News: mypromo startet eigenen Onlineshop für Werbeartikel

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Massenhaft abgesagte Messen und Events haben dem Werbeartikelmarkt zuletzt einen Dämpfer verpasst. Trotzdem zeigt sich die Branche robust. Auf dem Weg zurück zu alter Größe spielen Digitalisierung und Onlinevertrieb eine immer größere Rolle – Bereiche, in denen Werbeartikelhändler bisher nicht gerade zu den Musterschülern gehörten. Um das zu ändern, hat sich die 2019 gegründete Vernetzungsplattform mypromo neu aufgestellt. Zusätzlich zum Kerngeschäft will das Team mit einem eigenen Shop gezielt branchenspezifisches Online-Know-how sammeln und Händler damit in ihrer Digitalisierung unterstützen.

Wer auf die Website mypromo.com surft, gelangt auf einen schick aufgemachten Onlineshop für Werbeartikel. Über die Hintergründe und Ziele des neuen mypromo-Angebots und die allgemeinen Entwicklungen im Werbeartikelmarkt hat beyond-print.de mit Geschäftsführerin Heike Lübeck gesprochen.

Beyond Print: Seit 2019 ermöglicht es mypromo Werbeartikel-Händlern, mit einem eigenen Shop online zu gehen. Damals hinkte die Branche, um es vorsichtig auszudrücken, in Sachen Digitalisierung hinterher. Was hat sich inzwischen im Werbeartikel-Markt getan?

Heike Lübeck: Im Werbeartikelbereich erschreckend wenig. Corona hat die Werbeartikelbranche hart getroffen, und auch das eine oder andere Unternehmen an die Existenznot gebracht. So waren ganz viele einfach mit der Sicherung des Überlebens und dem Bestehen des Tagesgeschäfts beschäftigt. Das heißt, man hatte nur wenig bis keine Ressourcen, um sich mit strategischen Fragen zu beschäftigen, etwa, wie man sich im Bereich E-Commerce ausrichtet, um morgen oder übermorgen noch gut und auskömmlich existieren zu können. Das ändert sich aber auch wieder; und das spüren wir jetzt schon. 2022 ist deutlich anders als die vorangegangenen Jahre. Auch dadurch, dass Messen, Events, persönliche Treffen und auch Außendienstbesuche wieder stattfinden. Außerdem ist es so, dass sich die Uhr der Digitalisierung auch im Werbeartikelbereich nicht mehr zurückdrehen lässt. Denn selbst, wenn sich noch nicht jeder Händler digital neu aufgestellt hat – die Kunden haben es. Und das wird neuen Schub geben.

Beyond Print: Was haben diese Herausforderungen für euch als Vernetzungsplattform bedeutet? Wie viele Shops habt ihr inzwischen integrieren können?
Heike Lübeck: Wir haben zwischen 50 und 60 Werbeartikel-Händler, die momentan mit mypromo aktiv sind, aber die Zahl ging immer mal rauf und wieder runter. Für uns als Marktplatz haben die letzten zwei Jahre die Erkenntnis gebracht, dass wir unsere Partner stärker unterstützen müssen, zum Beispiel im Marketing.

Zum einen, um nicht vorhandene Ressourcen vor Ort auszugleichen. Es macht mehr Sinn, wenn man etwas für viele Händler zur Verfügung stellen kann, anstatt dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Zum anderen geht es uns auch darum, ganz praktische Erfahrung liefern zu können: Welche Suchbegriffe sollte man buchen? Welche Budgets sind die richtigen? Welche Keywords funktionieren? Was sind die richtigen Einstellungen? Das waren Fragen, die wir bisher nicht beantworten konnten, denn wir waren ja kein Händler.

Beyond Print: Das hat sich nun geändert, denn ihr seid im Februar mit einem mypromo-eigenen Shop online gegangen. Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen?
Heike Lübeck: Dafür gibt es drei Gründe. Zunächst sehen wir unseren mypromo-Shop als eine Art Testballon und wollen die Erkenntnisse, die wir aus unserem experimentierfreudigen Marketing ziehen, dem Händler-Netzwerk zur Verfügung stellen. Zusätzlich sollen auch unsere Lieferanten-Partner profitieren, indem wir ihnen eine weitere Absatzoption bieten. Und letztendlich geht es natürlich auch für uns darum, Zusatzumsatz zu generieren.

Beyond Print: aber geht ihr damit nicht in Konkurrenz zu euren Nutzern? Wie haben eure Händler darauf reagiert?
Heike Lübeck: Völlig entspannt. Anfang Dezember haben wir unseren Händlern und Lieferanten eine E-Mail gesendet und über unsere Pläne informiert. Darüber hinaus haben wir zum Telefonhörer gegriffen und persönlich mit unseren Händlern gesprochen. Es geht um unsere Partner, daher verbietet sich an dieser Stelle jegliche Art der intransparenten Kommunikation. Aber das Feedback war positiv, da gab es kein Konkurrenzdenken. Im Gegenteil, auch unsere Partner sehen die Notwendigkeit, mehr Marketing-Know-how und Unterstützung zu bekommen.

Man muss aber auch dazu sagen, dass sich die Zielgruppe unseres mypromo-Shops von der Zielgruppe der bisher traditionell agierenden Werbeartikel-Händler unterscheidet. Mit unserem Shop wenden wir uns an eine sehr online-affine Zielgruppe. Unsere Kunden sind es gewohnt, anonym Druckdaten hochzuladen und teils scheuen sie den persönlichen Kontakt sogar. Das Modell des Werbeartikel-Händlers sieht anders aus. Er hat seinen gewachsenen Kundenstamm, dem er bei komplexen Aufträgen eine individuelle Beratung bietet. Die „Standard“-Aufträge können seine Kunden dann selbstständig in seinem Online-Shop erledigen.
Anfragen, die wir mit unserem Shop nicht erfüllen können, leiten wir daher auch an unsere Netzwerkpartner weiter.

Noch dazu ist das ganze Projekt auch an technische Innovationen gekoppelt, die wir dieses Jahr noch vornehmen werden. Das heißt, wir machen nicht nur unseren eigenen Shop und unterstützen die Händler in Sachen Marketing; es wird im Laufe des Jahres in technischer Hinsicht zu deutlichen Vereinfachungen für die Händler kommen.

Jürgen, Tim oder Elisabeth. Das Team von mypromo begutachtet und testet die Werbeartikel ganz genau, egal ob Notizbuch, Desinfektionsgel oder Mütze. Quelle: © Photo by Mypromo AG / mypromo.com

Beyond Print: Worauf legt ihr in Sachen Portfolio und Vermarktung euer Augenmerk?
Heike Lübeck: Eigentlich wollen wir in unserem Shop die klassischen Onliner-Tugenden nach vorne bringen. Das bedeutet, wir haben ein spitzes, aber hochwertig aufbereitetes Sortiment. Der Kunde, der sich bei uns umschaut, findet alle relevanten Produktinfos und kann sich darauf verlassen, dass die Produkte zu den angegebenen Lieferzeiten und Preisen garantiert verfügbar sind. Das Express-Sortiment ist dabei von besonderer Bedeutung.

Außerdem haben wir ein kleines, aber sehr agiles und aktives Team, das auch mit seinem Gesicht und seinem Namen hinter den Artikeln steht. Uns ist wichtig, dass wir die Artikel selbst ausprobieren, aufbereiten, in die Hand nehmen. Dementsprechend führen wir Artikel, die sich für den Online-Verkauf gut eignen, die unsere Qualitätsansprüche erfüllen und für die wir unsere Hand ins Feuer legen können. Unser Fokus liegt zudem auf „made in Germany“. All das hat zum Ziel, dass Reklamationen nach Möglichkeit vermieden werden.

Und natürlich steht auch das Trend-Thema Nachhaltigkeit im Fokus. Das entsprechenden Sortiment werden wir nach und nach mit neuen Artikeln ausbauen.

Beyond Print: Neben dem neuen Shop soll die Marke mypromo aber auch weiterhin als Marktplatz für Werbeartikelhändler offenstehen. Wie nehmen Händler, die sich den Vertriebskanal Online erschließen wollen, Kontakt zu euch auf?
Heike Lübeck: Am besten über die mypromo-service.com, das ist die Organisationseinheit, die hinter diesem Network steckt. Die Ansprechpartner sind immer noch die gleichen.

Beyond Print: Schauen wir uns Werbeartikel noch einmal generell an. Sind die überhaupt noch gefragt – jetzt, da so vieles digital passiert?
Heike Lübeck: Auf jeden Fall! Werbeartikel sind immer noch eine der stärksten Werbeformen in Deutschland. Ich bin zuversichtlich, dass sie sich im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre wieder auf Platz 2 hinter TV hocharbeiten werden. Warum ich mir da so sicher bin? Zum einen merkt man, dass es ein unglaubliches Bedürfnis nach Messen und Treffen gibt – ein wichtiger Einsatzzweck für Werbeartikel. Und auch Mailingbeilagen sind gefragt. Wobei es sicher auch einen Shift in den Einsatzzwecken geben wird. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage für Werbeartikel für Außendienstbesuche allgemein zurückgehen wird. Eine Rückentwicklung auf den Vor-Corona-Stand ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr wird es unserer Meinung nach zu Bestellungen für die Ausstattung von Mitarbeitern im Homeoffice kommen. Werbeartikel sind schließlich auch identitätsstiftend.

Zum anderen: Der Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft GWW hat vor kurzem eine Studie zur emotionalen Wirkung von Werbeartikeln vorgestellt. Im Rahmen der Studie wurde gemessen, wie Werbeartikel Emotionen ansprechen. Die Skala reichte bisher bis 2. Das war der Wert, den ein richtig gut gemachter Werbespot erreichte. Werbeartikel haben diese Skala jedoch gesprengt – selbst Standard-Werbeartikel liegen bei einem durchschnittlichen Wert von 3. Dafür gibt es verschiedene Gründe: die Haptik der Werbeartikel, die Wertschätzung für das Gegenüber, das durch die Übergabe des Werbeartikels entsteht, und sicher auch der Fakt, dass Werbeartikel anders als TV-Spots oder Zeitungsanzeigen nicht als Werbung wahrgenommen werden. Sie werden zuerst als Aufmerksamkeit empfunden und das ist ein Potenzial, das man mit anderen Werbeformen nur sehr schwer erreicht. Daher sehe ich eine rosige Zukunft für die Werbeartikelbranche.

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Massenhaft abgesagte Messen und Events haben dem Werbeartikelmarkt zuletzt einen Dämpfer verpasst. Trotzdem zeigt sich die Branche robust. Auf dem Weg zurück zu alter Größe spielen Digitalisierung und Onlinevertrieb eine immer größere Rolle – Bereiche, in denen Werbeartikelhändler bisher nicht gerade zu den Musterschülern gehörten. Um das zu ändern, hat sich die 2019 gegründete Vernetzungsplattform mypromo neu aufgestellt. Zusätzlich zum Kerngeschäft will das Team mit einem eigenen Shop gezielt branchenspezifisches Online-Know-how sammeln und Händler damit in ihrer Digitalisierung unterstützen.
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Beyond-Print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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