Mass Customization: Ganz alleine schafft das keiner

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Es sorgt noch immer für eine gewisse Verwirrung, wenn von Mass Customization die Rede ist. Nicht nur, weil es schwer auszusprechen ist, auch das Verständnis scheint zu fehlen. Was aber durchaus nachzuvollziehen ist, denn im Grunde genommen ist Mass Customization ein Paradoxon:  Einzelfertigung mit der Effizienz einer Massenproduktion.

Um diesen Widerspruch zu verstehen, muss man einige Zeit zurückblicken. Ausgangspunkt war die industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in deren Folge das Fließband die Massenproduktion ermöglichte und Waren jeglicher Art für jedermann erschwinglich machte. Auf diese Weise hergestellte Massenware bedient bis heute die globalen Märkte.

Allerdings trifft die Strategie ›One size fits for all‹ heute nicht mehr die Wünsche aller Kunden. Es kommt zu einer teilweisen Abkehr von Massenprodukten, da sich die Menschen (zumindest) in den entwickelten Industriemärkten nicht mehr nur für das Nötigste interessieren. Sie wollen den Kick der Abwechslung, nicht mit dem Strom schwimmen, sondern genau das machen, was andere nicht tun – eben individuell sein.

Den Bogen überspannt

Die Massenproduktion hat aber mit immer preiswerteren Produkten zu der absurden „Geiz-ist-geil“-Mentalität geführt und damit den Bogen überspannt. „Je mehr, desto preiswerter“ war über Jahrzehnte auch im Druck die Devise. Print-Einkäufer machten davon bis zur Absurdität Gebrauch, sodass vorsichtig geschätzt ein Drittel der Drucksachen letztlich ungelesen im Müll landeten, weil das Verbrauchen einer Massenauflage eben länger dauert, als ein Inhalt aktuell bleiben kann.

Als Folge dieser Erkenntnis werden die Auflagen kleiner, die Aktualisierungszyklen und die Anzahl kleinerer Druckaufträge nehmen zu und es wird generell immer mehr bedarfsorientiert gedruckt – was Ressourcen wie Papier, Energie etc. gleichzeitig schont.

Bedarfsorientiert kann auch heißen: Auflage 1. Und damit sind wir wieder bei Mass Customization, dem globalen Trend, der schon seit einigen Jahren anhält und sich in jüngster Zeit massiv verstärkt hat.  

Globaler Trend in allen Branchen

So berichtete José Salgado auf dem Online-Symposium 2024 in München, dass sich die von ihm mitgegründete portugiesische Bizay Group zum Ziel gesetzt hat, Mass Customization zu einer der größten Industrien der Welt zu machen. „Dazu haben wir ein globales Operating System entwickelt, das den Zugang zum weltweit umfangreichsten Katalog mit über 50.000 individualisierbaren Produkten ermöglicht“, erläuterte Salgado.

Bizay bedient sich bei seinen Beratungen zur Mass Customization Künstlicher Intelligenz und hat sich vor allem für Einsatzmöglichkeiten beispielsweise in Hotels, Restaurants oder den Einzelhandel konzentriert. Individualisierte Massenprodukte reichen bei Hotels von Türhängern, bedruckten Taschen, Notizblöcken, Kugelschreibern über Textilien für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zu Teppichen oder Tapeten. Ähnlich umfangreich ist der Bedarf bei Restaurants für individuelles Geschirr wie Teller, Tassen und Gläser, eigene Flaschen samt Etiketten, Menükarten oder einheitliche Kleidung für das Personal sowie Einkaufstaschen, Displays, Broschüren, Flyer, Verpackungen und Kundenkarten für den Einzelhandel. 

Bizay ist in 23 Ländern vertreten und erzielt nach 10 Jahren (Gründung 2014) einen Umsatz von über 40 Millionen Euro. Salgados Ziel ist es, via Mass Customization maßgeschneiderte Produkte für kleine bis große Unternehmen auf der ganzen Welt voranzutreiben. Denn der Markt geht weit über die angesprochenen Branchen hinaus. „Der Markt ist riesig und unglaublich komplex. Es sollte aber keiner glauben, das alleine machen zu können“, stellte Salogado fest und empfiehlt, hier die Kooperation auch mit Wettbewerbern (Coopetition). 

Mass Customization Crew

Genau das haben jetzt die fünf Lösungsanbieter rissc solutions, Tessitura, be.print, ctrl-s und calibrate: erkannt und sich zur Mass Customization Crew (MCC) zusammengetan. Sie wollen eigenen Angaben zufolge Druckdienstleister und Unternehmen mit eigenen Printabteilungen bei der Umsetzung einer prozessoptimierten, hochautomatisierten und vernetzten Produktion unterstützen und den Einstieg in den Megatrend Mass Customization erleichtern.

Die Unternehmen hinter der MCC sehen Mass Customization aber nicht als ein Phänomen, das nur deshalb existiert, weil es moderne Techniken, IT und Software möglich machen, sondern weil es ein echtes Bedürfnis ist. Viele Menschen und Unternehmen haben verstanden, welchen Wert individualisierte Produkten haben und und welche Kraft sie entwickeln können. Denn eine hochwertige Veredelung durch Individualisierung macht aus einem Standard-Produkt ein persönliches, emotionales und wertvolles Produkt.

So ist Mass Customization auch kein Hype – oder nur auf bestimmte Branchen begrenzt. Mass Customization ist ein gesellschaftlicher Megatrend, von dem im besonderen Maße auch die Druckindustrie und ihr nahestehende Wirtschaftszweige profitieren können.

Allein in Deutschland, so die Einschätzung der zipcon consulting GmbH, wächst Mass Customization   jedes Jahr um 6% bis 7% – und stellt damit in einem insgesamt schrumpfenden Markt ein deutliches und aussichtsreiches Wachstumspotenzial dar.

Noch dazu ist Mass Customization durch die hohen Anforderungen an die Auswahl über Editoren eng mit dem Onlinedruck verbunden, der in den letzten Jahren ebenfalls stetig gewachsen ist.

Streamlining von Arbeitsabläufen

Um hochgradig individualisierte Produkte zu einem erschwinglichen Preis anbieten und in der Produktion von Skaleneffekten der klassischen Massenproduktion profitieren zu können, braucht es aber nicht nur das richtige Mindset in den Unternehmen, sondern auch hochautomatisierte, vernetzte Prozesse und Workflows.

Hier bietet die Mass Customization Crew – verteilt auf mehrere Schultern – ihre Dienste an. Denn die MCC ist eine unternehmerische Allianz, die das Versprechen gibt, eine Lösung für Herausforderungen und Fragen zu finden. Die Mitglieder der Mass Customization Crew unterstützen bei jeder Fragestellung – entweder selbst oder über einen Partner der MCC.

So sind rund um E-Commerce-Systeme, Webshops oder Editoren für die Kreation beispielsweise be.print und rissc die Ansprechpartner, geht es um die Automatisierung des PDF-Workflows inklusive Datencheck und automatischer Korrektur, kommt calibrate zum Zuge. Und wer Unterstützung beim Optimieren und Automatisieren seines Produktionsprozesses inklusive der Einbindung von Onlineshops benötigt, ist bei ctrl-s richtig aufgehoben – oder auch bei Tessitura, die dafür sorgen, dass analog arbeitende Systeme in einen einheitlichen digitalen Workflow eingebunden werden.

Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Druckerei im klassischen Akzidenzdruck, im Großformat- oder Zeitungsdruck oder im Etiketten- und Verpackungsmarkt tätig ist.

Neue Spielarten der Kommunikation

Individualisierung, Personalisierung, Auflage 1, 1:1-Marketing und Mass Customuization dürften aufgrund der Diskussionen der letzten Jahre in der Branche zwar weitestgehend bekannt sein, werden aber noch eher spärlich umgesetzt. Doch wird dieses Segment erheblich an Bedeutung zunehmen. Online-Plattformen, auf de­nen Kunden ihre persönlichen Drucksachen durch einfache Handhabung selbstständig entwerfen und bestellen können, haben hohes Zukunftspotenzial. Deshalb sind Druckereien auch gut beraten, in diesem Feld aktiver zu werden, Know-how aufzubauen, zu investieren, einfach zu bedienende Tools zu schaffen sowie kreative Angebote und Produkte anzubieten.

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Beyond-print.de

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