News: EFI trennt sich von seinem Fiery-Geschäft

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Die Zeiten der möglichst breiten Portfolios ist vorbei. Zumindest bei Electronics for Imaging (EFI). Nachdem sich das Unternehmen vor gut einem Jahr bereits von seiner Softwaresparte getrennt hatte, wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass auch das Fiery-Business ab sofort in einem separaten Unternehmen ausgegliedert wird. EFI selbst will sich künftig ausschließlich auf sein Industrial-Inkjet-Geschäft konzentrieren.

Die Digital Frontends (DFE) waren Grundstein und über viele Jahrzehnte hinweg Kerngeschäft von EFI. Als OEM-Partner hat EFI Druckserver entwickelt, die mit quasi allen Digitaldruckmaschinen und in einer Vielzahl unterschiedlicher Märkte im Einsatz sind, von der Verpackungsindustrie, über Akzidenzen bis hin zu anderen industriellen Anwendungen. Mit seinen Fiery Print Servern hat es EFI gar zu einer Art Industriestandard in Sachen Druckdatenaufbereitung und RIP-Technologie geschafft, auch wenn die Vielzahl an Druckmaschinenherstellern längst eigene Digital Frontends entwickeln und anbieten. Erst im Juli vergangenen Jahres hatte EFI den kanadischen Anbieter von Produktions- und Workflow-Software, CADLink Technology, übernommen und in das Fiery-Geschäft integriert.

Nach dem Verkauf der Produktionssoftwaresparte an die Symphony Technology Group (STG) Anfang Januar 2022 hatte es geheißen, EFI werde sich künftig auf die Geschäftsbereiche Inkjetdruck und Fiery konzentrieren. Mit der neuesten Nachricht über die Ausgliederung des Fiery-Geschäftes, „schrumpft“ das Tätigkeitsfeld von EFI nun noch einmal deutlich – und das ausgerechnet um das, was ursprünglich das Kerngeschäft von Electronics for Imaging gewesen ist. Aber eins nach dem anderen. Worum geht es überhaupt in der aktuellen Nachricht und was bedeutet das für diejenigen, die Fiery-Produkte im Einsatz haben?

Fiery agiert künftig als eigenständiges Unternehmen

Parallel zur Anwenderkonferenz „Connect“ in Las Vegas, die in diesem Jahr erstmals unter der Leitung von eProductivity Software (EPS) veranstaltet wurde, wurde die Nachricht bekanntgegeben. Das Fiery-Business wird aus der EFI-Konzern-Struktur ausgegliedert und agiert künftig als eigenständiges Unternehmen mit dem Namen „Fiery“ – und als hundertprozentiges Tochterunternehmen der Siris Capital Group LLC, die den Gesamtkonzern EFI im Jahr 2019 übernommen hatte.

Was die Organisationsstruktur des ausgegründeten Unternehmens angeht, so soll sich nach ersten Informationen nicht allzu viel ändern: Geleitet wird Fiery auch künftig von Toby Weiss, der bereits in den letzten Jahren als Chief Operation Officer und General Manager des Geschäftsbereichs tätig war und nun CEO von Fiery ist. Bei EFI selbst tritt der bisherige Jeff Jacobson in „die zweite Reihe“ zurück und übergibt die Verantwortung als CEO an Frank Pennisi. Jacobson bleibt allerdings Executive Chairman – und übernimmt diese Funktion ebenso bei Fiery.

„Mit dieser Neuausrichtung ist Fiery bestens positioniert, um Investitionen zu beschleunigen und in seinen derzeitigen Märkten zu gewinnen und gleichzeitig seine Präsenz in wichtigen angrenzenden Märkten strategisch auszubauen – wie die jüngste Übernahme der CADlink Technology Corporation durch Fiery zeigt“, wird Jacobson in einer Unternehmensmitteilung zitiert. Zugleich gehe es darum, künftig unabhängiger am Markt zu agieren. Auch, wenn die Geschäfte schon zuvor unabhängig voneinander gearbeitet hätten, wird durch die nun offizielle Trennung diese Eigenständigkeit noch einmal mehr deutlich.

Im Gespräch mit David Zwang von Whattheythink erklärt Jeff Jacobson zudem die Hintergründe des beschriebenen Strategiewandels. Vor ein paar Jahren habe das Gebot der Stunde noch „Synergie“ gelautet. „Wir waren viele Jahre lang der Überzeugung, dass eins plus eins gleich drei ist – und dass es richtig sei, Gesamtpakete anzubieten“, so Jacobson. „Inzwischen wissen wir jedoch, dass es um Fokussierung und Spezialisierung geht, um die Potenziale der einzelnen Technologien tatsächlich zu heben“.

EFI wird zum „Pure-Player“ im Industrial Inkjet

EFI werde sich künftig ausschließlich auf sein Industrial-Inkjet-Geschäft konzentrieren – schließlich sei hier, so Jacobson, das Potenzial riesig. „Vor allem im Bereich Packaging und Textil. Hier machen die digitale Drucktechnologien laut dem Executive Chairman noch immer weniger als 10 Prozent aus. Daher werde sich EFI künftig ganz bewusst auf den Ausbau der Inkjettechnologien im industriellen Umfeld fokussieren, und – so Jacobson – mehr in M&A und in Investments stecken.

EFIs Engagement im Industriellen Inkjet geht auf das Jahr 2005 zurück, in dem das Unternehmen den Supergroßformat-Spezialisten Vutek übernommen hat. Es folgten Jetrion, Raster Printers, Cretaprint und später Reggiani sowie Anbieter aus dem Bereich der Farben- oder besser gesagt, Tintenhersteller.

Frank Pennisi, der neue CEO von EFI, kommt selbst aus dem Großformatdruck und war als Teil der amerikanischen Unternehmen Orora Packaging Solutions sowie Orora Visual selbst viele Jahre Anwender der EFI-Nozomi- und Vutek-Großformatdrucker. Erfahrung in Führungspositionen bringt er zudem durch seine beruflichen Stationen bei Flir Systems, Honeywell und GE mit.

Verschrumpfung, oder: Auf Generalisierung folgt Spezialisierung

Schon mit der Entscheidung von Anfang 2022, die Sparte Produktionssoftware zu verkaufen, hat EFI einen Wendepunkt in der Ausrichtung seiner Geschäftsaktivitäten gesetzt: Weg vom Generalisten, der von der Software, über die Datenaufbereitung bis zu den Maschinen alles als „Rundum-Sorglos-Paket“ aus einer Hand liefern konnte, hin zu einem mehr spezialisierten Anbieter. Das wird mit der neuesten Meldung über die Ausgliederung des Fiery-Businesses nun noch offensichtlicher.

Künftig steht die Marke EFI für Industrial Inkjet, und zwar ausschließlich. Das ist natürlich erst einmal ein komisches, weil ungewohntes Gefühl – dennoch ist der Schritt durchaus nachvollziehbar: Denn nachdem der amerikanische Konzern sukzessive auch zum Maschinenhersteller wurde – und damit in Konkurrenz zu seinen OEM-Kunden aus dem DFE-Geschäft trat – könnte die Trennung der beiden Geschäftszweige tatsächlich für mehr Neutralität sorgen. Dem OEM-Geschäft mit den Fiery Digital Frontends könnte das einen Push geben. Und EFI ist damit künftig selbst Kunde von Fiery.

Schwieriger könnte hingegen ein anderer Fakt wiegen: Schließlich verabschiedet sich EFI mit der Ausgliederung der Fiery-Sparte von seinem eigentlichen Grundstein.

My Take: EFI und Fiery betonen, dass Sie weiterhin eng miteinander verbunden sein werden – schon allein, weil beide nun gleichberechtigte Unternehmen im Siris-Capital-Universum sind. Fakt ist aber auch, dass – vorausgesetzt die Geschäfte laufen bei dem einen oder anderen nicht wie erwartet – Siris Capital nun viel einfacher eines der beiden Unternehmen wieder loswerden könnte, wenn die Erwartungen nicht erfüllt würden. Das gehört eben auch zur Wahrheit dazu.
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Die Zeiten der möglichst breiten Portfolios ist vorbei. Zumindest bei Electronics for Imaging (EFI). Nachdem sich das Unternehmen vor gut einem Jahr bereits von seiner Softwaresparte getrennt hatte, wurde in der vergangenen Woche bekannt, dass auch das Fiery-Business ab sofort in einem separaten Unternehmen ausgegliedert wird. EFI selbst will sich künftig ausschließlich auf sein Industrial-Inkjet-Geschäft konzentrieren.
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Beyond-print.de

Judith Grajewski war 14 Jahre für Deutscher Drucker tätig und hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redakteurin für Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print. (Profil bei Xing, LinkedIn)

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