Markt: Mehr Innovationsgeist wagen

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Wer auch in Zukunft erfolgreich sein will, braucht Innovationskraft. Denn nur wer sein Handeln reflektiert und bereit ist, die Dinge neu zu denken, findet auch auf die Fragen immer anspruchsvollerer Kunden eine Antwort. Wieviel Innovations- und Schubkraft im Onlineprint, in KI und vor allem in der Mass Customization stecken, haben im Rahmen der OPS Insight Pitches sechs kreative Start-ups gezeigt: jede Menge. Es lohnt sich, Ihnen zuzuhören.

Der Kern von Innovationen liegt darin, Dinge neu zu denken und anders anzugehen, als es bisher der Fall ist. Und genau das ist es auch, das die sechs Start-ups der Insight Pitches auf dem Online Print Symposium miteinander gemein hatten, obwohl sie jeweils in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Während die einen sich aufgemacht haben, den Textilmarkt mit echter Mass Customization zu revolutionieren, denken andere Editoren und den Fotobuch-Markt neu. Aber der Reihe nach.

Echte Individualisierung in der Textilproduktion

Johannes Kautz und Philipp Hofmann, die beyond-print-Lesern durch abihome bekannt sein dürften, haben im Herbst 2021 „Hoodie Hoo“ gegründet – ein Start-up für die komplett individuelle Textilproduktion in kleiner Stückzahl. Denn bisher sind die Möglichkeiten, individuelle Textilien zu gestalten, eingeschränkt: Die On-Demand-Veredelung im Digitaldruck bezieht sich meist nur auf den Aufdruck auf vorproduzierter Großhandelsware, ähnlich ist es im Siebdruck. Wirklich individuell sind die Kleidungsstücke in der Regel also nicht. Große Marken produzieren im Ausland, inklusive riesiger Mindestmengen, monatelanger Lieferzeiten und Textildesigns von Agenturen. Für Endverbraucher ist da kein Herankommen und genau das wollen die beiden Jungunternehmer ändern. „Hoodie Hoo macht es sich zur Aufgabe, individuelle Textilproduktion schnell und mit geringer Mindestabnahme für alle zugänglich zu machen“, erklärten Philipp Hofmann und Johannes Kautz auf dem OPS 2022.

Dazu haben die beiden in den letzten Monaten eine Produktion in Izmir gestartet, die in den nächsten Monaten weiter ausgebaut werden soll – sowohl in Sachen Mitarbeiter wie auch hinsichtlich der Veredelungsmöglichkeiten. Denn bei Hoodie Hoo ist mit Individualisierung nicht nur das Motiv auf einem Kleidungsstück gemeint, sondern wirklich jeder Bestandteil: der Stoff, der Schnitt, die Farbe, dazu Saum- und Neck-Labels, Silikon-Injections, Prägung, Frottee-Stick, Schaumdruck, geprägte Kordeln. All das ist möglich, weil bei Hoodie Hoo das Kleidungsstück erst nach der Bestellung angefertigt wird. Noch im Juni wollen Kautz und Hofmann zudem eine native Textil-Creator-App launchen, die die individuelle Gestaltung deutlich vereinfachen und Produktionsprozesse API-gesteuert anstoßen soll. Mit an Bord werden dann auch AR- und Special-Features beispielsweise für Vereine sein.

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„Wie ein Indesign, das auf dem Handy läuft“

Was einen guten Print-Editor im Jahr 2022 ausmacht, das hat Christoph Clermont von Printess beschrieben. Auch er und sein Geschäftspartner Christoph Schacht sind keine Unbekannten in der Branche und ihres Zeichens die kreativen Köpfe hinter der bekannten Personalisierungssoftware Directsmile. Mit Printess haben die beiden vor einem knappen Jahr einen neuen Print-Editor gelauncht, der von Grund auf neu gedacht wurde und daher die Fehler und Unzulänglichkeiten der bisherigen Lösungen ausmerzen soll. „Printess ist modular aufgebaut. Man könnte es auch Print-Editor nennen, aber eigentlich ist es weit mehr, denn es werden die gesamten Designprozesse abgebildet“, erklärte Clermont. Er beschrieb die unterschiedlichen Ansätze von B2B und B2C, erklärte, warum das eine nicht einfach für das andere eingesetzt werden kann und ging auf die heutigen Ansprüche an eine Software ein: „Ein guter Editor im B2C-, vielleicht auch im B2B-Bereich ist ein kleines Indesign, das auch auf dem Handy läuft“ – und das, so der Printess-Gründer, auch über die verschiedensten Geräte hinweg gleich funktioniert und die Projekte gleich darstellt. „Printess kann Grafik, inklusive Text. Printess kann Druck. Printess ist serverlos, skalierbar, ausfallsicher und dank moderner Architektur so einfach einzubinden wie Google Maps. Damit ist Printess die aktuell umfangreichste Editor-Lösung, die es im Browser gibt“, versprach der Entwickler. Neugierig, was sich hinter Printess noch verbirgt? Hier geht es zum Kurz-Video:

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Einsparungen in der Logistik

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Dylan Hirsch von Lox Solution. Denn mit seiner Lösung konzentriert er sich – unabhängig vom Produktionsprozess – auf die Einsparmöglichkeiten in der Logistik. „Wir unterscheiden zwei Probleme: zum einen Lieferschwierigkeiten, die auf der Rechnung auftauchen – dies aber nicht sollten – und Rechnungsfehler, die beispielsweise durch inkorrekte Preise, doppelte Trackingnummern oder falsche Zuschläge entstehen“, erklärte Hirsch. Aufgrund solcher Ungenauigkeiten würden Onlineprinter jedes Jahr bis zu 15 Prozent zu viel bezahlen – und die will Lox Solution dank einer Künstlichen Intelligenz helfen, zu sparen bzw. wieder zurückzubekommen. Wie das funktioniert, erklärte Dylan Hirsch so: Die Rechnungen werden wöchentlich oder monatlich automatisch an Lox übertragen und analysiert. Werden problematische Stellen gefunden, kümmert sich das Team von Dylan Hirsch um die Beanstandung und Rückforderung des zu viel gezahlten Betrag. „Wir kümmern uns darum, dass Sie Ihr Geld zurückbekommen, weil wir sonst selbst kein Geld bekommen“, beschrieb er sein Businessmodell. Einen Referenzkunden aus der Onlineprint-Welt gibt es außerdem bereits: Helloprint.

Individualisierte Getränkedosen

Dass Individualisierung nicht nur bei Fotoprodukten oder im Textilbereich eine immer größere Rolle spielt, beschrieb danach Lukas Pflügl von Design’n Drink aus Österreich. Zusammen mit seinem Vater ist er seit über zehn Jahren in der Druck- und Verpackungsindustrie tätig, vorwiegend im Bereich flexible Verpackungen. Mit der Marke „Design’n Drink“ hat das Unternehmen zudem den Schritt in die Direktbedruckung von Aluminiumdosen gewagt – und nicht nur das, denn je nach Bedarf können die Kunden des Start-ups zwischen vorgefertigten Grafiken für verschiedene Anlässe, Templates mit Möglichkeit zum Foto- oder Textupload oder einer komplett individuellen Gestaltung im Konfigurator wählen. Doch nicht nur der Onlineshop mit Design- und Versandtool stammt von Pflügls Team. Das Unternehmen hat sich auch aktiv an der Entwicklung der Inkjet-Drucklösung, des Primers und der Druck-Software beteiligt, etwa bei der exakten Bedruckung der typischen Verjüngung – dem Neck – der Dose. Auf diesem Know-how aufbauend, ist Design’n Drink auf dem Weg in eine industrielle Fertigung. Die ersten Gespräche mit einem Schweizer Maschinenhersteller für noch leistungsfähigere Druckmaschinen laufen bereits.

Alle Ressourcen in einer Plattform

Aber auch in der vermeintlich ausentwickelten Welt der Fotoprodukte ist noch immer Platz für neue Ansätze. Das bewies Siegfried Trinker mit seiner Lösung FotoSystem – einer nahtlosen Full-Service-Plattform für die Produktpersonalisierung, vor allem aber für die einfache Gestaltung von Fotobüchern. Und einfach meint in diesem Falle wirklich einfach: Denn dank Cloud-4.0 und einer Reihe innovativer Tools können die Nutzer der FotoSystem-Lösung nicht nur Editieren und Teilen, sondern ihre Werke auch mit anderen teilen und eine Bestellung auslösen, ohne das verwendete Gerät wechseln zu müssen. Außerdem sei FotoSystem mit Hilfe intelligenter Algorithmen besonders leistungsstark und hochautomatisiert, was Trinker gleich an einem Rekordkunden beschrieb. Dieser hatte in der Testphase vor Weihnachten um die 10.000 Bilder hochgeladen und damit 3.000 Seiten in 20 Fotobüchern gestaltet – alles innerhalb von zwei Tagen. Warum das so schnell funktionierte? „Weil alle Ressourcen in einer Plattform gebündelt sind. Ein Foto existiert bei uns genau ein Mal. Wir haben keine Limitierung und die Skalierung ist endlos“, so Siegfried Trinker. Kein Wunder, dass er nicht nur von einem Editor sprach, sondern von einem schlüsselfertigen System, das von der Website bis zur Produktion alles abdeckt.

Wo „Copy and Paste“ nicht funktioniert

Dass sich Geschäftsmodelle nicht so einfach auf andere Märkte übertragen lassen, hat zum Abschluss der Insight Pitches Miki Rubin, Gründer und CEO von Imprimu erklärt. Das Start-up aus Panama arbeitet an einem Print-on-Demand-Dropshipping-Netzwerk für Lateinamerika und sieht sich dort mit ganz anderen Voraussetzungen konfrontiert, als man sie von Europa kennt. Vieles läuft mobil-basiert ab, denn das Handy ist oft der einzige „Computer“, die Logistik ist sehr kompliziert, da in manchen Gegenden Adressen quasi nicht existierten – und es gibt im Bereich Onlineprint kaum Konkurrenz, sowohl im Bereich B2C wie auch bei B2B-Plattformen. Zugleich ist das Potenzial des Kontinents riesig, mit mehr als 664 Mio. Einwohnern in 20 Ländern. Das Volumen des extrem fragmentierten Druckmarktes wird auf 70 Mrd. Dollar geschätzt und laut Bloomberg liegen hier die am schnellsten wachsenden regionalen E-Commerce-Märkte. Aber, so Miki Rubin: „Die Chancen sind klar, die Frage ist nur, wie man die potenziellen Kunde ohne ‚Copy-and-Paste-Strategie‘ erreicht“. Mit seinem Imprimu-Netzwerk und einem drei-gliedrigen Ansatz, der auf B2C, B2B und B2B2C basiert und über „Headless-API“ funktioniert, will er Onlineprint in Lateinamerika erfolgreich etablieren – und das ganz gezielt nach den Bedürfnissen vor Ort.

My Take: Keine Frage: Fortschritt braucht Innovation. Doch es braucht auch die richtigen Unterstützer. Denn aus dem Glauben, es besser zu wissen, geraten Start-ups mitunter an die falschen Finanzierungspartner – und mit dem falschen Partner im Boot, bleibt vom Glück meist nicht viel übrig. Damit sich eine neue Geschäftsidee erfolgreich im Markt behaupten oder ihn gar revolutionieren kann, ist es umso wichtiger, dass Start-ups und die richtigen, nämlich erfahrene, Branchenkenner zusammenkommen. Das OPS bietet diese Plattform, auch in den nächsten Jahren. Denn die Innovationskraft im Onlineprint ist riesig!
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Wer auch in Zukunft erfolgreich sein will, braucht Innovationskraft. Denn nur wer sein Handeln reflektiert und bereit ist, die Dinge neu zu denken, findet auch auf die Fragen immer anspruchsvollerer Kunden eine Antwort. Wieviel Innovations- und Schubkraft im Onlineprint, in KI und vor allem in der Mass Customization stecken, haben im Rahmen der OPS Insight Pitches sechs kreative Start-ups gezeigt: jede Menge. Es lohnt sich, Ihnen zuzuhören.
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beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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