Onlineprint: Abhängigkeiten bei Lieferketten und Plattformen – wie lange geht das noch gut?

Druckereien stehen unter Druck – in letzter Zeit mehr denn je unter Kostendruck. Die Produktion sank in Deutschland um 1,4% und der Umsatz ging im bisherigen Jahresverlauf um 0,9% zurück.

Die Auswirkungen des schlechteren Geschäftsklimas sind wieder gestiegene Insolvenzen: 44 Druckereien (Vorjahreszeitraum: 39) mussten laut offizieller Statistik bereits im ersten Halbjahr 2018 die Segel streichen. Die Gründe sind nicht zuletzt die gestiegenen Preise beim Papier, den Druckplatten, bei den Druckfarben, bei der Energie und beim Transport. Zwar versuchen Druckereien ihrerseits höhere Preise für Drucksachen durchzusetzen, doch die um durchschnittlich 0,6% höheren Verkaufspreise gegenüber dem Vorjahr dürften die zum zweiten Mal erfolgten Papierpreis-Erhöhungen um jeweils rund 8% kaum wettmachen.

An der Spitze der „Preistreiber“ stehen Papyrus Deutschland und die Papier-Union – ausgerechnet die beiden Papierhändler, die nun fusioniert werden sollen. Die Transaktion steht noch unter dem üblichen Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, denn zusammen käme die um den Papyrus-Umsatz (ca. 560 Mio. Euro) erstarkte Papier Union (Umsatz 390 Mio. Euro) auf einen Marktanteil von fast 50%. Ob die Fusion so reibungslos vonstattengeht, ist allerdings fraglich. Die Wettbewerbshüter im Bundeskartellamt werden wohl genau hinsehen, denn sie hatten gegen Papiergroßhändler wegen verbotener Preisabsprachen 2004 Bußgelder in Höhe von insgesamt 57,6 Mio. Euro verhängt. Mit dabei: Unternehmen der Igepa, die Papier Union und Papyrus (damals noch Schneidersöhne). Nun ist auf dem weiter konsolidierten Papiermarkt (künftig gibt es wohl nur noch die Großhändler Antalis, Igepa und Papier Union) kaum damit zu rechnen, dass sich das positiv auf die Preise auswirken wird. Die Verbraucher, sprich Druckereien, haben weniger Alternativen beim Papiereinkauf und werden wohl weiterhin zur Kasse gebeten.

Und was hat das nun mit Onlineprint zu tun?

Mehr als man auf den ersten Blick glauben mag. Denn E-Business Print funktioniert bekanntermaßen mit höchst unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Da kennt man einmal die reinen Online-Drucker mit ihren offenen Shops für Jedermann, die das Gros ihres Angebotes auch selbst drucken. Sie müssen immer kürzere Lieferzeiten und vor allem ein extrem breites und wachsendes Produktspektrum anbieten, um die Bedürfnisse ihrer Kunden abzudecken. Diese Vielfalt an Drucksachen ist aber oft nur durch Kooperationen mit anderen Druckereien möglich.

Gelato bietet eine Plattform für Unternehmen, die sich mit seinem globalen Print-on-Demand-Netzwerk verbinden möchten. Quelle: gelato.com

Daneben sind Plattformen für den Verkauf von Drucksachen zum Teil höchst erfolgreich. Diese „Drucksachen-Vermarkter“ drucken üblicherweise nicht selbst, sondern bedienen sich einem Netzwerk unterschiedlicher Druckereien, die Drucksachen quasi im Lohndruck liefern, und verkaufen die Leistungen der ungenannten Druckanbieter unter ihrem Brand. Diesen Plattformen hängt jedoch oft auch der Makel an, ihren Lieferanten die Preise zu diktieren. Ausquetschen wäre der weniger angenehme, wenn auch oft richtigere Begriff. Denn seltsamerweise sind viele der Plattformen billiger als Online-Drucker mit eigenem Maschinenpark.

„Doch unabhängig davon, ob die Asset-losen „Drucksachen-Vermarkter“ nur den eigenen Profit sehen oder ob sie dem Dienstleister Luft zum Atmen und faire Margen lassen, stellt sich die Frage, wie lange sich dieses Geschäftsmodell noch halten kann? Denn die Druckindustrie wird sich weiter konsolidieren – das steht fest. Damit wird auch die Zahl potenzieller Kooperationspartner geringer, Drucksachen-Lieferanten könnten Mangelware werden.“ – Bernd Zipper

Und was passiert dann mit den Plattformen?

Lieferengpässe, verspätete Auslieferung, eine Reduzierung des Angebots etc. könnten die Folgen sein – und der Absturz. Genau das ist einer dieser Asset-less-Plattformen passiert, der ein wichtiger Zulieferer durch Insolvenz abhandengekommen ist. In der Folge konnten bestimmte Produkte nicht oder nur verspätet ausgeliefert werden. Damit war auch das Onlineprint-Portal so gut wie tot, wäre es nicht übernommen worden. Wer das ist? Die Namen sind mir bekannt, ich will es aber nicht breittreten, bis die Restrukturierung abgeschlossen ist und das Geschäft wieder in normalen Bahnen läuft. Doch sollte es Anlass genug sein, über die Abhängigkeiten in der Lieferkette (vom Papierhandel bis zum eigenen Geschäftsmodell) nachzudenken.

Das millionenschwere Geschäft mit dem Handel von Drucksachen könnte jedenfalls mittelfristig auf ziemlich wackligen Beinen stehen, wenn sich der Markt der Druckereien weiter ausdünnt. Denn erstens wollen nicht alle Druckereien Lieferant für Online-Drucker oder Handelsplattformen sein und zweitens sind längst nicht alle Druckereien reif für das E-Business Print. Vielen Betrieben in Deutschland fehlt es noch immer an IT-Know-how und entsprechender Automatisierung. Ob sich im Ausland genügend Druckereien als Dienstleister finden lassen und ob die auch den Anforderungen entsprechen, ist fraglich. Wenn Time-to-Market aber immer mehr zum wesentlichen Differenzierungs-merkmal wird, dürften Druckereien aus Nachbarländern nicht unbedingt eine Alternative sein.

Offensichtlich ist das auch „Druck-Vermarktern“ längst klar geworden. So gründete WirmachenDruck Anfang 2013 die Druckfabrik Berlin GmbH, baut die Produktion weiter aus und beschäftigt inzwischen 130 Mitarbeiter. Dies als Kehrtwende vom Vermarkten zum Produzieren zu interpretieren, wäre allerdings übertrieben. Es könnte aber ein Signal sein.

Das Geschäftsmodell von Online-Druckereien mit eigenem Maschinenpark scheint zumindest relativ stabil zu sein. Dagegen sind einige Handelsplattformen vom Markt verschwunden. Und das muss ja auch einen Grund haben. „Natürlich läuft vieles im E-Business Print über Plattformen, die Drucksachen zukaufen. Aber irgendwer muss ja schließlich noch drucken. Und zwar so, dass er auch davon leben kann.“ Dieses Zitat von Onlineprinters CEO Dr. Michael Fries auf dem Online Print Symposium 2017 in München trifft den Kern des Problems, das möglicherweise noch Unruhe in den Wachstumsmarkt Onlineprint bringen könnte.

My Take Ich hatte ja zu Beginn des Jahres prognostiziert, dass das Wachstum für Onlineprint 2018 etwas geringer ausfallen könnte als gewohnt und dass es zu einer Umverteilung der Umsätze im B2B-Bereich zwischen Onlineprintern und Portal-Anbietern kommen kann. Angesichts der immer weiter steigenden Online-Vermarktungskosten schwindet für alle, die online unterwegs sind, zudem die Marge. Wenn das Gewinnen eines Neukunden im Internet bis zu 150 Euro ausmacht, muss man schon eine Menge Visitenkarten verkaufen, um auf seine Kosten zu kommen. Und das dürfte den „Drucksachen-Vermarktern“ ohne eigene Wertschöpfung am Produkt deutlich schwerer fallen als Online-Druckern mit eigener Print-Performance.

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Druckereien stehen unter Druck – in letzter Zeit mehr denn je unter Kostendruck. Die Produktion sank in Deutschland um 1,4% und der Umsatz ging im bisherigen Jahresverlauf um 0,9% zurück.
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beyond-print.de
31.10.2018|Markt|0 Comments

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