Markt: print.com setzt auf eigene Printproduktion UND externe Partner

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„Er hat es schon wieder getan“, möchte man am liebsten sagen. Gemeint ist Marco Aarnink, Gründer und CEO der niederländischen Onlinedruckplattform print.com. Die Unternehmensgruppe hat gerade die restlichen Anteile am TMB Image Center im niederländischen Oss übernommen und mit der neu firmierten print.com Productions die eigene Druckproduktion ausgebaut. Parallel dazu setzt die B2B-Plattform weiterhin auf ein Netzwerk an Produktionspartnern, um weiter zu wachsen. Und der Erfolg gibt ihm Recht; wieder. Denn print.com ist nicht das erste Druckdienstleistungsunternehmen von Aarnink.

Für diejenigen, die die Onlineprint-Welt schon länger verfolgen, ist der Unternehmer kein Unbekannter. Aarninks erstes Unternehmen, die People & Print Group mit den noch heute bekannten Onlinedruck-Marken drukwerkdeal.nl und printdeal.be, wurde im Frühjahr 2014 mitsamt den damals 175 Mitarbeitern an den heutigen Cimpress-Konzern verkauft, der die Marken bis heute weiterführt.

Eigentlich war Marco Aarnink danach vor allem als Investor in unterschiedlichen Branchen aktiv, doch das Thema Druck hatte ihn nie losgelassen. Und so entstand aus der Gelegenheit, die Domain print.com zu kaufen, kein lukratives Weiterverkaufs-Geschäft, sondern ein ganz neues, international ausgerichtetes Druckunternehmen mit einem frischen Ansatz, was das Geschäftsmodell betraf. Was den jungen Unternehmer dabei besonders gereizt hatte bzw. was für ihn Motivation war, hat er bereits vor zwei Jahren in den Zippers Insights im Gespräch mit mir verraten. Wer das noch einmal nachlesen will, gelangt hier zum Interview von damals.

Konstanter Ausbau der Produktionskapazitäten

Seitdem hat sich einiges getan: Allen voran natürlich die neueste Meldung über die Übernahme der restlichen Anteile des TMB Image Center. Wieso restlich? Weil sich print.com schon im Januar 2019 mit Kampert-Nauta und dem Full-Service-Dienstleister TMB Print & Sign (so der damalige Name) zusammengetan und 50 % der Anteile an der Produktionsstätte übernommen hatte. Im März 2021 folgten außerdem gegenseitige Minderheitsbeteiligungen von Em. de Jong, der Muttergesellschaft der niederländischen Koninklijke Drukkerij Em. de Jong an print.com und umgedreht von print.com an Kampert-Nauta, ebenfalls ein Tochterunternehmen des wohl bekanntesten niederländischen Druckkonzerns.

Mit der aktuellsten Nachricht sortieren sich daher auch die Besitzverhältnisse neu: Während das TMB Image Center nun zu 100 % print.com gehört und die Onlineplattform darüber hinaus zusätzliche Produktionskapazitäten im Digital- und Offsetdruck von Kampert-Nauta übernommen hat, hält Kampert-Nauta künftig keine Anteile mehr an print.com. Jedoch ist die Muttergesellschaft Em. de Jong auch weiterhin durch eine Minderheitsbeteiligung an print.com und dem print.com-eigenen Produktionsbetrieb beteiligt.

Wer ist print.com Productions B.V.?

Nach der vollständigen Übernahme des TMB Image Centers hat print.com den Produktionsbetrieb in „print.com Productions“ umfirmiert und als eigenständige Unternehmenseinheit innerhalb der Gruppe etabliert. Sie ist damit Dienstleister für die Aufträge, die über die Onlineplattform print.com in Auftrag gegeben werden. Zumindest teilweise, denn der Ansatz von Marco Aarnink ist auch in dieser Frage etwas anders gelagert. Die Onlineplattform, die sich ausschließlich an professionelle Grafiker, Reseller und Marketingagenturen, also B2B-Nutzer mit einem regelmäßigen Printbedarf, richtet, setzt nicht nur auf eine eigene Produktion der Drucksachen. Eigentlich sogar im Gegenteil, denn der Aufbau bzw. Zukauf eigener Produktionskapazitäten war eher aus der Not geboren, wie Marco Aarnink in verschiedenen Interviews bereits erklärte. Denn anfangs sei es schwer gewesen, Produktionspartner zu finden. Zu häufig sei den potenziellen Partnern von anderen Kooperationspartnern die Entweder-die-oder-wir-Pistole auf die Brust gesetzt worden, wodurch nur der Aufbau eigener Produktionskapazitäten geblieben sei, um den wachsenden Bedarf zu bedienen.

Schon vor der ersten Beteiligung an TMB habe man deswegen beispielsweise die Textildruckerei Brezo in die print.com-Familie integriert – und im wahrsten Sinne des Wortes aus der Not eine Tugend gemacht. Der nun neu als print.com Productions agierende Produktionsbetrieb im niederländischen Oss ist maschinentechnisch breit aufgestellt: von Offset- und Digitaldruckmaschinen, Großformatdruckern und zahlreichen Veredelungs- und Weiterverarbeitungsmaschinen bis hin zu Sublimationsdrucksystemen.

Print.com fährt auch in Zukunft zweigleisig

Das mit den Netzwerkpartnern hat trotzdem funktioniert, sodass print.com heute quasi zweigleisig fährt und sowohl mit mehr als 150 Produktionspartnern arbeitet, wie auch eigene Kapazitäten betreibt. Geht das Unternehmen damit nicht mit dem eigenen Netzwerk in Konkurrenz? Wie Marco Aarnink in einem offiziellen Statement betont, werden die externen Produktionspartner auch weiterhin eine wichtige Rolle für die Onlineplattform spielen. „Nur mit den Print-Spezialisten, von der Verpackung bis zum Werbegeschenk, von der Raumdekoration bis zu Kleidung und Textilien“ könne das angebotene Produktportfolio ausgebaut und die Lieferwege zu den Kunden möglichst kurz gehalten werden. Das wolle man auch in Zukunft so handhaben und das Netzwerk an Produktionspartnern weiter ausbauen, erklärt der Unternehmensgründer in einem kurzen Videoclip.

Unkonventionelle Herangehensweise

Dass print.com die Dinge anders, zum Teil unkonventionell angeht, gehört quasi zur Firmenkultur. Denn bereits zum Start ist das Unternehmen einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen, wie mir Marco Aarnink in unserem Gespräch damals verraten hatte: Noch bevor das Geschäftsmodell von print.com feststand, hatten er und sein Team rund 100 potenzielle Kunden eingeladen und gemeinsam mit ihnen zusammen das Geschäftsmodell hinter print.com formuliert. Co-Creation nannte er diesen Prozess, der sicherstellen sollte, dass das Business Modell nicht am Kunden und dessen Realität vorbei entwickelt wurde.

Kein klassischer Onlinedrucker

Print.com ist kein klassischer Onlinedruckdienstleister wie Flyeralarm oder Onlineprinters, die sich auch an Endkunden richten. Die niederländische Plattform bedient, wie bereits erwähnt, ausschließlich Grafik-Profis und hat das Ziel, auch im internationalen Markt eine Rolle zu spielen. Da ist es kein Wunder, dass das Unternehmen relativ schnell seine Präsenzen in den umliegenden Ländern ausgebaut hat. Schon seit 2019 betreibt print.com ein Büro in Belgien, seit Anfang 2020 in Frankreich und seit Oktober 2020 auch in Deutschland, in Würzburg, um genau zu sein. Und seit Mitte 2022 ist print.com auch in Österreich vertreten.

Dabei will print.com nicht als Onlineprintshop wahrgenommen werden, sondern eher als eine Art Software-as-a-Service-Anbieter. Denn im Kern geht es bei der Onlineplattform um Applikationen, die dabei helfen sollen, Printbedarfe der Grafik-Profis zu managen, sei es als Web-App, über die Anbindung via API oder direkt aus dem Digital Asset Management (DAM) heraus.

Cross-Media im Visier

Kurz bevor die Meldung über die vollständige Übernahme des TMB Image Centers publik wurde, hat es übrigens noch eine andere Meldung gegeben, die in der Öffentlichkeit zwar nicht die große Runde gemacht hat, den gerade beschriebenen Ansatz aber ideal untermauert: Denn Marco Aarnink hatte vor zwei Monaten bekanntgegeben, dass converdy.com künftig ein Teil der print.com-Plattform ist. Converdy soll dabei unterstützen, Landingpages und Co. mit nur wenigen Klicks und dadurch besonders schnell zu erstellen. In einem LinkedIn-Post sprach der Firmengründer in diesem Zusammenhang von einem Schritt in Richtung Cross-Media-Integrationen.

My Take: Dass das Team von print.com ein klares Ziel vor Augen und ein Händchen für geschicktes Marketing hat, beweisen nicht nur die Partnerschaften und Übernahmen der letzten Jahre, sondern auch die Story, die sich das Unternehmen dank der Co-Creation ganz am Anfang verpasst hat. Denn die B2B-Kunden sind Frequent Flyers (weil ja Flyer zu den wichtigsten Produkten der Kreativszene gehören), das Thema der Flugreise wird über alle Bereiche bis hin zum Messestand gespielt und macht selbst vor dem Geschäftsführer nicht Halt. Denn der wird nicht CEO genannt, sondern Captain. Das ist a) konsistent und b) eine frische Herangehensweise, die Spaß macht. Wir dürfen also gespannt sein, wo die Reise von print.com noch hinführt.

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„Er hat es schon wieder getan“, möchte man am liebsten sagen. Gemeint ist Marco Aarnink, Gründer und CEO der niederländischen Onlinedruckplattform print.com. Die Unternehmensgruppe hat gerade die restlichen Anteile am TMB Image Center im niederländischen Oss übernommen und mit der neu firmierten print.com Productions die eigene Druckproduktion ausgebaut. Parallel dazu setzt die B2B-Plattform weiterhin auf ein Netzwerk an Produktionspartnern, um weiter zu wachsen. Und der Erfolg gibt ihm Recht; wieder. Denn print.com ist nicht das erste Druckdienstleistungsunternehmen von Aarnink.
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Beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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