Online-Fotodruck: 2018 – Entwicklungen, Potenziale und Zukunft

Smartphones zerstören den Fotodruck, oder? Der Markt für gedruckte Fotos ist schon lange mehr als nur Tinte auf Papier – denn gerade mit Fotos funktioniert die Digital-Print-Symbiose prima! Also: Was tut sich auf dem Online-Markt für Fotoprodukte?

Wachstumsbereiche im Online-Fotodruck gibt es einige. Und wie gesagt, beschränken die sich schon lange nicht mehr auf 20 Abzüge im Format „X“. Es reicht auch für die großen Anbieter nicht mehr, mit wenigen Klicks bzw. Touches ein 10 x 15-Bild bereitzustellen, da das Volumen „einfacher“ gedruckter Fotos sich in den letzten Jahren nicht erhöht hat – und trotz der größeren Menge an geschossenen Bildern voraussichtlich auch nicht zunehmen wird. Immerhin wurden laut einer Schätzung von Futuresource 2017 rund 1,7 Billionen Fotos digital geschossen. Mit einem jährlich prognostizierten Wachstum bis 2021 von etwa 9% ergibt sich also genug Potenzial für allerlei verschiedene Fotodrucke. Mehr Optionen und eine höhere Dichte an Dienstleistungen rund um das – meist mit dem Smartphone – geschossene Bild müssen also her, um den potenziellen Kunden einen Anreiz zu geben, es auch wirklich in ein haptisches, also gedrucktes Fotoerlebnis überführen zu wollen.

Aber der Reihe nach: Positiv ist, dass die zunehmende Menge an Fotos – egal mit welchem Gerät aufgenommen – sich auch direkt auf die Menge gedruckter Fotoprodukte auswirkt. Das ist aber nur möglich, weil die Optionen in der physischen Ausgabe sich stetig verbreitern. Qualitativ legen nämlich auch die Smartphone-Fotos zu, so dass der potenzielle Print-Kunde auch mehr als das eben erwähnte Standardbild oder -Fotobuch im Kleinstformat produzieren lassen kann. Inwieweit das auch neue Wege für Umsätze mit Foto-Printprodukten eröffnet, habe ich zuletzt noch mit Philipp Mühlbauer, Geschäftsführer von Picanova, diskutiert. Dabei kam raus, dass Innovation und Schnelligkeit rund um den Fotodruck trumpfen. Denn Fotoprint-Dienstleistungen, die komfortabel für den Kunden sind, machen den Unterschied jetzt und in Zukunft. Convenience ist hier das Stichwort: Einfache Bestellvorgänge sind auch und vor allem bei komplexeren Printprodukten ein ausschlaggebendes Service-Merkmal beim Zugang zu Printprodukten – das ist im Online-Fotodruck nicht anders. Vor allem profitiert hiervon der Bereich Foto-Merchandise, der laut Futuresource seit 2015 jährlich zwischen 7 und 8 % gewachsen ist und bis 2021 ähnlich stark weiterwachsen wird, bis er alleine in Deutschland ein Volumen von mehr als 350 Millionen Euro erreicht (übrigens ein lukrativer Bereich, den auch Amazon nicht zu verschmähen scheint – dazu aber später mehr). Der Evergreen Fotobuch hat es 2017 auf etwa 9,4 Millionen Stück in Deutschland gebracht – mit einem Wert von mehr als 300 Millionen Euro. Neben größeren Formaten sowie exklusiveren Materialien wird bei Fotobüchern vor allem der smarte Zugang das Wachstum bestimmen. Und das soll bei rund 3 % jährlich bis 2021 liegen.

Neues Jahr, neue Marke: Cewe hat Cheerz akquiriert und ist damit um eine potente Foto-App reicher; Quelle: cheerz.com/de/categories/all

Auf jeden Fall lohnt ein Blick auf den größten deutschen Fotodrucker: Cewe. Der Geschäftsbericht für das Jahr 2017 folgt zwar erst Ende März, aber die Vorab-Zahl von 599 Mio. Euro Umsatz, was einem Umsatzplus von 1,1 % gegenüber 2016 entspricht, spricht eine deutliche „Wachstums“-Sprache. Denn der Gewinn vor Zinsen und Steuern ist um fast 5 % auf 49,2 Millionen Euro gestiegen. Mit dem nahezu vollständigen Erwerb (80 % der Anteile) des in Paris ansässigen Marktführers für Fotofinishing-Apps Cheerz, eine Marke von Stardust Media And Communication S.A.S, hat das Oldenburger Unternehmen im Februar zusätzlich einen großen Schritt in Richtung Fotoprints via Smartphone gemacht und sich gleichzeitig international erweitert. Denn Cheerz wächst vor allem in Südeuropa und durch das starke App-gestützte Know-how des französischen Unternehmens profitiert Cewe sicherlich auch im D/A/CH-Geschäft. Und mit – laut Angaben von Cewe – 36 Millionen Euro könnte das rein vom technologischen Gewinn her betrachtet ein echter Schnapper gewesen sein. Konkret zeigen wird sich das im Cewe-Geschäftsbericht 2018 – also mal abwarten, ob die Akquise das Umsatzwachstum nochmal ankurbeln wird.

„In erster Instanz werden die meisten Bilder der mit dem Smartphone geschossenen Bilder über die Sozialen Medien geteilt. Der Ansatz gilt also dem Abholen der potenziellen Print-Kunden an genau dieser Stelle.“ – Bernd Zipper

Also: Fotos direkt aus Social-Media-Kanäle drucken lassen können – das ist ein Teil der Zukunft. Weitere Beispiele gefällig? Um hier nur mal zwei zu nennen: ReSnap bietet eine Social-Media-taugliche Möglichkeit zum Upload der Fotos direkt aus Instagram oder Facebook. Aus dem gewählten Album trifft die Software automatisch eine Auswahl an technisch bzw. qualitativ brauchbaren Bildern und platziert diese in einem ebenfalls automatisch generierten Layout im zuvor gewählten Buchformat. Voilà: Fertig ist das mobil generierte Convenience-Fotobuch. Nebenbei: Selbst wurde ReSnap erst Mitte 2017 von Albelli übernommen, die ihrerseits kurz vorher aus dem Cimpress- ins Gilde-Portfolio gekauft wurden (ich berichtete an gleicher Stelle).

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt PastBook. Das Start-up aus Amsterdam wächst mächtig mit dem Prinzip des Ein-Klick-Fotobuchs, das unter anderem direkt aus Instagram und Facebook mobil und stationär erzeugt werden kann – und ist sowohl in den USA als auch in Europa präsent. Dazu wählt der Besteller in der App einen Zeitraum, z.B. von September bis Dezember 2017, aus seinen Facebook-Uploads aus und die Software generiert automatisch ein bestellbares Fotobuch, das die entsprechenden Zeitangaben enthält.

Ein Auszug aus dem Prints-Portfolio von Amazon (US) – die Umsatzbringer sind dabei; Quelle: amazon.com/Amazon-Prints/b?ie=UTF8&node=14866317011

Weiter geht es mit Amazon Prints – das sollte man im Zusammenhang mit dem Online-Fotodruck in keinem Fall vernachlässigen. Nachdem ich zuletzt über das Prints-Programm des Online-Riesen berichtet habe, hat sich in dem Print-Produktportfolio etwas getan. Klar – das ist kein bombastisches Angebot, aber die Umsatzmacher unter den Fotoprodukten sind dabei. Und betrachtet man, wie sich die Marktführer im US-Fotoprint-Markt seit dem Launch von Amazon Prints verhalten haben, wird eins klar: Wenn Amazon in einem Bereich ernst macht, dann gibt es immer spürbare Reaktion auf dem Markt, egal in welchem Segment.

Wie gesagt: Unterschätzen sollte man Amazon Prints nicht. Der Online-Gigant weiß schon, wie er sich positioniert – umsatzträchtige Bereiche entert Amazon nämlich schneller als viele andere Marktteilnehmer und nimmt ihnen damit Anteile weg. Zum Beispiel das Programm „Merch by Amazon“ ist seit 2015 auch online und hat trotz schon damals großer Konkurrenz durch Platzhirsche in den USA im T-Shirt-Druck viel Zuspruch erfahren. So viel, dass der Launch in Europa wohl in diesem oder im kommenden Jahr folgen wird. Bedeutet also für das Prints-Programm: Sind die Lerneffekte und die Durchdringung in den USA ausreichend groß, sucht das weltweilt mächtigste E-Commerce-Unternehmen auch nach passender Print-Infrastruktur in Europa. Bei so viel Potenzial allein durch die Menge an digitalen Bildern, die auch mit Prime Photos und den Drive-Apps in den Amazon-Kosmos Eingang finden können, wird das Ganze keine zwei Jahre mehr dauern, bis es in Europa ankommt. Einen Schritt in diese Richtung hat Amazon doch schon durch den Launch des Custom-Programms auf der deutschen Web-Präsenz gemacht. Denn dadurch wird der Zugang via Amazon – mit einigen für die Nutzer bekannten Vorteilen – bereits ermöglicht.

My Take: Ob mit Apps, mehr Produkten oder vereinfachten Bestellwegen – online tätige Fotoprinter schaffen ein immer umfangreicheres Serviceangebot, um die zunehmende Bildmenge für Printzwecke nutzen zu können. Holt ein Drucker potenzielle Kunden an der richtigen Stelle ab, dann läuft es. Der Mehrwert von Gedrucktem bleibt also. Fest steht noch, dass auch kreative Umsetzungen aus dem digitalen Fotobestand möglichen sein müssen, und zwar möglichst aus dem mobilen. Dass das geht, zeigen große Player sowie Start-ups doch und profitieren wie z. B. MyPostcard – übrigens Referent am Online Print Symposium kommende Woche – von der steigenden Anzahl mobil aufgenommener Bilder und wachsen mit ihnen. Natürlich ist das Feld „Online-Fotodruck“ noch größer als hier dargestellt. Daher werde ich mich in den kommenden noch mit weiteren Wachstumsfeldern wie z. B. online individualisierbarem Wandschmuck, High-End-Quality Fotoprint und dem Thema Foto-Merch auseinandersetzen. Also: Bleiben Sie dran – es lohnt sich.

Summary
Online-Fotodruck: 2018 – Entwicklungen, Potenziale und Zukunft
Article Name
Online-Fotodruck: 2018 – Entwicklungen, Potenziale und Zukunft
Description
Smartphones zerstören den Fotodruck, oder? Der Markt für gedruckte Fotos ist schon lange mehr als nur Tinte auf Papier – denn gerade mit Fotos funktioniert die Digital-Print-Symbiose prima! Also: Was tut sich auf dem Online-Markt für Fotoprodukte?
Author
Publisher Name
beyond-print.de
09.03.2018|Markt|0 Comments

Hinterlasse einen Kommentar

Mit Abschicken meines Kommentars erkläre ich mich mit den Nutzungsbedingungen einverstanden.

Send this to friend