Markt: Stell Dir vor es ist drupa und keiner geht hin…

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Die Heidelberger Druckmaschinen AG geht nicht mehr zur drupa! Was wäre Kino ohne Popcorn? Geht das? Geht, ist halt weniger Fett. Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist seit 1951 Motor und Gestalter der drupa. Das deutsche Unternehmen, in dessen Sog sich das Treffen der Druck- und Papier-Branche als globale Leitmesse etablierte, nicht mehr in Düsseldorf? Geht das? Geht auch und wird die Messe mager aussehen lassen. Vor allem, wenn dem Beispiel noch mehrere Unternehmen folgen. Xerox, Bobst und jetzt Heidelberger. Wer sagt der drupa als nächstes ab?

Zunächst die Besucher, das lässt sich abschätzen. Zwar lag die drupa, gemessen an den Besucherzahlen, zuletzt immer noch auf dem 10. Platz der wichtigsten Messeveranstaltungen, doch die Blaumänner haben sich größtenteils schon vor einiger Zeit verabschiedet. Vorbei die Zeiten des Betriebsausfluges nach Düsseldorf.

„Für eine engere und individuelle Kundenkommunikation setzen wir künftig auf neue, virtuelle Messekonzepte sowie regionale Veranstaltungen in den Wachstumsmärkten. Damit orientieren wir uns konsequent an den Erwartungen unserer Kunden,“ so wird Rainer Hundsdörfer, CEO von Heidelberg, in der Pressemitteilung des Hauses zitiert. Das bestätigt, dass die eigentlichen Anwender gar nicht mehr auf der Messe waren.

Aber es ist nicht das Angebot der Aussteller auf der Messe, welches die Besucher ausbleiben lässt. Es ist das Angebot der Messe Düsseldorf an die Aussteller und das Gesamtkonzept für den Besucher, welches nicht aktualisiert wurde. Ein drupa-Auftritt ist für Aussteller extrem teuer, die Infrastruktur bei der Messe 2016 war veraltet und würde mutmaßlichen heutigen digitalen Anforderungen nicht mehr genügen. Das Konzept der Messe ist veraltet. Die Webseite und die Ansprache haben sich gefühlt die letzten 8 Jahre nicht verändert. „Embrace the future“ – „Umarme die Zukunft“. Was soll der Slogan bedeuten? Man kann der Vergangenheit nachtrauern und man kann auf die Zukunft hoffen, aber arbeiten muss man heute. Da halte ich es mit dem Dalai Lama: „Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine ist Gestern, der andere Morgen.“ Heute ist der richtige Tag zum Arbeiten und zum Leben.

In der Messe Düsseldorf ist kein Leben! Die Reaktion der Messe auf die Ankündigung der Weltmarktführer war Tag darauf ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept. Wow! Das konnte man bei den Verbänden des Einzelhandels, der Dehoga oder dem Bundesministerium für Gesundheit seit ungefähr acht Wochen downloaden. Ok, per Fax-Polling stand es nicht zur Verfügung. Betrachten wir den IAA Concept Release. Die deutsche Automobil-Industrie ist ebenso gebeutelt. Mehrere Städte hatten sich mit ihren besten Ideen für ein „Neuland“-Thema beworben. Die Verlegung an die Isar ist durchdacht und gut kalkuliert. Es gibt echte Neuerungen und man kaufte allen Beteiligten das Postulat ab, dass die IAA zur international führenden Plattform für die Mobilität der Zukunft werden soll. So rollt man den Teppich aus!

„Wir erleben, wie eine Traditionsmesse vergessen hat sich selbst zu erneuern und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die drupa – zu weit weg vom Publikum und den Anbietern.“ – Bernd Zipper

Wenn die Heidelberg Druckmaschinen AG als langjähriger Partner der drupa auch weiterhin gerne seine Erfahrungen einbringen möchte, um zukunftsweisende Messekonzepte auf die neuen digitalen Möglichkeiten und Kundenanforderungen hin anzupassen, dann ist das ein Ausdruck maximaler Unzufriedenheit. Ich erinnere mich an eine der vergangenen Pre-drupa-Pressekonferenzen, an der die Aussteller mehr Möglichkeiten, mehr Innovation und mehr Integration forderten. Passiert ist wenig und Aussteller und Besucher wurden sich selbst überlassen. Wer sich jetzt wundert, dass zuerst die Besucher und dann die Aussteller wegbleiben, der sucht natürlich nach einer Ausrede. Da kommt Covid-19 gerade recht! Doch während die einen dabei sind sich aufzurappeln, haben andere noch gar nicht gemerkt, dass sie am Boden liegen.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch im internationalen Vergleich hat die deutsche Messebranche – gemessen an ihrem Umsatz – einen hohen Stellenwert: Fünf der zehn größten Messegesellschaften der Welt haben ihren Sitz in Deutschland. In den vergangenen 15 Jahren stiegen die Umsätze der Messebranche fast ausnahmslos an. Ist das der Grund für die Tatenlosigkeit? War man zu satt und zu sicher? Wird dem Esel zu wohl, dann geht er auf‘s Eis. Oder übertragen: Habe ich als Messe-Veranstalter von Digitalisierung keine Ahnung, dann biete ich für meine Kunden als Service unter Designlösungen den FlashPlayer an. Der ist seit 1.1.2020 aus dem Spiel! So könnte es der drupa auch gehen, wenn Sie sich nicht schnell etwas einfallen lässt, das über sichere Voraussetzungen für erfolgreiche Messen in Zeiten von Corona hinaus geht.

Bernd Zipper My Take: Der Applaus mag des Künstler‘s Brot sein. Den Applaus spendet ein präsentes Publikum. Wenn dieses, warum auch immer nicht zur Vorstellung kommt, bleiben Effekt und Einnahmen aus. Ich kann die Schwarzkünstler verstehen, die ohne Publikum nicht spielen wollen. Die Kosten müssen einem positiven Ergebnis gegenüberstehen. Da rechnet ein Globalplayer, wie die Heidelberger Druckmaschinen AG, genauso wie der Klebestreifenverkäufer im Übergang zwischen zwei Messehallen. Wer die Zukunft umarmen möchte, versucht das Unmögliche: Die Zeit festzuhalten! Ich hoffe es gelingt der drupa, sich neu zu erfinden. Vielleicht jährlich, kleiner und an verschiedenen Destinationen. Ich stelle mir einen Summit mit innovativen Leuten vor, ein Open House der Inspirierten und einen Dialog, der uns von heute an in die Zukunft begleitet.
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Die Heidelberger Druckmaschinen AG geht nicht mehr zur drupa! Was wäre Kino ohne Popcorn? Geht das? Geht, ist halt weniger Fett. Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist seit 1951 Motor und Gestalter der drupa. Das deutsche Unternehmen, in dessen Sog sich das Treffen der Druck- und Papier-Branche als globale Leitmesse etablierte, nicht mehr in Düsseldorf? Geht das? Geht auch und wird die Messe mager aussehen lassen. Vor allem, wenn dem Beispiel noch mehrere Unternehmen folgen. Xerox, Bobst und jetzt Heidelberger. Wer sagt der drupa als nächstes ab?
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Beyond-Print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

Discussion2 Kommentare

  1. Frank Oberbauer

    Ich kann ihren Artikel nicht wirklich nachvollziehen. Scheinbar haben Sie sich mit Messen in Düsseldorf die letzten Jahre nicht wirklich auseinander gesetzt. Ich besuche nicht nur die drupa seit 2012 sondern regelmäßig auch weitere Messen in Düsseldorf. Es ist richtig das bis vor ca. einem Jahr die Nutzung von WLAN auf dem Messegelände nicht wirklich gut geregelt war. In der Zwischenzeit bekommt jeder Besucher, der sein Ticket online kauft, Zugangsdaten für einen kostenlosen WLAN-Zugriff. Und dieser ist voll umfänglich und sehr gut nutzbar. Zudem finde ich schon, dass sich der Onlineauftritt der drupa deutlich gewandelt bzw. verbessert hat. So kann man hier über ein Matchmaking, welches auf der Seite angeboten wird, neue relevante Kontakt finden und sich mit diesen auf der Messe treffen, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Sie schimpfen über das Konzept ohne auch nur ein Beispiel aus ihrem weiten „Erfahrungsfundus“ zu nennen, wie man es evtl. besser oder anders machen könnte. Finden Sie das nicht ein bisschen zu einfach? Schlecht reden ist immer einfach.

    Ich habe, wie viele andere aus unserer Branche, auch von den Absagen Kenntnis genommen. Aber mal ehrlich. Ist es nicht bei einigen Absagen so, dass hier Corona gerne als Grund genommen wird und sich tatsächlich nicht ein ganz anderer, wirtschaftlicher, Grund dahinter verbirgt? Beispielsweise reicht hier ja schon ein Blick auf den Aktienkurs der Heidelberger Druckmaschinen AG.

    Zumal sich das Konzept von reinen digitalen Veranstaltung auch erst einmal durchsetzten und akzeptiert werden muss. Nur digital ist hier absolut keine Lösung. Ich möchte nicht nur vor dem Bildschirm sitzen und keinen direkten Kontakt zu Ausstellern oder anderen Besuchern pflegen.

    Ich freue mich auf die kommende drupa und werde auf jeden Fall dort als Besucher zugast sein, wie seit 2012. Die drupa ist und bleibt das globale Branchentreffen. Auch wenn es durch Corona wahrscheinlich nicht so groß ausfallen wird wie in der Vergangenheit.

    • Hallo Herr Oberbauer – Sie haben natürlich Recht: Meckern ist einfach. Sollte so bitte nicht ankommen. Schnell vergisst ein „alter Hase“ wie ich, dass nicht alle meinen Hintergrund kennen. Ich war ja selbst mal als externer Berater für das drupa-Management tätig (1999-2008) und war seit den frühen 90ern auf so ziemlich jeder Messe zum Thema Print – rund um den Globus. So ein wenig kenne ich mich also aus. Sie haben aber mit jedem Aspekt Recht – bis auf eine Ausnahme: Heidelberg. Ja, dem Unternehmen gehts nicht gut – logisch, dass die sparen müssen. Aber warum sollte Heidelberg auf eine Messe gehen und Millionen dafür ausgeben, wenn klar ist, dass es deutlich weniger Besucher geben wird? Aus Solidarität? Corona hat unsere Welt verändert und ich liebe die drupa (schon allein aus der Historie) – aber außer ein paar optischen Änderungen hat sich kaum etwas getan. Leider. Oder haben Sie irgendwo etwas zum Thema Onlineprint – oder Print-Procurement gefunden? Neue „Influencer“ aus diesem Bereich findet man auch im drupa-Beirat vergebens. (Damit meine ich ausdrücklich nicht mich – ich mache nichts mehr in diesem Bereich). Ich hoffe inständig, dass sich die drupa Zeit nimmt und sich neu erfinden kann – denn wenn nicht, werden die Aussteller (siehe Igedo -> Bread + Butter -> FashionWeek) es selbst tun… und dann ist die drupa am Ende. So hoffe ich, dass sich was tut – und freue mich auf ein Bier mit Ihnen auf der nächsten drupa – Sie sind hiermit eingeladen! Herzlichst – Bernd Zipper

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