile, Dims!, Lector, Gamsys, Alphagraph, Printleader, Technique: Es ist knapp zehn Jahre her, dass EFI all diese Softwarehäuser (und noch einige mehr) übernommen und ihre Lösungen in das eigene Portfolio integriert hat. Seitdem galt das amerikanische Unternehmen als echtes Schwergewicht in Sachen Produktionssoftware für Druck- und Verpackungsdienstleister. Nun hat EFI die gesamte Sparte ausgegliedert und an das Private-Equity-Unternehmen Symphony Technology Group (STG) verkauft.

Seit Anfang des Jahres ist der so ausgegliederte und von einem STG-Tochterunternehmen übernommene Geschäftsbereich unter dem Namen „eProductivity Software“, kurz „EPS“, als eigenständiges Unternehmen am Markt tätig. „Der Geschäftsbereich Produktivitätssoftware war schon vor dem Verkauf weitgehend unabhängig“, erklärt Dr. Gabriel Matsliach, der zuletzt General Manager sowie COO des EPS-Businesses von EFI war und nun als CEO von EPS die Geschicke des neuen Unternehmens verantwortet, auf Nachfrage von zipcon. Daher soll es für die bestehenden Kunden und Anwender der Software-Lösungen „wenig bis keine Auswirkungen“ geben. Sie könnten gar in den meisten Fällen davon ausgehen, weiterhin mit denselben Ansprechpartnern zusammenzuarbeiten wie bisher, verspricht der CEO.

Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass mit der Übernahme auch große Teile des bisherigen EFI-Teams zu EPS gewechselt sind. „Das Unternehmen eProductivity Software beschäftigt mehr als 750 Mitarbeiter, von denen etwa ein Drittel in der Forschung und Entwicklung tätig sind“, beschreibt Matsliach. „Unsere Hauptaufgabe besteht auch weiterhin darin, transformative Technologien zu entwickeln, die speziell für die Verpackungs- und Druckindustrie konzipiert sind. Daher haben sich die Pläne für unsere Produkte nicht verändert. Wir gehen davon aus, dass wir unserem Portfolio auch in Zukunft weitere Produkte hinzufügen werden.“

Mit der Symphony Technology Group im Rücken, die sich auf Investitionen in Software-, Datenanalyse- und softwaregestützte Technologie-Dienstleistungsunternehmen spezialisiert hat, werde die Wertschöpfungsstrategie von eProductivity Software nach Aussage des CEOs künftig auf vier Säulen aufbauen:

  1. Beschleunigte Investitionen in Technologie und Modernisierung,
  2. Ausweitung und Vertiefung der Partnerschaften innerhalb der Branche,
  3. Globales Wachstum und
  4. das Vorantreiben von Innovationen.

Darüber hinaus wollen EFI und EPS auch in Zukunft eng zusammenarbeiten, wie es in der offiziellen Pressemitteilung heißt.

Und was macht EFI jetzt?

Apropos EFI: Wer die Entwicklung des US-amerikanischen Unternehmens in den letzten Jahren mitverfolgt hat, dürfte von der Nachricht über die Ausgliederung des Software-Bereichs durchaus überrascht gewesen sein. Denn noch vor knapp zehn Jahren hatte EFI ganz gezielt und in schöner Regelmäßigkeit Anbieter von MIS-/ERP-, Produktions- sowie von Personalisierungssoftware aufgekauft und sich damit ein stattliches Portfolio in diesem Bereich aufgebaut.

Aber Software war nicht der einzige Bereich, in dem sich EFI neben seinem eigentlichen Kerngebiet, dem Fiery-DFE-Business, besonders engagierte. Vor allem der Inkjetdruck hat es dem amerikanischen Konzern angetan. So ist EFI längst nicht mehr nur im Großformatdruck etabliert, sondern hat sich mit den Übernahmen von Cretaprint (2012) und Reggiani (2015) auch im industriellen Druck auf Keramikfliesen sowie im industriellen Textildruck einen Namen gemacht. Selbst die Tintenproduktion hat sich der Konzern, der 2019 von einem Tochterunternehmen der Siris Capital Group übernommen wurde, zu großen Teilen inzwischen ins eigene Haus geholt und sich damit ein gutes Stück unabhängiger von anderen Herstellern gemacht.

Durch den Ende 2021 besiegelten Verkauf der Software-Sparte richtet sich EFI nun aber neu aus. Künftig sollen der (industrielle) Inkjetdruck und das Fiery-Geschäft im Vordergrund stehen und mit Investitionspaketen weiter ausgebaut werden, auch in angrenzende vertikale Märkte hinein. Einen Fokus will EFI laut CEO Jeff Jacobson dabei unter anderem auf neue Anwendungen im Textilbereich und bei Verpackungen legen.

My Take: Nach zahlreichen Übernahmen war EFI ein echtes „Dickschiff“ in Sachen MIS-/ERP- und Produktionssoftware – vielleicht ein zu großes, um es zwischen den anderen Geschäftsfeldern mit dem nötigen strategischen und finanziellen Engagement entlang der Kundenanforderungen weiterentwickeln zu können? Oder haben sich die Schwerpunkte nach der eigenen Übernahme schlicht verschoben? Über die Gründe für den Verkauf kann nur spekuliert werden. Hält das neue Unternehmen eProductivity Software seine Versprechen, könnten die Kunden am Ende wirklich profitieren. Für EFI hingegen hat die Abkehr von der Produktionssoftware zwei Seiten: Zwar kann der Gewinn aus dem Verkauf in den Ausbau des Inkjet- und Fiery-Businesses gesteckt werden – aber der Preis dafür ist nicht unerheblich. Denn die Hoheit, Gesamtpakete aus Druckmaschine und darauf abgestimmter Software anbieten zu können, gibt das Unternehmen damit aus der Hand.
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Metrix, Directsmile, Dims!, Lector, Gamsys, Alphagraph, Printleader, Technique: Es ist knapp zehn Jahre her, dass EFI all diese Softwarehäuser (und noch einige mehr) übernommen und ihre Lösungen in das eigene Portfolio integriert hat. Seitdem galt das amerikanische Unternehmen als echtes Schwergewicht in Sachen Produktionssoftware für Druck- und Verpackungsdienstleister. Nun hat EFI die gesamte Sparte ausgegliedert und an das Private-Equity-Unternehmen Symphony Technology Group (STG) verkauft.
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beyond-print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

Discussion1 Kommentar

  1. Im März 2005 war AlphaPicture von EFI eingeladen worden, auf der EFI Connect in Miami Beach auszustellen. Die Eröffnungsrede hielt Astronaut James A. Lovell, der einstige Kommandant der Apollo 13-Mission. „Houston wir haben ein Problem” – wer kennt nicht diesen legendären Funkspruch. Was war geschehen? Ein Tank war explodiert, die Mondlande-Mission musste abgebrochen werden. Nun galt es, die Astronauten wieder heil zur Erde zurückzubringen. Es gelang, weil die Mondlandefähre „Aquarius“ die Rolle eines „Rettungsbootes“ bis kurz vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre übernahm und die Astronauten erst im letzten Moment ins Kommandomodul „Odissey“ umstiegen. „Jim“ Lovell sprach vom „erfolgreichen Fehlschlag“.

    Irgendwie kommt mir dieser Vortrag im Beachhotel Fontainebleau wieder in den Sinn, wenn ich die Entwicklungsgeschichte von EFI Revue passieren lasse. Dazu muss man wissen: Marc Olin war CEO einer Software-Firma gewesen, bevor er 2003 von Guy Gecht zu EFI geholt wurde. Guy Gecht selbst, hat einen Uni-Abschluss in Computerwissenschaften und Mathematik. Da trafen also zwei Software-Experten in einer Firma zusammen, die mit ihren Fiery Controllern gutes Geld verdiente. Aber noch mehr verdienen kann man im Grafischen Gewerbe mit Software-Lizenzen, wie es Adobe mit seinem Börsenwert von über 300 Milliarden US-Dollar vormacht. Doch dazu genügt es nicht, einfach alle möglichen Softwarefirmen zusammenzukaufen. Man muss die verschiedenen Systeme schon auch zusammenführen und eine einheitliche Usability und Bedieneroberfläche schaffen. Das ist EFI nicht so recht gelungen.

    Nun trennt sich EFI von seiner Software-Sparte – wie seinerzeit die Aquarius von der Odissey abgekoppelt wurde. Guy Gecht ist seit 2018 nicht mehr an Bord. Marc Olin quittierte seinen Dienst bei EFI im Jahr 2020. Tempi passati? Mitnichten. Gestern wurde bekannt, dass Marc Olin dem Verwaltungsrat des neu entstandenen Unternehmens eProductivity Software (EPS) beitritt. Und was macht Guy Gecht? Er ist seit 2019 im Board of Directors bei Logitech und gründete 2020 die E.Merge Technology Acquisition Corp. Deren Business ist es, „Blankoschecks“ auszustellen für geschäftliche Verbindungen mit Softwarefirmen. Es bleibt spannend …

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