Markt: KI und Print waren schon lange vor ChatGPT ein Dreamteam

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Seit fast zwei Jahren ist Künstliche Intelligenz branchenübergreifend das beherrschende Thema. Dabei ist KI an sich nicht neu. Auch in der Druckindustrie gab es schon weit vor ChatGPT Geschäftsmodelle, die auf Künstlicher Intelligenz beruhten. Ein Beispiel dafür war das niederländische Unternehmen „Resnap“, das erst klassische Algorithmen, und später KI-Modelle einsetzte, um die Fotobuch-Erstellung zu revolutionieren. Thomas Beguin, einer der drei Gründer, sprach darüber – und wie er mit dem neuen Unternehmen IXXI die Branche erneut aufwirbeln will – auf dem Online Print Symposium.

„Es gibt eine Sache, die man braucht, um mit Print erfolgreich zu sein – und zu wachsen“, da ist sich Thomas Beguin, Co-CEO von IXXI und diesjähriger Speaker auf dem Online Print Symposium in München, sicher, „und das ist Innovation“. „Mit Innovation ist Print nicht tot, sondern eine riesige Chance“.

Zumindest war es diese Chance, die Beguin zusammen mit seinen Co-Gründern Erik-Jan Schreurs und Luc Hendriks Anfang der 2010er-Jahre sahen, als sie „Resnap“ gründeten. Der Markt für Fotoprodukte wuchs, allerdings relativ verhalten und längst nicht in demselben Tempo, in der die Anzahl der geschossenen Fotos zunahm. Denn hier verlief die Kurve exponentiell. Wieso dieser Unterschied?

„Weil es mit der steigenden Anzahl an Fotos, die gemacht werden, auch immer schwerer wird, die besten herauszusuchen und daraus Fotoprodukte zu erstellen“, erklärte Thomas Beguin. Die Idee, Fotobücher im Handumdrehen zu erstellen – oder besser gesagt, erstellen zu lassen – erschien ihm und seinen beiden Geschäftspartnern daher als ideale Möglichkeit, den Markt umzukrempeln und einen weit verbreiteten, echten Pain Point anzugehen. Zuerst als klassischer Algorithmus, der auf Basis der Likes und Kommentare zu den Bildern, die auf Social-Media-Profilen hochgeladen werden, automatisiert Fotobücher erstellt – und kurz darauf bereits auf KI-Modellen und einem neuralen Netzwerk, das bei der Auswahl und Klassifizierung der besten Fotos helfen und dadurch ebenso im Handumdrehen die Erstellung eines Fotobuches ermöglicht.

Bilder durch KI klassifizieren…

Die KI, die hinter „Resnap“ steht, hat die Fotoauswahl nicht einfach auf dem simplen Auszählen von Likes getroffen – das Team um Thomas Beguin entwickelte dazu ein neurales Netzwerk, eine Künstliche Intelligenz, die die eingespeisten Bilder auf Basis einer Vielzahl relevanter Daten klassifiziert und damit den etablierten Markt für Fotoprodukte gehörig durcheinander gewirbelt hat. „Resnap“ klassifiziert die eingegebenen Bilder unter anderem anhand der EXIF-Fotodaten (Exchangeable Image File Format), die Informationen wie Aufnahmedatum, -Zeit oder Ort liefern, aber eben auch auf Basis intelligenter Erkennungssoftware hinsichtlich der abgebildeten Objekte oder der Qualität – ebenso wie auf Basis der Gesichtserkennung und der Emotionen im Gesicht. Dadurch erhält jedes Bild eine Art „emotionalen Wert“, auf dessen Basis die Auswahl automatisiert werden kann.

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…und Fotobücher in Sekundenschnelle erstellen lassen

Mit der Fotobuch-Software gelang „Resnap“ die erste selbstlernende KI-Bildauswahltechnologie, die in einem automatisierten Fotobuchgenerator eingesetzt wurde. „Die Verkürzung der durchschnittlichen Zeit für die Erstellung eines Fotobuchs von Stunden auf wenige Minuten hat den Markt völlig umgekrempelt“, schilderte er auf dem OPS. Aber nicht nur das: Auch die Bestellwerte, sprich: Buchumfänge, sind nach oben gegangen. „Denn es macht keinen Unterschied, ob ein 24-Seiten-Fotobuch erstellt wird, oder ein 70-Seiten-Fotobuch“, so Beguin, „beides nimmt die gleiche Zeit in Anspruch, die Menschen haben keinen zusätzlichen Aufwand damit und bestellen dickere und mehr Bücher“. Spannend auch der Fakt, dass zu den Neu-Anwendern der Software in den ersten Monaten vor allem die Menschen gehörten, die bis dahin noch nie ein Fotobuch erstellt hatten. Laut Beguin lag ihr Anteil fast bei 50% – außerdem waren es vor allem ältere Generationen, die die automatisierte Fotobuch-Erstellung nutzten.

Auf „Resnap“ folgt IXXI

2017 verkauften Thomas Beguin und seine beiden Geschäftspartner das Unternehmen an die albelli-Photobox Group, inzwischen storio group. Inzwischen haben die drei einem neuen Projekt verschrieben, dieses Mal eher physischer Natur: Mit IXXI wollen sie den Markt für Fotoprodukte ein weiteres Mal auf den Kopf stellen. Dabei handelt es sich um ein patentiertes, modulares System für die Dekoration von Wänden, das auf einem Kachelsystem beruht, bei dem sich die Verbraucher ihre Innenräume nach eigenen Wünschen zusammenstellen können. Dabei können sie ihre eigenen Fotos oder lizenzierte Kunstwerke verwenden und haben die Möglichkeit, die Kacheln so groß zu gestalten, wie sie möchten, und bei Bedarf mühelos auszutauschen.

Thomas Beguin sieht darin ein Design-Objekt aus individuellen Fotos, das den Foto-Markt erweitern soll. Hier folgt er mit IXXI dem Trend der Personalisierung, der vor allem Menschen zwischen 25 und 50 Jahren entspreche. Denn was ist persönlicher als ein Foto? Man darf also gespannt sein, wo einem die Kachel-Kunstwerke von IXXI in nächster Zeit überall begegnen.

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Seit fast zwei Jahren ist Künstliche Intelligenz branchenübergreifend das beherrschende Thema. Dabei ist KI an sich nicht neu. Auch in der Druckindustrie gab es schon weit vor ChatGPT Geschäftsmodelle, die auf Künstlicher Intelligenz beruhten. Ein Beispiel dafür war das niederländische Unternehmen „Resnap“, das erst klassische Algorithmen, und später KI-Modelle einsetzte, um die Fotobuch-Erstellung zu revolutionieren. Thomas Beguin, einer der drei Gründer, sprach darüber – und wie er mit dem neuen Unternehmen IXXI die Branche erneut aufwirbeln will – auf dem Online Print Symposium.
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