Mass Customization: Cimpress akquiriert US-Branchengröße Buildasign

Cimpress stärkt seine Position auf dem US-Markt durch eine weitere Übernahme. Doch diesmal ist das Kaufobjekt kein Jungunternehmen, sondern eine große Nummer. Was steckt dahinter?

Erst vor wenigen Wochen hat Cimpress mit Vida & Co. sein Markenportfolio um ein junges Unternehmen aus dem Bereich Textil-E-Commerce erweitert. Bei der mehrheitlichen Übernahme des Start-ups aus San Francisco soll es aber für das Cimpress-Geschäftsjahr 2019 anscheinend nicht bleiben. Der weltweit größte Mass-Customization-Anbieter weitet seine Geschicke auf dem US-Markt aus, durch die vollständige Übernahme von Buildasign, einer 2005 gegründeten Branchengröße aus Austin, Texas. Das Unternehmen bildet als etablierter Onlineprinter – zum Beispiel im Gegensatz zu dem Start-up Vida & Co. – die gesamte Wertschöpfungskette von Bestellweg, Produktion und Lieferung selbst ab. Dass Cimpress ein Unternehmen kauft, das schon seit mehr als 10 Jahren am Markt ist, ist eher „unüblich“. Denn bis auf wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel NPC, übernimmt Cimpress zumeist junge, schnellwachsende Print-nahe Firmen mit starken Wachstumsraten, guter Vernetzung und einem sehr guten Kundenzugang.

Buildasign ist nicht jung, aber trotz – und gerade wegen – des bereits 13-jährigen Bestehens, einem breiten Produktportfolio und der offenen Unternehmenskultur wächst es immer noch schnell, und zwar so gut, dass sich das Investment für Cimpress bereits kurzfristig und auch auf Dauer auszahlen wird. Rund 240 Millionen Euro (280 Millionen USD) kostet die Übernahme. Cimpress selbst nennt ein mehr als 20%-iges Wachstum im letzten Jahr, das dem Anbieter von LFP-Produkten, Canvas-Wanddekoration und – wie der Name unschwer erkennen lässt – Schildern aus Austin einen Umsatz von rund 111 Millionen Euro (129 Millionen USD) eingebracht hat.

„Buildasign wird bei Cimpress nicht nur einen dreistelligen Millionenbetrag an Umsatz beisteuern – die zu erwartenden Synergieeffekte auf dem US-Markt mit Vistaprint und Co. schätze ich als mindestens genauso wichtig ein.“ – Bernd Zipper

Der Markt für selbstgestaltetes Home Decor – egal ob Canvas, LFP oder andere Wanddekoration – wächst seit einigen Jahren und wird auch weiterhin wachsen. Für dieses lukrative Feld brauchte Robert Keane aber noch einen Spezialisten, so wie er zum Beispiel Ende 2016 mit National Pen einen Spezialisten für vorrangig nicht-papierbasierte Werbemittel in Europa eingekauft hat. Das Marken- und Produktportfolio der gesamten Gruppe wächst damit erneut. Durch die zusätzliche Expertise, die Cimpress nun mit Buildasign in die den Konzern und die MCP holt, werden auch die bestehenden Marken wieder durch mehr Kundenzugänge und technisches Know-how gestärkt.

Canvas-Print gehört zum Kerngeschäft von Buildasign – und das gestaltet Robert Keane in Zukunft mit; Quelle: cimpress.com

Alleine in den USA hat Cimpress im Geschäftsjahr 2018 (von Juli 2017 bis Juni 2018) einen Umsatz von knapp 926 Millionen Euro (1,078 Milliarden USD) generiert – und damit gut 40 Prozent des weltweiten Gesamtumsatzes. Abgesehen von den über die MCP angeschlossenen US-Partnerdruckereien bearbeitet Cimpress den Mass-Customization-Markt auf dem westlichsten Kontinent bereits mit Vistaprint und Printi. Steuert Buildasign ab sofort jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag für den US-Markt hinzu, könnten die USA Europa als Hauptabsatzgebiet ablösen.

Ende Oktober will Cimpress – pünktlich zum Ende des Q1/2019 – jedenfalls potenzielle Synergieeffekte und die strategische Ausrichtung durch die Integration von Buildasign erläutern. Fest steht, dass Buildasign, wie bei den anderen Akquisen auch, gemäß der Dezentralisierungsstrategie als eigene Geschäftseinheit – wahrscheinlich mit der bestehenden Geschäftsleitung – weitergeführt wird. Zu erwarten ist vor allem, dass Vistaprint US durch die Akquise profitieren wird. Denn Canvas-Wanddeko muss das Flaggschiff von Cimpress für das Angebot über die eigene Webpräsenz in Zukunft nicht mehr fremdfertigen lassen – sondern greift auf das Know-how und die Kapazitäten von Buildasign zurück. Und dass Vistaprint ab voraussichtlich Juli 2019 in einer neuen Produktionsstätte in Dallas, ebenfalls Texas, produzieren wird, scheint also kein Zufall zu sein.

My Take: Die größten und teuersten Einkäufe hat Cimpress in den letzten Jahren immer zum Jahresende hin verlautbart – so wie jetzt mit der Akquise von Buildasign. Dabei lässt sich Robert Keane mit mehr als 200 Millionen USD den Kauf mehr kosten als 2015 bei WmD und ähnlich viel wie 2016 bei NPC. Verständlich, betrachtet man das weitere Umsatzpotenzial in einem wachsenden Markt (Home Decor) und die gute Performance von Buildasign auf selbigem. Und was die Synergieeffekte durch diese Akquise angeht, so darf man diese noch deutlich stärker als beispielsweise durch den Kauf von Vida & Co. einschätzen. Wir dürfen gespannt bleiben, welches aufstrebende Unternehmen als nächstes das Cimpress-Portfolio ergänzt. Sie werden es hier erfahren.

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Cimpress stärkt seine Position auf dem US-Markt durch eine weitere Übernahme. Doch diesmal ist das Kaufobjekt kein Jungunternehmen, sondern eine große Nummer. Was steckt dahinter?
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beyond-print.de
28.09.2018|Markt|0 Comments

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