Menschen: Mit Diversity und Digital Leadership gegen den Fachkräftemangel

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Druck ist reine Männersache? Schon lange nicht mehr! Doch wer im Online-Business langfristig erfolgreich sein will, braucht keine Quotenregelung, sondern echte Offenheit gegenüber den Bedürfnissen der neuen Generation Mitarbeiter, Diversity und ja, auch Digital Leadership. Die Paradigmenwechsel, die all das mit sich bringt, fordern alteingesessenen Führungskräften mitunter einiges ab. Doch sind sie unumgänglich, wenn es darum geht, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Die Spread Group feiert in diesem Monat bereits ihr 20-jähriges Bestehen – und trotzdem hat sich das Unternehmen, das heute fünf Marken –  Spreadshirt Marketplaces, Spreadshirt Create Your Own, Spreadshop, TeamShirts und SPOD – betreibt, an fünf Standorten in den USA und Europa produziert und in Peak Seasons mehr als 1.600 Mitarbeiter beschäftigt, seine Start-Up-Mentalität über all die Jahre bewahrt. Worauf es dabei ankommt? Das hat Hanne Dinkel, Chief Customer Delivery Officer der Spread Group, auf dem Online Print Symposium 2022 erklärt.

Eigentlich stand ihr Vortrag unter der Überschrift „Führung wird weiblich“ – doch im Grunde genommen ging es um viel mehr. Nämlich darum, was ein erfolgreiches Onlineunternehmen wie die Spread Group aus- und anders macht. Dabei sei das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, die „Gender ratio“, nur ein kleiner Baustein – wenn auch einer, der ein Schritt in die richtige Richtung sei. Das Unternehmen geht dabei selbst als gutes Beispiel voran, denn mehr als die Hälfte der Mitarbeiter – allein am Hauptstandort Leipzig – sind weiblich. Bei den Direktoren-Posten ist die Verteilung 50/50, bei den Managern beträgt der Anteil der Frauen sogar fast 60 Prozent. Im neuen Produktionswerk in Polen, das im April 2021 und damit mitten in der Pandemie in Betrieb genommen wurde, ist sogar das gesamte Führungsteam weiblich.

Vielfalt im Team und ein zeitgemäßes Mindset

Was laut Hanne Dinkel jedoch noch mehr zählt als das, ist die Vielfalt, die bei der Spread Group vorherrscht. Allein am Stammsitz beschäftigt das Unternehmen beispielsweise Menschen mit 49 Nationalitäten. „Wir sind ein vielfältiges Unternehmen, weil wir global agieren“, erklärte Dinkel auf dem OPS 2022. Außerdem ist das Online-Business digital und damit per se attraktiv gerade für jüngere Mitarbeiter. Der Altersdurchschnitt des Spread-Group-Teams liegt bei 36/37 Jahren.

Doch wer jetzt glaubt, nur weil er einen Onlineshop betreibt, sei er attraktiv für die so dringend benötigten Fachkräfte, der täuscht sich. Denn angesichts des Kulturwandels, der sich durch die gesamte Gesellschaft zieht, gehört deutlich mehr dazu, die richtigen Leute zu finden und an sich zu binden. Es benötigt, so war es deutlich herauszuhören, ein Denken, das sich an den unterschiedlichen Generationen orientiert sowie vor allem ein zeitgemäßes Mindset. Und das bedeutet eben nicht nur offen, flexibel und agil zu handeln, Remote Work zu ermöglichen, was bei der Spread Group schon vor Corona zum Standard gehörte, familienzentriert zu sein oder die persönliche Entwicklung Einzelner zu fördern.

Unternehmenssprache Englisch

„Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, den wir haben, ist: Wir sind international und unsere Unternehmenssprache ist Englisch. Das gibt uns die Möglichkeit, Fachkräfte aus dem Ausland zu akquirieren. Man wird als Arbeitgeber attraktiv auf dem globalen Arbeitsmarkt, denn die Leute können für ein modernes Unternehmen arbeiten, ohne die schwierige Sprache Deutsch lernen zu müssen“, so Dinkel. Ist jedoch Englisch Unternehmenssprache, öffnet sich in Sachen Fachkräfte-Gewinnung sprichwörtlich die Welt.

Multidimensionale Perspektive

Darüber hinaus sollten sich Unternehmen auch auf die „Digitalen Nomaden“ einstellen, die vielleicht nur ein paar Jahre in Deutschland arbeiten wollen. Denn genau sie seien es, die nicht nur frischen Wind, sondern auch neue Perspektiven einbringen würden. „Man schaut nicht mehr mit der immer gleichen, eingeschränkten Brille auf ein Problem, sondern bekommt eine multidimensionale Perspektive. Und das macht uns als Unternehmen viel schneller“, betonte Hanne Dinkel.

Was Digital Leadership ausmacht

Keine Frage, Unternehmensführung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, besonders in Zeiten, die sich nicht nur technologisch schnell entwickeln, sondern in denen auch weltpolitisch viel passiert. „Ich glaube, wir befinden uns im größten wirtschaftlichen Umbruch aller Zeiten“, erklärte entsprechend auch Haeme Ulrich, Gründer der morntag GmbH, aus der Schweiz und seines Zeichens ein ausgewiesener Experte in Sachen Publishing und Digital Leadership, „aber das ist nicht nur schlecht“, führte er fort. Wie in jedem Umbruch gibt es, so stieg er in seinen Vortrag auf dem OPS ein, Gewinner und Verlierer – doch was macht ein Unternehmen in der heutigen Zeit zu einem Gewinner? Da wären unter anderem neue Formen der Zusammenarbeit, ein neues Rollenverständnis und ein neuer Umgang mit Technologie, wobei hier die Betonung auf Umgang liege!

Freie Entfaltung = hoher IQ = bessere Wissensarbeit

Hinsichtlich der neuen Formen der Zusammenarbeit spiele beispielsweise psychologische Sicherheit eine große Rolle; das Gefühl, Teil des Teams zu sein und Vertrauen zu spüren. Denn, so Haeme Ulrich: „Wenn du als mitarbeitende Person nicht vertrauen kannst, kannst du dich auch nicht voll entfalten.“ Das sei besonders wichtig, weil in modernen Branchen von heute nicht mehr die repetitive Arbeit vorherrsche, sondern die Wissensarbeit, bei der es auch auf den IQ ankomme. Der wiederum verkümmere vor allen bei denjenigen, die in angstfördernden Umgebungen, in hierarchischen, „militärischen“ Führungsstrukturen, arbeiten. Auch die erlernte Hilflosigkeit ist laut Ulrich ein Hemmschuh. „Wenn ich lerne, dass ich nichts bewegen kann, bewege ich auch nichts“, sagte er, und betonte dabei, wie wichtig das Lernen beim Thema Leadership ist und meinte damit sowohl das eigene Lernen, wie auch das Lernen der Mitarbeitenden. „Ich muss mir darum als Leader überlegen, wie ich ein Umfeld der Wissenskultur erarbeiten kann.“

Paradigmenwechsel

Zum Punkt „Neues Rollenverständnis“ warf der Fachmann ein starkes Zitat aus der Projektmanagement-Methode Kanban an die Wand: „Manage Work, lead People“ – „verwalte die Arbeit und führe Menschen. Denn niemand auf dieser Welt will gemanaged werden“, so Haeme Ulrich, „sie wollen geführt werden, motiviert werden. Gemanaged wird die Arbeit. Das ist eine Frage des Fokus“. Wichtig sei zudem die folgende Einsicht: „In der Wissensarbeit geht es nie um Einzelpersonen, es geht immer ums Team.“

Ebenso räumte er mit dem Paradigma „der Kunde ist König“ auf, schließlich könne die Beziehung zu einem König nie auf Augenhöhe stattfinden. Doch gerade das sei es, was auf dem gemeinsamen Weg mit dem Kunden so wichtig ist: die Begegnung auf Augenhöhe und Vertrauen. „Der Kunde ist Partner, Komplize. Wir müssen den Weg zusammen gehen. Aber alles mit „der Kunde ist König“ zu entschuldigen, ist nichts weiter als dumme Manipulation“, war er sich sicher. „Das Credo ‚der Kunde ist König‘, das gibt am Ende nur kurzfristige Beziehungen – aber ‚der Kunde ist Partner‘, das gibt langfristige Beziehungen.“

„Brain-Ware“, nicht Software

Die moderne Führung von Menschen und Unternehmen müsse aber auch hinsichtlich der Technologie einiges bedenken: „Der klassische Druck ist repetitive Arbeit, immer im gleichen Takt. Wenn es nun aber in Richtung Personalisierung und Individualisierung geht, kommt plötzlich IT ins Spiel. Publishing ist heute IT und IT ist nie repetitiv. Ein System, das bei einer Firma funktioniert, kann ich nicht genauso bei einer anderen Firma installieren. So funktioniert IT nicht. IT ist agil und IT ist Wissensarbeit. Das heißt: Der Mehrwert steckt in der ‚Brain-Ware‘, und nicht in der Software“. Daher müsse man sich, so seine Empfehlung, als modernes Unternehmen so aufstellen, dass die Wissensarbeit im Fokus steht, also nicht nur „die Maintenance-Verträge mit den Herstellern, sondern auch die Maintenance-Verträge mit dem Wissen“.

Wer den ganzen Vortrag von Haeme Ulrich sehen will, der kann sich in das Video reinklicken:

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My Take: Wer im Online-Business erfolgreich sein will, der braucht nicht nur ein gutes Geschäftsmodell und leistungsfähige Technik – sondern vor allem gute und engagierte Mitarbeiter. Und die legen heute auf andere Dinge Wert als es noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Höchste Zeit also, sich von längst überholten Ansichten und Paradigmen zu verabschieden. Denn ein modernes Unternehmen muss auch modern denken.
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Druck ist reine Männersache? Schon lange nicht mehr! Doch wer im Online-Business langfristig erfolgreich sein will, braucht keine Quotenregelung, sondern echte Offenheit gegenüber den Bedürfnissen der neuen Generation Mitarbeiter, Diversity und ja, auch Digital Leadership. Die Paradigmenwechsel, die all das mit sich bringt, fordern alteingesessenen Führungskräften mitunter einiges ab. Doch sind sie unumgänglich, wenn es darum geht, dem Fachkräftemangel zu begegnen.
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Beyond-Print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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