Online Print Symposium 2022, Tag 1: Restart, Irrtümer und Löwen-Deals

0

Es ist ein durch und durch gelungenes Comeback: Nach einer coronabedingten Zwangspause 2021, hat sich das Online Print Symposium in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes mit einem „Big Bang“ zurückgemeldet – und mehr als 250 Teilnehmer aus Europa und der Welt sind der Einladung gefolgt. Welche Themen am ersten Veranstaltungstag im Fokus standen – und warum sich plötzlich alle in der „Höhle der Löwen“ wiederfanden, verraten wir in unserem ersten Wrap-up-Artikel zu Tag 1 des Symposiums.

Das Wichtigste zuerst: Das Online Print Symposium, das heute im Münchener Science Congress Center unter dem Motto „Start Up and Print Online!“ gestartet ist, ist der „Place-to-be“ für alle, die in der Onlineprint-Industrie Zuhause sind oder damit liebäugeln, einzusteigen. Nirgendwo sonst geben Branchenkenner und Experten so aufschlussreiche wie wertvolle Einblicke in die Entwicklungen und Trends des Onlineprints: Insgesamt 12 hochkarätige Referenten aus aller Welt, sechs innovative Start-Ups und 13 Partnerunternehmen in der dazugehörigen Ausstellung zählen zum diesjährigen „Line-Up“. Doch die Hauptrolle spielen auch 2022 natürlich die Besucher, denn es gibt keine bessere Gelegenheit, sich mit dem „Who-is-Who“ der Onlineprint-Industrie zu vernetzen, als das OPS.

Auf der Bühne des OPS 2022

Den Anfang machte Roland Keppler, CEO von Onlineprinters. Unter dem Motto „Internationalisierung des Onlineprints“ gab er nicht nur einen Einblick hinter die Kulissen der bekannten Unternehmensgruppe, sondern teilte auch die wichtigsten Learnings, die Onlineprinters aus den letzten zwei Jahren mitgenommen hat. Denn, so zeigte er sich überzeugt, die Corona-Krise habe die Onlineprint-Industrie nicht nur vor Probleme gestellt, sondern auch wie ein Katalysator gewirkt. Was den Markt daher künftig am meisten formen werde, ist eine Verschiebung der Kanäle, die allgemeine und durch die Industrialisierung getriebene Konsolidierung der Marktteilnehmer, die „Consumerization“ und die gestiegenen Erwartungen der Kunden sowie das Thema Nachhaltigkeit.

In all diesen Megatrends, so war sich Roland Keppler sicher, liegen auch jede Menge Impulse und Chancen für Onlineprint-Unternehmen. Welche das sind, das berichten wir in den nächsten Tagen hier auf beyond-print.de.

Warum die 08/15-Webshops ausgedient hat

Danach gehörte die Bühne Bernd Zipper, der über die Entwicklungen und Trends der Onlineprint-Industrie in der DACH-Region sprach. Sein Vortrag stand unter dem Schlagwort „Restart“ – Neustart – und knüpfte genau dort an, wo er 2020 geendet hatte: Die Prognosen für Onlineprinter waren vielversprechend, dann kam die Pandemie. Doch den Kopf in den Sand stecken gilt bei Bernd Zipper nicht. Daher empfahl er: Fakten zur Kenntnis nehmen, bewerten und handeln. Um Krisen wie die der letzten zwei Jahre zu überstehen, ist Mut und Resilienz gefragt. Gerade Widerstandsfähigkeit – also Resilienz – mit all den dazugehörigen Eigenschaften könne schlussendlich Impulse für wichtige Entwicklungen setzen. Fast schon wie eine echte Superkraft.

Fakt ist, so Zipper: Onlineprint muss neu gedacht werden – und das gilt heute mehr als zuvor. Denn die Gesellschaft habe sich im Turbomodus verändert, der Print-Abnehmer verstehen die Online-Mechanismen, verstehen Mass Customization und Print on Demand. Kurzum, Online ist für die Menschen zum neuen „Normal“ geworden – und hat die Ansprüche und Erwartungshaltungen der Kunden zugleich nach oben geschraubt.

Was das schon jetzt und auch künftig für die Druckindustrie und vor allem die online-generierten Print-Umsätze (OGPU) bedeutet? Das verraten wir demnächst hier in unserem Blog. Aber soviel sei bereits verraten: Die Zeit der 08/15-Webshops geht zu Ende und zugleich wird Print in Zukunft werthaltiger und wertvoller.

Diversity in der Industrie

Was Unternehmen im Online-Business erfolgreich macht, liegt zu einem großen Teil auch in den internen Mitarbeiter- und Führungsstrukturen, wie Hanne Dinkel, Chief Customer Delivery Officer der Spread Group, betonte. Ihr Vortrag stand unter dem Motto „Frauen in Führungspositionen in der Industrie“ – doch eigentlich ging es um viel mehr. Nämlich, warum es gut ist, Teams zu durchmischen, mehr Frauen und mehr Mitarbeiter aus anderen Ländern einzustellen und auch bei der Unternehmenssprache neue Wege zu gehen.

Die Spread Group ist dafür selbst das beste Beispiel. Die Spread Group mit ihren fünf bekannten Marken beschäftigt allein am Hauptstandort Leipzig Menschen mit 49 Nationalitäten. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter sind weiblich. Bei den Director-Positionen ist die Verteilung 50/50 und bei den Managern stellen Frauen sogar einen Anteil von über 57 Prozent. Am polnischen Standort ist hingegen das Führungsteam insgesamt zu fast 90 Prozent weiblich. Und außerdem: Die Unternehmenssprache ist Englisch. Das wiederum ist ein wichtiges Argument, wenn es darum geht, die besten Fachkräfte, auch aus anderen Ländern, für sich zu gewinnen. Und auch die Bedürfnisse und Stärken unterschiedlicher Generationen sollten nicht außer Acht gelassen werden.

Vom Autodidakten zum erfolgreichen Onlineprinter

Einen ganz anderen Einblick in das Onlineprint-Business hat hingegen Thomas Völcker, Geschäftsführer der Münchener Onlinedruckerei Topp Digital, gegeben. Denn, das konnte er als „Autodidakt“ und Quereinsteiger in das Onlineprint-Business nur bestätigen: Erstens ist ein guter Drucker nicht automatisch auch ein erfolgreicher Onlineprinter, und zweitens: Ein erfolgreicher Onlineprinter ist man zudem nicht von jetzt auf gleich, berichtet Völcker aus Erfahrung. Vielmehr ist der Weg dahin holprig und noch dazu mit allerlei Irrtümern gespickt.

Welche Irrtümer das sind? Unter anderem, dass mit Plug’n Play-Software-Tools alles ohne Aufwand funktioniert, dass IT-Experten jedes Problem lösen können oder dass Bekanntheit ohne Online-Marketing erreicht werden kann. Was alles dazu gehört und welche Learnings er dabei herausgezogen hat, erklärte der Geschäftsführer dann auch am Beispiel des eigenen Onlineshops TOPP-Druckwerkstatt.de, der vor 4 Jahren von Null gestartet ist und heute erfolgreich läuft.

Aber was braucht es nun am meisten, um erfolgreich ein Onlineprint-Business zu betreiben? Für Thomas Völcker ist die Antwort klar: MUT. Und das nicht im allgemeinen Sinne, sondern: Money, also Geld bzw. Budget, Unternehmertum – das heißt Ausdauer, Sorgfalt, Fleiß und Geduld – und Target, also Ziele, Zuversicht und Vision.

Digital Leadership: Was Führungskräfte von heute wissen sollten

Um die neue Art, ein Unternehmen und seine Mitarbeiter gut zu führen, drehte sich der Vortrag von Haeme Ulrich, Gründer der morntag GmbH aus der Schweiz und seines Zeichens ein ausgewiesener Experte in Sachen Publishing und Digital Leadership. Er stellte heraus, dass die wirtschaftlichen Umbrüche, die unsere Gesellschaft derzeit durchlebt, nichts schlechtes sein müssen. Stattdessen bieten sich viele neue Möglichkeiten, die zugleich auch zu einem neuen Verständnis von Organisation und Leadership führen müssten.

Denn wie immer werde es angesichts der aktuellen Herausforderungen Gewinner und Verlierer geben. Doch was macht ein Unternehmen zu einem Gewinner? Zum einen neue Formen der Zusammenarbeit, wie Haeme Ulrich erklärte. Aber auch ein neues Rollenverständnis inklusive dem einen oder anderen Paradigmenwechsel, wie etwa „der Kunde ist Partner, nicht König“. Und last but not least ist ebenso ein neuer Umgang mit Technologie entscheidend.

BeNeLux als Treiber der Onlineprint-Industrie?

Eine Idee über neue und spannende Entwicklungen gibt auch immer der Blick über den eigenen Tellerrand. Daher gehört es fast schon zur Tradition, auf dem Online Print Symposium auch einen Blick in andere Regionen und Länder zu werfen. In diesem Jahr hat Ramon van Wingerden, CEO und Gründer des Softwareunternehmens Prindustry in den Niederlanden, über die Trends in der BeNeLux-Region gesprochen, in der manche Veränderungen in der Druckindustrie ein wenig früher stattfinden als anderswo in Europa. So verändert sich, wie er erklärte, beispielsweise der Markt für Open und Closed Shops aktuell sehr stark und es kommt immer häufiger zur Verschmelzung vormals getrennter Disziplinen, wie eben Online und Offline. Noch dazu sind die sich verändernden Kommunikationsgewohnheiten der verschiedenen Generationen ein Treiber für Veränderungen und Trends. Und genau damit müssen sich Druckunternehmen heute beschäftigen.

Eine Möglichkeit sieht van Wingerden beispielsweise im Aufbau eines echten, europäischen Marktplatzes, den es seiner Meinung nach bisher so noch nicht gibt, auch wenn manche Plattformen diesen Eindruck vermitteln. Um solche Projekte umzusetzen, braucht es jedoch auch das richtige Werkzeug. Dazu hat Prindustry zuletzt an MACH-Technologien gearbeitet – aber was sich dahinter verbirgt, lest ihr in ein paar Tagen auf beyond-print.de.

Sechs auf einen Streich

Doch zu neuen Entwicklungen gehören auch immer neue (Geschäfts-)Ideen. Und genau denen hat sich das Online Print Symposium 2022 in Form der Insight Pitches gewidmet. In dem neuen Format konnten sich Start-Ups aller Couleur um einen der sechs ausgeschriebenen Startplätze bewerben. Geschafft haben es letztlich diese sechs:

  • Hoodie Hoo, die intuitive Software- und Creatorlösungen mit dem Aufbau einer eignen API-gesteuerten Textilproduktion in Izmir kombinieren, um individuelle Textilproduktion bereits ab 50 Stück und 20 Tagen Produktionszeit zu ermöglichen,
  • Printess, deren Macher aufgezeigt haben, wie sich komplexe Produkte mit starken Margen einfach managen lassen,
  • Lox Solution, das KI-gesteuerte Technologien einsetzt, um Unstimmigkeiten im, Logistikprozess zu entdecken und dadurch helfen soll, jede Menge Geld zu sparen
  • Design’n Drink, die sich auf das digitale Bedrucken von Aluminiumdosen spezialisiert haben,
  • FotoSystem, eine intuitive, cloudbasierte Fotomanagement-, Mass -Customization- und Print-Plattform made in Austria, und
  • Imprimu, dessen CEO und Gründer Miki Rubin einen Einblick in die Onlineprint-Welt in Lateinamerika gab.

Wer mehr über die einzelnen Vorträge des Online Print Symposiums erfahren möchte, der sollte regelmäßig auf beyond-print.de vorbeischauen. Denn in den nächsten Tagen und Wochen werden wir noch ausführlicher über die einzelnen Themen sprechen.

Ach, und: Um die diesjährigen Partnerunternehmen des Online Print Symposiums gebührend vorzustellen, hat sich das Team von zipcon und printXmedia etwas Besonders einfallen lassen und kurzerhand eine eigene Version der „Höhle der Löwen“ auf die Beine gestellt. Ob  es sappi, cloudlab, rissc, ctrl-s, Deutsche Post, Benchpool, Impressed, PrintBox und Screen geschafft haben, die strenge „Jury“ zu überzeugen?

 

…den Artikel über den zweiten Tag des Online Print Symposium findet ihr hier.

Summary
Article Name
Online Print Symposium 2022, Tag 1: Restart, Irrtümer und Löwen-Deals
Description
Es ist ein durch und durch gelungenes Comeback: Nach der coronabedingten Zwangspause 2021, hat sich das Online Print Symposium in diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes mit einem „Big Bang“ zurückgemeldet – und mehr als 250 Teilnehmer aus Europa und der Welt sind der Einladung ins Science Congress Center München gefolgt. Welche Themen am ersten Veranstaltungstag im Fokus standen – und warum sich plötzlich alle in „der Höhle der Löwen“ wiederfanden, verraten wir in unserem Wrap-up-Artikel zu Tag 1 des Symposiums.
Author
Publisher Name
beyond-print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

Leave A Comment