Markt: Ist eine Ausbildung im Print noch sexy?

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Die schlechte Nachricht zuerst: Der Druckindustrie geht der Nachwuchs aus. Die gute Nachricht: Das lässt sich ändern. In der neuesten Jabberfish-Folge diskutieren Bernd Zipper und Haeme Ulrich, wie eine Ausbildung in der Druckindustrie wieder sexy für junge Leute werden kann – und wie überhaupt das Berufsbild des Medientechnologen Druck in fünf Jahren aussehen kann. Achtung, Spoiler: Prozesse, Personalisierung und Mass Customization spielen dabei eine große Rolle.

Schon seit über zehn Jahren heißt der Drucker nicht mehr Drucker, sondern Medientechnologe Druck – und der Weiterverarbeiter Medientechnologe Druckverarbeitung. Trotz der moderneren Bezeichnung fehlt es in vielen Betrieben an Auszubildenden. Ist Print als Ausbildung also überhaupt noch sexy genug für junge Leute?

Darauf ein klares „Jein“, denn hier zeigt sich, wie Haeme und Bernd herausarbeiten, ein ambivalentes Bild: Auf der einen Seite gibt es noch immer Betriebe, in denen es heute genauso zugeht, wie vor Jahrzehnten; mit muffigen Geruch in der Garderobe und einem Chef, der nur alle heilige Zeit mal im Drucksaal vorbeikommt. Das spricht junge Menschen wenig bis gar nicht an und wirkt auf manchen sogar abschreckend, sind sich die beiden Jabberfisher einig.

Auf der anderen Seite befinden sich die Industrie und ihre Unternehmen in einem spannenden Wandel. Denn neue technische Prozesse und die Digitalisierung führen zu ganz neuen Produkten und im Umkehrschluss auch zu ganz neuen Anforderungen an das Berufsbild. „Wenn wir an Entwicklungen denken wie Personalisierung, Individualisierung oder Mass Customization, dann kann Print auch für junge Leute sexy sein“, meint Haeme, denn dann geht es nicht mehr nur um den Job als Maschinenführer – dann entsteht vielleicht sogar ein ganz neues Berufsbild. „Print Data Operator, vielleicht“, schlägt Bernd vor.

Egal, wie man es nennen mag. Fest steht: „Der Ausbildungsberuf Drucker bzw. Medientechnologie Druck ist ein wertvoller Beruf. Er ist komplex, man braucht technisches Verständnis, Empathie, Teamfähigkeit und Sorgfalt. Außerdem muss man wissen, wie Papier in Verbindung mit Druckfarbe, Toner und Tine funktioniert und wie sich das mit dem Farbmanagement verhält. Das ist nicht ohne“, sind sich Bernd und Haeme einig. Der Beruf als solcher ist also nicht das „Problem“; der ist längst spannend und wird durch Mass Customization und Co. noch einmal mehr Verantwortung mit sich bringen. Stichwort: Closed-Loop-Produktion.

Oft ist es nicht das Berufsbild, das junge Menschen von der Druckindustrie abschreckt, sondern die Umstände, die bei den Unternehmen vorherrschen. Und die lassen sich zum Glück ändern! Antiquierte, verstaubte und hierarchische Strukturen sind da fehl am Platz.

Die Unternehmer selbst müssen umdenken und neue Anreize schaffen, denn Auszubildende wollen im 21. Jahrhundert nicht nur Personalnummern sein, sondern Kollegen in einem gut funktionierendem Team. Sie wollen involviert werden, sie wollen Verantwortung tragen. „Wenn sich Unternehmen nicht komplett ändern – und das fängt bei der Führungsebene an – wird es schwer werden“, prognostiziert Bernd. „Aber wer sein Team an Entscheidungen teilhaben lässt, nahbar ist und Wert auf Transparenz legt, der wird sehen, dass alle mitziehen und die Dinge am Ende auch viel schneller erledigt sind.“ Und nicht nur das, denn durch ein attraktives „Drumherum“ kann auch das Ansehen des Berufs bei jungen Leuten allgemein wieder steigen.

Warum Generalisten und Universalisten dabei künftig eine wichtige Rolle spielen könnten und wieso es laut Bernd immer wichtiger wird, speziell auch junge Frauen für die Arbeit in der Druckindustrie zu begeistern, das ist in der aktuellen Folge von Jabberfish zu hören.

Die vollständige Episode gibt es auf Spotify und den bekannten Podcast-Plattformen sowie im Publishingblog.ch.

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Die schlechte Nachricht zuerst: Der Druckindustrie geht der Nachwuchs aus. Die gute Nachricht: Das lässt sich ändern. In der neuesten Jabberfish-Folge diskutieren Bernd Zipper und Haeme Ulrich, wie eine Ausbildung in der Druckindustrie wieder sexy für junge Leute werden kann – und wie überhaupt das Berufsbild des Medientechnologen Druck in fünf Jahren aussehen kann. Achtung, Spoiler: Prozesse, Personalisierung und Mass Customization spielen dabei eine große Rolle.
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Beyond-Print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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