Markt: ZOPI – zipcon Onlineprint Preis Index im ersten Quartal 2022

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Die Preise für Printprodukte ziehen weiter an – das zeigt der aktuelle zipcon Onlineprint Preis Index, der das erste Quartal 2022 betrachtet. Damit reiht sich Print – zumindest gefühlt – nahtlos zwischen Lebensmitteln, Benzin und Strom ein. Nachdem die Auswirkungen der Pandemie verschiedene Industrien und Märkte in den letzten zwei Jahren unterschiedlich hart getroffen haben, sind die Folgen des Ukrainekrieges für jeden spürbar. Seitdem werden Druckereien gleich aus zwei Richtungen unter Druck gesetzt – mit Folgen, die die Branche grundlegend verändern könnten.

Da ist zum einen die Papierkrise, die sich vor einem guten Jahr in zuerst wiederholten Preiserhöhungen angekündigt hat und inzwischen zu einer echten Krise ausgewachsen ist. Papier ist nicht mehr nur teuer, sondern kaum mehr in den benötigten Mengen zu bekommen. Allein in den letzten sechs bis neun Monaten sind die Ausgaben für Papier um zum Teil 80 Prozent gestiegen, wie Jürgen Winkler, Chief Operations Officer bei Onlineprinters, in einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks kürzlich erklärte. Dafür sorgen längst nicht mehr nur die Lieferschwierigkeiten des Rohstoffs Frischfaser an sich, wie noch vor einem guten Jahr, sondern unter anderem auch Streiks beim finnischen Hersteller UPM, die zuletzt bis Ende April verlängert worden sind, oder die Pläne von Stora Enso, vier seiner fünf Papierwerke für grafische Papiere verkaufen zu wollen. Papier sei kein strategischer Wachstumsbereich mehr, heißt es von Seiten des Herstellers, der sich künftig unter anderem auf Verpackungen konzentrieren wolle.

Energiepreise explodieren

Vor allem die durch den Ukrainekrieg schnell steigenden Energiepreise machen der energieintensiven Papierindustrie und in der Folge auch den Druckereien und deren Kunden zu schaffen. Verlage sorgen sich um ihre geplanten Veröffentlichungen, der europäische Dachverband der Druck- und Medienwirtschaft Intergraf sowie der Bundesverband Druck und Medien (BVDM) fordern ein Umdenken der EU-Kommission in Sachen Forststrategie und Einfuhrzölle aus China – und der europäische Papierverband CEPI forderte Ende März gar die Einstufung der Branche als kritische Infrastruktur.

Auf Seiten der Druckereien gab es indes erste Meldungen über teils sogar traditionsreiche Unternehmen, die in Schieflage geraten sind – das vielleicht nicht ausschließlich aufgrund der Energie- und Papierkrise. Aber man kann davon ausgehen, dass die aktuelle Situation das Potenzial hat, die Konsolidierung im Markt in einem bisher nicht gekannten Tempo voranzutreiben und schon in den nächsten Monaten und Jahren zu zahlreichen Schließungen zu führen. Und dabei sind die Kosten für Papier und Energie nur das eine – die geringe Planungssicherheit auf der anderen Seite erschwert darüber hinaus so wichtige wie notwendige Investitionen.

Onlinedruckereien geben Preissteigerungen weiter

Vor denselben Herausforderungen stehen auch die Onlinedruckereien, die wir in unserem ZOPI, dem zipcon Onlineprint Preis Index, regelmäßig beobachten. Die Ausgangssituation von Unternehmen wie Vistaprint, Flyeralarm und Co. kann aufgrund ihres Vorsprungs hinsichtlich der digitalen Transformation und ihrer Bekanntheit über Ländergrenzen hinweg sicher als besser bewertet werden – dennoch sind die Herausforderungen dieselben. Denn: Wer hohe Druckvolumen produziert, braucht viel Papier und viel Energie.

Flyer werden (fast) überall teurer

Diese Kostensteigerungen geben die Onlinedruckereien inzwischen seit einigen Monaten auch an ihre Kunden weiter. Spätestens seit Mitte 2021 haben die meisten Onlineprinter die Preise ihrer Produkte erhöht – und das setzt sich größtenteils auch im ersten Quartal 2022 fort, wie der aktuelle ZOPI zeigt. Mit Ausnahme von Vistaprint und Onlinedrucken haben alle beobachteten Unternehmen die Preise für 10.000 beidseitig bedruckte Flyer im Format A5 im Vergleich zum letzten Quartal erhöht.

Die durchschnittliche Steigerung lag hier, verglichen mit der ersten Erhebung im Jahr 2020, bei 13.79 %. In der Einzelbetrachtung schneiden die Onlinedruckereien jedoch ganz unterschiedlich ab: Vistaprint und Onlinedrucken zum Beispiel haben ihre Preise gegenüber dem Endwert im vierten Quartal 2021 gesenkt. Während Vistaprint jedoch seine Indexwerte aus dem Jahr 2021 weitgehend beibehalten hat, verzeichnete Onlinedrucken einen starken Anstieg auf 10,82 % im vierten Quartal 2021 und senkte seine Preise nur geringfügig auf 9,60 % am Ende des ersten Quartals 2022.

Anders sieht es bei den übrigen Online-Shops aus. Zum Beispiel bei genauerer Betrachtung von Unitedprint, Onlineprinters, Flyeralarm und Redprintgroup: Diese vier Online-Druckanbieter haben ihre Preise für Flyer im letzten Quartal um mehr als 6 % erhöht. Gegenüber dem jeweiligen Indexwert um 42,6 3% (Unitedprint), 13,37 % (Onlineprinters), 1,19 % (Flyeralarm) und 24,17 % (Redprintgroup).

© Photo by zipcon consulting / zipcon.de

Die Kosten des Warenkorbs steigen

In der Betrachtung des Warenkorbs, der neben Flyern auch Broschüren und Visitenkarten enthält, zeigt sich ein prinzipiell ähnliches, aber dennoch leicht differenziertes Bild: Während Saxoprint (14,23 %) seine Preise im ersten Quartal 2022 gesenkt hat, haben Wirmachendruck (19,34 %), Flyeralarm (12,23 %), Onlinedrucken (17,64 %) und Redprintgroup (13,72 %) und die anderen Onlineshops ihre Preise ab dem letzten Quartal 2021 erhöht. Dabei markieren die Werte in Klammern die Preissteigerungen im Vergleich zur ersten Erhebung des Warenkorbs im November 2020.

Der Preis des Warenkorbs ist bei Saxoprint gesunken; man lag am Ende des Quartals 4/2021 bei 18,62 % gegenüber deren aktuellem Wert von 14,23 %.  Die durchschnittliche Steigerung aller sieben betrachteten Unternehmen lag Ende März 2022 bei 17.83 % gegenüber dem Indexwert.

Ist die Preissteigerung ausreichend?

In Anbetracht der Verknappung und deutlichen Verteuerung beim Papier, der Energiezuschläge, die Papierhersteller inzwischen zusätzlich verlangen und der insgesamt gestiegenen Energiekosten, erscheinen Preissteigerungen zwischen 13.79 % bei Flyern und 17.83 % beim Warenkorb eher überschaubar. Ob das auf Dauer ausreicht, um die Kostenexplosion auf Produktionsseite aufzufangen? Wohl eher nicht, denn eines ist inzwischen sicher: Die Verteuerung der für Druckereien und Verlage so wichtigen Ressourcen ist kein vorübergehender Zustand, sondern wird die gesamte Industrie noch viele Monate, wenn nicht sogar Jahre begleiten. Das muss und wird sich auch künftig in höheren Preisen für Printprodukte niederschlagen.

Ein Aspekt aber – auch wenn der vor dem Hintergrund der beschriebenen Herausforderungen beinah zynisch klingen mag – ist: Durch die Papierknappheit werden gedruckte Produkte in ihrer Wertigkeit steigen und von Empfängern, Lesern und Verbrauchern wieder mehr geschätzt werden. Vielleicht steckt in der gefühlten Abwärtsspirale daher auch ein kleiner Funken Hoffnung für eine rosigere Zukunft für (Online-)Druckereien. Zumindest für diejenigen, die sich dank ihrer digitalen Transformation gut auf die neuen Herausforderungen des Marktes eingestellt haben.

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Markt: ZOPI – zipcon Onlineprint Preis Index im ersten Quartal 2022
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Die Preise für Printprodukte ziehen weiter an – das zeigt der aktuelle zipcon Onlineprint Preis Index, der das erste Quartal 2022 betrachtet. Damit reiht sich Print – zumindest gefühlt – nahtlos zwischen Lebensmitteln, Benzin und Strom ein. Nachdem die Auswirkungen der Pandemie verschiedene Industrien und Märkte in den letzten zwei Jahren unterschiedlich hart getroffen haben, sind die Folgen des Ukrainekrieges für jeden spürbar.
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Beyond-print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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