Markt: Wer sind die größten Onlineprinter in der D/A/CH-Region?  

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Bescheidenheit, so heißt es, ist eine Zier. Doch wer sein Licht zu sehr unter den Scheffel stellt, wird in der heutigen Wirtschaftswelt schnell übersehen, für veraltet erklärt, ist nicht mehr gefragt. Angesichts der digitalen Medien und Möglichkeiten wird der Druckindustrie schon seit Jahren und in regelmäßigen Abständen das Ende prophezeit. Dabei erweisen sich große Teile der Industrie als quicklebendig und überaus erfolgreich. Allen voran im Onlineprint. Zeit für mehr Selbstbewusstsein! 

Das soll nicht heißen, dass ich die zahlreiche Herausforderungen und Problemstellungen nicht sehe, die es den Unternehmen der Druckindustrie heute schwer machen. Ein Selbstläufer, wenn es um wirtschaftlichen Erfolg geht, ist die Branche selbstverständlich nicht. Ganz im Gegenteil, denn Druckunternehmen sind angesichts sinkender Auflagen und sich rapide ändernder Nutzungsgewohnheiten der Menschen natürlich gefordert, sich permanent neu zu erfinden und anzupassen. Das kostet Geld und Kraft und Nerven. Das verstehe ich.  

Aber ich sehe eben auch zahlreiche Druckunternehmen, die es geschafft haben; ihren eigenen, erfolgreichen Weg gefunden haben, mit den neuen Gegebenheiten und Trends umzugehen.  

Eine besonders hohe Resilienz gegenüber den Entwicklungen der letzten Jahre weist die Onlineprint-Industrie auf, wenngleich sie natürlich auch nicht verschont geblieben ist. Das wissen die treuen Teilnehmer des Online Print Symposiums und die Unternehmen dieser Branche bereits.  

Doch vielleicht ist es jetzt – nur wenige Wochen vor der drupa – an genau der richtigen Zeit, noch einmal mehr Bewusstsein – Selbstbewusstsein in die Industrie zu tragen. Denn Druckereien haben neben all den Herausforderungen auch viele gute Gründe, selbstbewusst aufzutreten. Die Potenziale sind extrem groß. 

Das Potenzial ist groß 

Vielen ist das vielleicht nicht bewusst, aber Deutschland ist der drittgrößte Printmarkt der Welt, mit einer extrem hohen Exportquote. Das ist eine unglaubliche Macht. Allein die sechs großen Online-Print Player im D/A/CH-Markt erwirtschafteten 2023 einen Umsatz von 2,33 Mrd. Euro – insgesamt schätze ich den „online-generierten Print-Umsatz“ (OGPU) im letzten Jahr auf knapp 8,1 Mrd. Euro. Ein gigantischer Markt. Zu hoch, möchte man meinen? Eher nicht. Denn die vielen kleineren Online-Print Unternehmen,  Social-Commerce-Anbieter im Print-on-Demand und Mass-Customization-Sektor kommen noch hinzu. Und, das sollte man bei der Marktbetrachtung auf keinen Fall unterschätzen, viele B2B-Portale – also Direktanbindungen von Business-Kunden an Druckereien – gehören ebenfalls in die Betrachtung. Soll heißen, dass auch Umsätze von Anbietern wie z.B. Elanders von uns zum OGPU hinzugerechnet werden. 

Nun sprechen einige Marktteilnehmer gerne von einem „gesättigten“ Markt. Das sehe ich anders! Allein das noch erschließbare Umsatz-Potenzial im B2B-Bereich (über unternehmenseigene Print-Beschaffungsportale), sowie in den Bereichen Social-Commerce und Print-on-Demand liegt bei knapp 3,9 bis 4,2 Mrd. Euro in den nächsten Jahren. Und das nur in Deutschland.  

Denn die „Spaltung“ der Branche geht weiter voran: Auf der einen Seite die, die digital und online unterwegs sind und hochautomatisiert produzieren, und auf der anderen Seite die Spezialisten, also kleine wie große Unternehmen, die den Bereich in Print abdecken, der sich nur mit großem Aufwand online transformieren lässt. Kurz, das Potenzial ist da. 

Aber uns muss auch klar sein, dass – wenn wir diese Nachfragen nicht bedienen, es Unternehmen aus den anderen Ländern tun werden. Und können wir in Europa diese Nachfragen nicht bedienen, werden es eben chinesische Unternehmen sein. Das heißt im Klartext, wir müssen uns schleunigst Gedanken darüber machen, wie wir dieses Potenzial heben – und ich glaube übrigens, KI wird uns helfen, den noch immer vorhandenen Vorsprung wieder zu erhöhen. Wir müssen es halt angehen. 

Wer sind die größten Onlineprinter im D/A/CH-Raum? 

Doch zurück zum eigentlichen Thema meines Beitrags, der Onlineprint-Industrie und die Entwicklung der größten Player im Markt über die letzten Jahre. Auf jedem Online Print Symposium gebe ich dazu einen kurzen Einblick – und jedes Mal aufs Neue ist es genau diese Übersicht, die am meisten diskutiert und nachgefragt wird. Daher habe ich mich dazu entschieden, auch hier auf beyond-print.de darüber zu berichten. 

So unscheinbar die Tabelle auch daherkommen mag, sie liefert jede Menge wertvolle Informationen. Vor allem deswegen, weil es a) in offiziellen Marktstatistiken keine eigene Kategorie für Onlineprint gibt und b) nicht alle Unternehmen ihre Zahlen offiziell herausgeben. Es steckt also ein enormer Recherche-Aufwand dahinter.  

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Viele Jahre Erfahrung fließen in die Übersicht 

Wer mich kennt, der weiß, dass Onlineprint schon seit vielen Jahren eines meiner Schwerpunkt-Themen ist und ich die Branche und ihre Player schon mindestens genauso lange eng beobachte und begleite. Dadurch kann ich bei der Übersicht über die Entwicklung der einzelnen Unternehmen inzwischen auf einen Zeitraum von knapp oder sogar deutlich mehr als zehn Jahren zurückblicken.  

Die Umsatzzahlen selbst stammen dabei zum Teil aus offiziellen Unternehmensmeldungen, zum Teil aber auch aus zipcon-eigenen Recherchen und Abschätzungen. Sie geben daher zwar nicht zwingend die exakten realen Ergebnisse wieder – aber aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass sie die aktuellen Umsatzentwicklungen dennoch ziemlich gut abbilden.  

Insgesamt haben die Top-6-Onlineprint-Unternehmen in der D/A/CH-Region – Cewe, Cimpress (insbesondere Print Brothers), Flyeralarm, Onlineprinters, The Customization Group sowie Celebrate – einen Gesamtumsatz von 2,33 Mrd. Euro im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Abgesehen von der „The Customization Group“, die ihre Zahlen in den Jahren 2022 und 2023 nicht veröffentlicht hat, erhalte ich die Daten der großen Anbieter entweder direkt oder aus den entsprechenden, öffentlichen Investoren-Berichten.  

Onlineprint entwickelt sich trotz aller wirtschaftlicher Herausforderungen gut 

Was wir zunächst einmal grundlegend sagen können, ist, dass es im Prinzip bei allen sechs Anbietern konstant nur in eine Richtung gegangen ist, nämlich nach oben – auch wenn die Corona-Krise selbst hier für eine leichte Delle gesorgt hatte. Aber seit 2022 und auch im letzten Jahr sind die Umsatzzahlen wieder gestiegen, und das zum Teil recht deutlich. Eine Ausnahme gibt es jedoch, nämlich Onlineprinters. Hier muss man fairerweise aber dazu sagen, dass das Unternehmen zuletzt einen neuen Ansatz inklusive neuem CI gefunden und viel reininvestiert hat. Aber: Der Onlineprinters-Umsatz ist dadurch zwar leicht zurückgegangen, aber bedingt durch interne Prozessoptimierung, ist der Ertrag gestiegen. Man darf sich daher nicht immer nur auf die Umsatzzahlen verlassen. 

Am stärksten ist der Branchenvorreiter Flyeralarm gewachsen. Mit einem Umsatzplus von 11,4 %  – was in der Nach-Corona-Zeit für einen „klassischen Onlinedrucker“ wirklich ein hervorragendes Ergebnis ist –, zeigt das Würzburger Unternehmen, dass mit einer 360-Grad-Produktstrategie und dem richtigen Branding Online-Print weiterhin ein Erfolgsgarant ist. Der Umsatzsprung von 2022 auf 2023 ist von 404 auf 450 Mio. Euro absolut beeindruckend, zeigt aber auch, dass Flyeralarm seine Hausaufgaben gemacht hat. Neben einer guten – fast schon omnipräsenten – Präsenz auf nahezu allen Medienkanälen, verstehen es die Würzburger aber auch, immer wieder zu überraschen. Neuester Clou: Eine gemeinsame Online-Plattform mit Gmund. In Zeiten, in denen es sich wieder lohnt, edles Papier und hochveredelte Printprodukte anzubieten, ein kluger Move. 

Social Commerce zahlt sich aus 

Wir sehen aber auch zwei Player, die vor ein paar Jahren noch nicht zu den Top 5 oder Top 6 gehörten, heute aber nicht mehr wegzudenken sind: The Customization Group (ehemals als Picanova bekannt), die zahlreiche Endkundenmarken betreiben, sowie Celebrate, die unter anderem für ihre Marke „Kartenmacherei“ bekannt ist. Beide Unternehmen sind das beste Beispiel dafür, wie Social Commerce agil und erfolgreich eingesetzt wird, um neue Druckangebote in den Markt zu bringen. Und wer mir das nicht glaubt: Die Zahlen lügen nicht und sprechen für sich! Eine Konzentration auf das Endkundengeschäft kann also durchaus sehr erfolgreich sein. TCG und Celebrate sind darum für mich echte „Social Media Heroes“. 

Onlineprint ist Wachstumstreiber für die gesamte Druckindustrie 

Die Umsatzzahlen der Top-Onlineprinter im deutschsprachigen Raum sind aber nicht die einzige Möglichkeit, die Entwicklungen am Markt bewerten zu können. Als zipcon haben wir vor über drei Jahren auch den ZOPI, den zipcon Onlineprint Preis Index, ins Leben gerufen. Dieser stellt eben nicht die Umsatzzahlen der Unternehmen in den Vordergrund, sondern die Preise, die sie für Ihre Printprodukte aufrufen. So war etwa 2020 während der Corona-Krise und der aufkommenden Papier- und Energiepreiskrise erkennbar, dass die Onlinedruckereien ihre Preise zwar noch ein paar Monate stabil halten konnten, dann aber die Mehrkosten irgendwann doch auf die Kunden umlegen mussten. Übrigens: Die nächste ZOPI-Auswertung für das 1. Quartal 2024 gibt es in Kürze hier auf beyond-print.de zu lesen. 

Mit dem ZOPI und der jährliche Analyse der Umsatzzahlen der Top-Onlineprint-Unternehmen entsteht ein mehrschichtiges Bild einer Branche, die wirklich spannend ist und auch in den nächsten Jahren zurecht selbstbewusst auftreten kann. Denn Onlineprint ist ein Wachstumstreiber für Druckindustrie insgesamt.   

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Bescheidenheit, so heißt es, ist eine Zier. Doch wer sein Licht zu sehr unter den Scheffel stellt, wird in der heutigen Wirtschaftswelt schnell übersehen, für veraltet erklärt, ist nicht mehr gefragt. Angesichts der digitalen Medien und Möglichkeiten wird der Druckindustrie schon seit Jahren und in regelmäßigen Abständen das Ende prophezeit. Dabei erweisen sich große Teile der Industrie als quicklebendig und überaus erfolgreich. Allen voran im Onlineprint. Zeit für mehr Selbstbewusstsein!
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Publisher Name
Beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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