Markt: „Kursrenner“ Heidelberger dank E-Mobilität

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Der Aktienwert der Heidelberger Druckmaschinen AG hat in den letzten Monaten um fast 250 Prozent zugelegt. Damit ist das Unternehmen nicht nur in den SDAX zurückgekehrt, sondern zählt auch, wie boerse-online.de berichtet, schon jetzt zu den „Kursrennern“ des Jahres. Als wichtiger Treiber für die positive Entwicklung wird vor allem Heidelbergs Geschäft mit den Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufgeführt.

Erst vor vier Wochen hatte der Druckmaschinenhersteller bekanntgegeben, mit der Übernahme der Ladesäulentechnologie des süddeutschen Energieanbieters EnBW sein Engagement im Bereich der Elektromobilität weiter auszubauen. Neben den Wallboxen, mit denen Heidelberg seit gut drei Jahren Ladelösungen im Heimbereich anbietet und eigenen Angaben zufolge inzwischen einen Marktanteil von gut 20 Prozent im deutschsprachigen Raum hält, sollen damit ab Mitte dieses Jahres auch Ladesäulen für öffentliche und halböffentliche Einsatzgebiete angeboten werden, wie etwa für Stadtwerke, Kommunen und Unternehmen.

Auch wenn die Entscheidung, in das Thema E-Mobilität einzusteigen, anfangs vielleicht ungewöhnlich erschien, entpuppt sie sich inzwischen doch als kluger Schachzug des Vorstandsvorsitzenden Rainer Hundsdörfer. Denn die Nachfrage zieht – ähnlich wie die Zulassungszahlen für Elektrofahrzeuge ganz allgemein – sowohl national wie auch international an, und das bekommt im positiven Sinne nun auch Heidelberg zu spüren. Die für Anfang dieses Jahres geplante vierte Produktionslinie für die Wallboxen am Standort Wiesloch/Walldorf wurde daher bereits Ende Oktober 2021 und damit deutlich früher als geplant in Betrieb genommen. Auch eine fünfte Montagelinie soll bereits in Planung sein. Zusätzlich will Heidelberg durch die im November 2021 verkündete strategische Zusammenarbeit mit SAP die Ladelösungen noch intelligenter machen.

Aber auch das klassische Geschäft von Heidelberg hat sich zuletzt positiv entwickelt. Das zweite Quartal (1. Juli bis 30. September) des Geschäftsjahres 2021/2022 wies ein Plus bei Umsatz und EBITDA gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus. Dafür seien neben der E-Mobilität auch die Wachstumsfelder Verpackungsdruck, digitale Geschäftsmodelle und der hohe Absatz in China verantwortlich. Nach zahlreichen Umstrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre, soll die eingeschlagene Fokussierung auf das profitable Kerngeschäft, wie Heidelberg es nennt, auch die nächsten Jahre des Unternehmens prägen.

Der Aktienkurs der Heidelberger Druckmaschinen AG entwickelt sich nach einigem Auf und Ab der letzten Jahre seit 2021 wieder nach oben. Das Allzeittief war im Herbst 2020 mit 0,48 Euro erreicht, momentan notiert die Aktie bei 2,91 Euro (Stand: 4.1.22, 9:15). Im Vergleich zum Schlusskurs vom 04.01.2021 (0,83 Euro) macht das ein Plus von gut 250 Prozent aus. Den besten Aktienkurs der letzten fünf Jahre erzielte das Unternehmen Mitte Oktober 2017 mit einem Wert von 3,58 Euro.

My Take: Auch wenn es so manchen überrascht, aber die „Besinnung“ von Heidelberg auf die eigenen Stärken, insbesondere im Engineering-Bereich – und da ist die Heidelberger Druckmaschinen AG schließlich zu Hause – scheint den Konzern nicht nur in der aktuellen Situation zu retten, sondern auch eine Trendwende einzuläuten. Es mag Print-Puristen nicht schmecken, wenn das „Mutterschiff des Offsetdrucks“ nun durch „print-fremde“ Bereiche wächst, aber: Warum nicht? Schaut man nach Japan, ist es fast schon üblich, nicht nur in einem Sektor tätig zu sein. Erfolgreiche Beispiele sind hier u.a. Fujifilm, Kyocera oder Konica Minolta. Warum sollte Heidelberg diese Chance nicht auch wahrnehmen, zumal aus dem Engagement im Thema „Power-Management“ – wenn man nur ein wenig nachdenkt – künftig sogar der Print-Sektor profitiert? Es bleibt spannend, denn noch ist Heidelberger nicht komplett „über den Berg“…
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Der Aktienwert der Heidelberger Druckmaschinen AG hat in den letzten Monaten um fast 250 Prozent zugelegt. Damit ist das Unternehmen nicht nur in den SDAX zurückgekehrt, sondern zählt auch, wie boerse-online.de berichtet, schon jetzt zu den „Kursrennern“ des Jahres. Als wichtiger Treiber für die positive Entwicklung wird vor allem Heidelbergs Geschäft mit den Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufgeführt.
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Beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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