Onlineprint: Ein lohnendes Geschäft auch für branchenfremde Investoren?

Es gibt technologisch starke und weniger starke Onlineprinter. Nur was macht Print-Anbieter wirklich attraktiv für Investoren?

Vor allem in den letzten zwei Jahren hat es einige Akquisen und Beteiligungen im Onlineprint-Bereich gegeben, die durch Investitionsgesellschaften getrieben wurden. Warum? Es ist kein Geheimnis – und keine neue Erkenntnis –, dass das E-Business auch in der Druckindustrie erfolgreich Einzug hält. Und da es einige Branchenteilnehmer gibt, die früh mit der Digitalisierung Ihres Geschäfts begonnen haben, stellen sie interessante Investitionsobjekte dar – auch für bislang branchenfremde Investoren.

Der asiatische Druckmarkt gehört nicht unbedingt zum Interessenmittelpunkt europäischer Druckmarkt-Teilnehmer. Anders ist das aber, wenn es um einen Onlinedrucker geht, in den mal eben rund 6,7 Millionen Euro investiert wurden. Die Rede ist von dem 2015 gegründeten Onlineprint-Start-up Gogoprint aus Singapur, an dem sich die OPG (Online Printing Group) Anfang Oktober beteiligt hat – Fokus ist die Expansion nach Neuseeland, Australien und Südkorea. Doch hier ist die Investitionsgesellschaft keine – ehemals – branchenfremde. Dahinter steckt nämlich OPG-Direktor Kai Hagenbuch, ehemaliger Geschäftsführer von Heidelberg Brasilien und Vater von Florian Hagenbuch, der 2012 Printi mit-gegründet hat. Und Printi gehört seit 2014 zu 49 Prozent zu Cimpress, wofür Robert Keane damals knapp 22 Millionen Euro hingelegt hat. Dass Gogoprint also auf dem stark wachsenden asiatischen Onlineprint-Markt, für den zipcon einen Anteil am Gesamtprintmarkt 2022 von 35 Prozent prognostiziert, ein lukratives Investitionsobjekt ist, steht damit außer Frage (zum Vergleich: die Prognose für Westeuropa liegt bei 40 Prozent). Man sieht: Jemand, der selbst aus der Print-Branche stammt, kann das Potenzial im Onlineprint erkennen – sonst hätte Kai Hagenbuch via OPG keine derart große Summe in das junge Unternehmen investiert.

Onlineprint à la Malaysia – der Webshop von Gogoprint; Quelle: gogoprint.com.my

Aber wie sieht es auf den vermeintlich gesättigten Print-Märkten in Europa aus? Hier haben vor allem Gesellschaften Finanzbeteiligungen in Onlineprint-Unternehmen in den letzten 3 Jahren getätigt, die vorher mit Print wenig bis gar nichts zu tun hatten. Hierzu habe ich folgend einen kurzen Überblick vorbereitet.

Gelato, gelauncht 2012, verfolgt ein besonderes Geschäftsmodell. CEO Henrik Müller-Hansen und sein Team haben bereits vorher, seit 2007, mit der Fotodruck-Marke Optimalprint Erfahrungen im Onlineprint-Business gesammelt – und diese in den hochprofitablen Print-Cloud-Anbieter Gelato eingebracht. Alle an das Gelato Network angeschlossenen Druckdienstleister – zu denen seit Mitte 2018 neben Digitaldruckern auch Offsetdrucker gehören – erhalten von Gelato druckfertige Aufträge. Damit kümmert sich der Software-getriebene Printjob-Vermittler um den Vertrieb, die Kontrolle von Dateien und jegliche Pre-Press-Arbeiten für die Drucker. Ein System, das sich auszahlt – zumal Gelato selbst keine einzige Druckmaschine besitzt. Alle Entwicklungen basieren auf der Effizienz der Softwaremodule, die Gelato nach der letzten Investitionsrunde von rund 7,8 Millionen Euro (9 Millionen USD) 2015 durch Dawn Capital dieses Jahr weitere 17,4 Millionen Euro (20 Millionen USD) beschert haben. Dieses Mal hat jedoch nicht das auf die Bereiche Software und Fintech spezialisierte Dawn Capital die Finanzgabe an Gelato angeführt, sondern der SEB Pension Fund aus Estland, der laut eigenen Angaben auch in hoch-risikoreiche Projekte und Unternehmen investiert – wovon bei Gelato keineswegs die Rede sein kann. Und die Investitionen zahlen sich aus. Da Gelato kein Geld in den Kauf von Maschinen stecken muss, sondern den Software-basierten Plattformausbau fokussiert, konnten die Norweger innerhalb von 3 Jahren Druckpartner in 12 weiteren Ländern (von 13 zu 25) gewinnen, womit mittlerweile Kunden in mehr als 70 Ländern erreicht werden können. Allein im Jahr 2017 haben sich 60 weitere Partner dem Netzwerk angeschlossen. Und da der Print-Cloud-Anbieter zusätzlich weltweit noch den Ruf genießt, besonders umweltfreundliche Bedingungen für die Printjob-Abwicklung zu schaffen, dürfte sich an der Attraktivität des expansionsfreudigen Printjob-Vermittlers wenig ändern.

Bleiben wir mal in Skandinavien – weiter geht es mit LaserTryk. Ende 2017 haben sich die Hauptbeteiligten an der Onlineprinters-Gruppe, Bregal Unternehmerkapital und Project A, durch die Beteiligung an dem skandinavischen Web-to-Print-Marktführer auch außerhalb des europäischen Festlandes in dem lukrativen Printbereich engagiert. Auch hier war und ist vonseiten Bregal und Project A von einer langfristig geplanten Investition auszugehen. Denn beide Investoren sind 2016 bei den Onlineprinters „eingestiegen“ – und bereits nach einem halben Jahr stand die Entscheidung, die britische Marktgröße Solopress zu übernehmen, gestützt durch das Investitionskapital der beiden deutschen Kapitalgeber. Was war hier der Antrieb für die Kaptalgeber, sich im Onlineprint-Umfeld zu betätigen? Ähnlich wie bei Gelato, verfügten auch alle Mitglieder der Onlineprinters-Gruppe bereits vor den Akquisen bzw. Investitionen über einige Erfahrung im Onlineprint-Business. Gepaart mit den jeweiligen Stärken der Onlinedruck-Unternehmen und der Expansionsstärke der Onlineprinters ergibt sich ein immenses weiteres Wachstumspotenzial für die gesamte Holding. Immerhin hat die Gruppe 2017 einen Gesamtumsatz von rund 200 Millionen Euro eingefahren. In Anbetracht der Synergieeffekte aus den drei profitablen Onlineprintern und der geographischen Abdeckung in Bezug auf Kundenerreichung und Logistik, die sie gemeinsam erreichen, dürfte sich auch 2018 eine weiterhin positive Umsatzentwicklung ergeben. Genauso wie bei Helloprint, in das Bregal und Project A ebenfalls schon mehrfach investiert haben.

„Investitions-Potenzial im Onlineprint gibt es reichlich. Egal, ob in Europa, Asien oder Amerika – es lohnt sich für die Finanzgeber in technologisch starke Onlinedruck-Unternehmen zu investieren, da sie weiteres Wachstums- und damit Renditepotenzial tragen.“ – Bernd Zipper

Dabei ist Helloprint das jüngste (gegründet 2013) der hier vorgestellten Onlineprint-Unternehmen – aber gleichzeitig das am stärksten wachsende. In der zweiten millionenschweren Investitionsrunde (der dritten insgesamt), in der Bregal nach 2017 im Februar 2018 wieder der Hauptgeldgeber war, gab es für das international stark expandierende Erfolgsunternehmen einen weiteren Finanzschub. Helloprint hat in den fünf Jahren seit der Gründung durch Hans Scheffer (CEO) eine immense Entwicklung hingelegt und ist die am stärksten wachsende europäische Print-Plattform. Kernziel von Helloprint ist es, Printbestellungen für die Kunden maximal zu vereinfachen – wozu der Plattformanbieter aus Rotterdam „lediglich“ eine E-Commerce-Plattform stellt, die Printer mit den Kunden zusammenbringt. Bedenkt man aber, dass Helloprint altersmäßig – und von der Mentalität her – durchaus noch einen Start-up-Status genießt, so verwundert manchen alteingesessenen Drucker sicher deren Umsatzwachstum. Denn 2016 hat Helloprint bereits die 30-Millionen-Euro-Marke geknackt – und für 2018 werden 50 Millionen Euro angestrebt. Profitabel können im Onlineprint also auch Unternehmen sein, die nicht selbst drucken – und lukrativ für Investorengruppen zugleich.

Helloprint wächst stark in Europa – und hat dieses Jahr mit dem Geschäft in Deutschland begonnen; Quelle: insights.helloprint.com/growth/launch-germany

Wie gesagt – Bregal Unternehmerkapital und Project A haben bei Helloprint dieses Jahr bereits die zweite Finanzierungsrunde nach 2017 getätigt. Und da die beiden deutschen Finanzgeber auch an der Onlineprinters-Gruppe beteiligt sind, habe ich bei Dr. Michael Fries (CEO Onlineprinters) noch nachgefragt, wie er Investitionen in den Bereich Onlineprint einschätzt.

Bernd Zipper: Investitionen in profitable Print-Unternehmen von Gesellschaften, die sonst außerhalb der Druckindustrie agieren – ein alter Hut oder der Weg der Zukunft für den Onlinedruck?

Michael Fries: Natürlich gibt es im Druck-Umfeld interessante Geschäftsmodelle, an die auch Druck-fremde Investoren glauben und in die sie investieren. Häufig ist Druck nur eine Facette eines erfolgreichen Modells. Bei Onlineprinters stehen mittlerweile Datenkompetenz, Marketingautomatisierung, CRM, Customer Insight und viele Marketing- und Prozessoptimierungs-Technologien im Vordergrund. Das ist attraktiv für unsere Investoren.

Bernd Zipper: Wie schätzt Du das Feld der Interessenten und Investoren ein, die den Onlinedruck als Renditeobjekt entdeckt haben?

Michael Fries: Ich sehe an Onlineprinters, dass es mit Bregal und Project A Investoren gibt, die unsere Technologiekompetenz anerkennen und uns helfen, uns dort noch weiterzuentwickeln. Mit diesem Gedanken sind sie ja auch bei Helloprint eingestiegen. Ehrlicherweise fallen mir aktuell keine weiteren großen Einstiege von Investoren in den Onlinedruck in Europa ein. Was nicht ist, kann ja noch werden.

Bernd Zipper: Nimmt die Attraktivität der Unternehmen im Onlineprint-Bereich für Investoren weiter zu? Das Entwicklungspotenzial, das der Onlinedruck bietet, spricht doch klar dafür. Was meinst Du?

Michael Fries: Onlineprinters ist meines Erachtens ein gutes Beispiel für eine auch aus Investorensicht sehr gute Weiterentwicklung eines Unternehmens. Vor fünf Jahren war Onlineprinters ein Druckunternehmen mit Onlineshop und einer sehr soliden Vermarktung. Heute sind wir ein Tech-Unternehmen mit hoher Kompetenz im Technologieeinsatz rund um Trafficerzeugung, Kundenakquisition, Kundenbindung, Cross- und Upselling, etc. Ebenso haben wir Technologien zur Vernetzung unserer Produktionsstätten und zur Optimierung unserer Fulfillment-Strukturen in Bezug auf Qualität, Liefertreue und Effizienz entwickelt. Das ist natürlich attraktiv. Auf wie viele weitere Unternehmen das zutrifft, das sollen andere beurteilen.

My Take: Dass Investitionen in aufstrebende, hocheffiziente Technologieunternehmen getätigt werden, ist nichts Neues. Was viele jedoch nicht erkennen ist, dass die erfolgreichen Onlineprint-Unternehmen – egal, ob aus Europa oder von anderen Kontinenten – zu diesen lukrativen Investitionsobjekten gehören, und zwar nicht, weil sie drucken, sondern weil sie die Stärken des E-Business auf zum Teil stark wachsenden Märkten hocheffizient anwenden. Deshalb verwundern Investitionen von zuvor branchenfremden (in Bezug auf die Druckindustrie) Finanzgebern also wenig, da sie vor allem die starke IT-Kompetenz und Effizienz in Produktion und Logistik bei den genannten Unternehmen schätzen. Denn nur auf dieser Basis lässt sich auch weiteres Wachstum generieren, das Rendite-Chancen rechtfertigt. Und noch eins: Die hier dargestellten Investitionen sind nur die bekanntesten aus den letzten Jahren im Onlineprint-Business. Es gab in der Hinsicht deutlich mehr Bewegungen – und die wird es auch weiterhin geben. Denn auch so mancher kleine deutsche Onlineprinter ist mit Wachstumsraten von zum Teil deutlich mehr als 12 Prozent äußerst lukrativ – auch für ausländische Investoren! Und was diese aufstrebenden Player angeht, werde ich natürlich dranbleiben und Ihnen hier auf beyond-print.de berichten. Also – bleiben auch Sie dran, denn es bleibt spannend!

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Onlineprint: Ein lohnendes Geschäft auch für branchenfremde Investoren?
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Es ist kein Geheimnis – und keine neue Erkenntnis –, dass das E-Business auch in der Druckindustrie erfolgreich Einzug hält. Und da es einige Branchenteilnehmer gibt, die früh mit der Digitalisierung Ihres Geschäfts begonnen haben, stellen sie interessante Investitionsobjekte dar – auch für bislang branchenfremde Investoren.
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beyond-print.de
18.10.2018|Markt|0 Comments

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