Markt: Neue (Fach-)Männer braucht das Land!

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Natürlich auch neue Frauen oder Diverse! (Aber 1982 sang Ina Deter eben „neue Männer braucht das Land“. Das Gendersternchen gab es noch nicht.) Und die Menschen (m/w/d) müssen auch gar nicht wirklich neu sein, sondern brauchen für die digitalisierte und vernetzte Welt einige Skills, die schon immer wichtig waren, aber mittlerweile eben entscheidend sein können. Hanne Dinkel von der Spread Group hat in ihrem Vortrag beim Online Print Symposium 2022 eindrücklich geschildert, wie sie dem Fachkräftemangel begegnet.

Was sind die wichtigsten Skills ist immer wieder die Frage. Wenn man bei Hanne Dinkel vorspricht, sicher Englisch. Laut Statista glauben 75 % der Deutschen, sie könnten Englisch sprechen. Wie gut hat Statista nicht erfasst, aber die Wirtschafts Woche meinte schon 2013: „Die Deutschen sprechen im Schnitt besser Englisch als die meisten anderen Nicht-Englisch-Muttersprachler.“

Mit ausbleibenden Gelegenheiten für englische Konversation hat sich bei dem einen oder andern vielleicht die Pandemie bemerkbar gemacht. Häufig plappern wir im Urlaub munter drauf los, aber in den geschäftlichen Meetings haben viele dann doch Hemmungen, sich zu blamieren. Ich denke mir dann immer, ich freue mich doch auch wenn ein Ausländer sich bemüht Deutsch zu sprechen, für seine Grammatik würde ich ihn nicht belächeln.

Wir waren in der Schule, nicht alle hatten das Glück, einen wirklich guten Lehrer zu haben. Stures Pauken, Vokabeltests und blamieren vor der Klasse, so sind viele konditioniert. Und wir wollen ja immer alles richtig machen. Es gibt tolle Programme wie Babbel oder Rosetta Stone. Aber da muss ich schon gute intrinsische Motivationsquellen haben, um dabei zu bleiben. Personal Coach? Ja, wenn es schnell gehen muss. Aber vielleicht nicht für jedermanns Geldbeutel. Ich bin mal auf die Suche gegangen und habe Patrick Obermann auf Instagram gefunden. Er ist im Alter von neun Jahren mit seiner Familie in die Staaten ausgewandert und ist jetzt zurück in Deutschland und hat mit Englisch Hacks ein Start-Up gegründet. Er hat einen interessanten Ansatz und ich habe mit ihm gesprochen.

Max: Wie hast du Englisch gelernt?

Patrick: 2006 bin ich mit meiner Familie nach Amerika ausgewandert. Von 2006 bis 2009 habe ich in Texas gelebt und war sozusagen „gezwungen“ Englisch zu lernen, da keiner der anderen Kinder in der Schule Deutsch konnte.

Max: Wie kann ich mein Englisch möglichst nachhaltig verbessern?

Patrick: Dich beim Englischreden zu verbessern geht nur, wenn du auch wirklich Englisch redest!

Max: Ja das ist klar, aber nicht jeder hat jemanden, mit dem er/sie Englisch reden kann.

Patrick: Stimmt, und das vernachlässigen auch viele Anbieter. Meiner Meinung nach sollte das Ziel nicht sein, perfektes Englisch zu reden und dabei nie einen Fehler zu machen. Vielmehr geht es um funktionelles Englisch.

Max: Was bedeutet das?

Patrick: Kommt bei deinem Gegenüber das an, was du inhaltlich kommunizieren wolltest? Wenn ja, hast du erfolgreich Englisch gesprochen. Dabei ist auch erstmal nicht wichtig, ob du einen kleinen Zeitfehler oder Präpositionsfehler in deinen Sätzen hattest.

Max: Wenn das meine alte Englischlehrerin Frau Engelstädter hört, eieiei.

Patrick: Mein Konzept hat nichts mit dem Englischunterricht der Schule zu tun. Grammatik und Vokabeln sind wichtig, noch wichtiger ist der Mut zu sprechen. Ich verfolge diese Philosophie mit meinem Unternehmen Englisch Hacks. Um dein Englisch auf ein neues Level zu bringen, schau doch mal gerne auf Instagram vorbei: @englischhacks

Max: Mach ich. Vielen Dank für das Gespräch.

Englisch und was noch?

Englisch – Check! Aber „nur“ mit Englisch allein können wir dem Personalmangel nicht beikommen. Was machen eigentlich andere, durchaus auch gebeutelte Branchen, um Personal zu bekommen beziehungsweise zu binden?

Im Handwerk finden sich immer mehr Unternehmen, die ihren Mitarbeitern eine Vier-Tage-Woche anbieten. Geht das nur im Handwerk? Die Isländer haben Erfahrungen dazu gesammelt. Geht nicht in einer Druckerei? Geht doch, hatte ich selber und zwar alle zwei Wochen. Da war die Spätschicht nur von Montag bis Donnerstag von 14:00 bis 22:00 Uhr besetzt. Besonders attraktiv für mich war, dass mein Schichtkollege Franky lieber in der Frühschicht arbeitete. Also hatte ich öfters mal von Donnerstag 22:00 Uhr bis Montag 14:00 Uhr frei. Ich fand das ziemlich cool, so Mitte 20 und ziemlich nah an den Bergen.

Selbst ein wenig Boss sein

Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmen ist auch eine Möglichkeit. Jetzt muss man nicht gleich an die Kommunarden der 60er denken. (Wobei Uschi Obermaier sicher einiges dazu sagen könnte, wie das wirklich war.) Es gibt Beispiele in den unterschiedlichsten Branchen. In der Schweiz habe ich öfter sehr spannende Modelle gesehen. Es ist für viele in Deutschland ein neues Terrain, aber eines, welches sich lohnt anzusehen. Mitarbeiter, die am arbeitgebenden Unternehmen beteiligt werden, zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie eine höhere Produktivität erwirtschaften, indem sie deutlich kosten- und ertragsbewusster handeln, kundenorientierter denken und agieren. Das sind nur ein paar der Benefits für die Arbeitgeberseite. Auf Seiten der Beschäftigten sind ebenso eine Vielzahl von Vorteilen zu identifizieren, die durch Einführung eines Kapitalbeteiligungsmodells für Mitarbeiter erreicht werden können. Nicht zuletzt profitieren die Beschäftigten dadurch, dass sie Zugang zu einer transparenten und oftmals attraktiven Kapitalanlage haben. Es besteht die Möglichkeit, die Rendite der Beteiligung aktiv und direkt zu beeinflussen, von einer steuer- und sozialversicherungsfreien Zuwendung des Arbeitgebers oder von einer steuerfreien Entgeltumwandlung zu profitieren. Grundsätzlich halte ich Mitarbeiterbeteiligung für eine gute Sache, im Einzelfall muss man es prüfen.

Ist der Personalmangel echt?

Obwohl alle davon reden und selbst die Jüngsten schon über das Problem vom ZDF informiert werden, frage ich mich jetzt einfach mal, wenn wir doch immer mehr Menschen werden, warum haben wir das Problem Personalmangel überhaupt? Vielleicht finden Anbieter und Suchende ja auch einfach nicht zusammen. Wenn man immer nach den gleichen Parametern sucht und nichts findet, sollte man die Parameter verändern. Das musste selbst Amazon lernen. Der Onlineversand-Riese wollte mit Hilfe künstlicher Intelligenz neue Mitarbeiter rekrutieren. Da die Algorithmen aber von Männern und Prozessen lernten, die männliche Bewerber bevorzugten, kamen weibliche Bewerber dabei zu kurz. Das ist nun aber schon eine Weile her und ich glaube an die Entwicklung der KI-Methoden.

Ein gehobeneres Matching mit Lebenslaufanalyse und Persönlichkeitstest verspricht das niederländische Start-up 8vance mit seiner Plattform Jobliebe. „Wir nutzen 39 Algorithmen, die anhand des Lebenslaufs analysieren, welche Fähigkeiten und Qualifikationen ein Mensch hat. Ein Algorithmus klassifiziert einen Jobtitel, ein anderer identifiziert Kompetenzen, ein weiterer gewichtet die Relevanz einer Fähigkeit.«, erklärt Han Stoffels, einer der Gründer. Ob das nun ein Tinder für Jobs ist, kann ich nicht sagen. Hier fehlt mir tatsächlich die Erfahrung für eine Transferleistung.

Zur Initiativbewerbung ermuntern

Die Initiativbewerbung wird meines Erachtens zu wenig forciert. Wirklich coole Präsentationen der Unternehmen, welche die Möglichkeiten für die Mitarbeiter herausstreicht, finde ich leider immer noch viel zu selten. Druckereien haben teilweise im wörtlichen Sinne beängstigende Webpräsenzen. Ob sich da ein an Maschinen oder IT-Technologie interessierter Arbeitssuchender bewirbt, wage ich zu bezweifeln. Ich schaue immer, wenn mir ein HR-Manager erzählt, dass er keine Mitarbeiter findet, wie es denn um Jobs/Karriere in dem Unternehmen bestellt ist. Da kommt entweder nichts oder eine Stelle als Buchbinder, wo jeder Quereinsteiger glauben muss man spricht von Rocket Science. Ruhig ihr zünftigen Kollegen, ich weiß um euren Wert! Aber ich kenne Quereinsteiger, die machen einen richtig guten Job! Zudem kenne ich Unternehmen, die haben nach einer herausragenden Bewerbung die Stelle für den Bewerber geschaffen, denn es kam mit dem Gesuch eine neue Idee ins Haus.

Welchen Weg Sie auch wählen, um Mitarbeiter zu finden und langfristig für das Unternehmen zu begeistern, bitte bringen Sie allen im Unternehmen Wertschätzung entgegen, denn zu wenig Wertschätzung durch den Chef steht an der Spitze der zehn häufigsten Kündigungsgründe.

My Take: Achtsamkeit, Respekt und Vertrauen sind meiner Meinung nach die Grundpfeiler für jede Art von Beziehung. Das sollte bereits auf der Homepage klar kommuniziert und muss im Unternehmen gelebt werden. Ich habe mal einen Geschäftsführer in einem Meeting sagen hören „Ach, dahinten arbeiten nur Deppen.“ Beim ersten Mal habe ich es überhört. Dann sagte er es wieder und es ärgerte mich sehr. Als er es zum dritten Mal sagte, fragte ich „Wer hat eigentlich diese Deppen eingestellt?“ Leider kam es bei dem CEO nicht an.

Es wird ab und an das JFK-Zitat bemüht: Frage nicht, was der Staat (Unternehmen) für dich tun kann, sondern was du für das Unternehmen (Staat) tun kannst. Auch wenn Chris Matthews, US-Nachrichtensprecher, in seinem Buch behauptet, dass der Spruch geklaut sei, nehme ich das gerne an, wenn sich die Beletage selbst als ein Teil der Mitarbeiter für die Unternehmung sieht. Ich glaube nicht, dass die Unternehmen schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben und empfehle in Sachen Stellenangebote kreativer und mutiger zu sein.

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Natürlich auch neue Frauen oder Diverse! (Aber 1982 sang Ina Deter eben „neue Männer braucht das Land“. Das Gendersternchen gab es noch nicht.) Und die Menschen (m/w/d) müssen auch gar nicht wirklich neu sein, sondern brauchen für die digitalisierte und vernetzte Welt einige Skills, die schon immer wichtig waren, aber mittlerweile eben entscheidend sein können. Hanne Dinkel von der Spread Group hat in ihrem Vortrag beim Online Print Symposium 2022 eindrücklich geschildert, wie sie dem Fachkräftemangel begegnet.
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Beyond-Print.de

Max Spies, ein echter Schweizer Degen, ist Drucktechniker und Betriebswirt. Als ERP-Spezialist der zipcon consulting GmbH recherchiert er entlang der gesamten Wertschöpfungskette und steigt in die Tiefen der Unternehmensbereiche ein. Menschen, Prozesse und Werkzeuge sind ihm bei seinen Betrachtungen in gleichem Maße wichtig. Mit Neugier, Rückgrat und einer Portion Allgäuer Streitlust erarbeitet er sich die Informationen. Seine verständlichen Expertisen sind die Grundlage für ergebnisorientierte Konzepte in den Kundenprojekten. Max Spies ist seit 35 Jahren in der Druckindustrie, war als Journalist bei „Deutscher Drucker“ tätig und schreibt Gastbeiträge für die Fachmagazine „Druckmarkt“ sowie „Grafische Revue Österreich“. Vor seiner Zeit bei zipcon war er für einen ERP-Software Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig und ist als aktiver Netzwerker in diesem Wirtschaftsraum bestens orientiert. (Profile auch bei Xing, LinkedIn)

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