Gewinnbringend erscheinende Vertriebsmodelle und stark wachsende Start-ups lassen die Bekanntheit des Prinzips Onlineprint steigen – auch über kontinentale Grenzen hinweg.

Dass auch Asien als Absatzkanal immer interessanter wird – auch für europäische Investoren und Player, die das Potenzial des großen asiatischen Marktes für Onlineprint nutzen wollen –, darüber habe ich kürzlich noch berichtet. Mit einem bislang in der Form wenig bekannten Ansatz – zumindest für den Bereich Onlineprint – betritt nun Happyprinting, mit Sitz in Utrecht, die weltweite Onlinedruck-Bühne. Das 2017 von Jean-Pierre Meijer und Sven Rusticus, ehemaliger COO von Drukwerkdeal (seit 2014 Teil der Cimpress-Gruppe) gegründete Unternehmen bietet Druckereien ein Franchise-basiertes Modell an, um online gehen zu können. Teil des Prinzips ist, dass Drucker unter dem Label Happyprinting schnell mit einem Webshop ausgestattet werden. Seinen ersten Franchisenehmer hat Happyprinting nun mit Yon Art Printing in Paju-si, Südkorea gefunden.

Ein – wie ich finde – sehr interessanter Ansatz. Ob Franchise-Modelle nun die Onlineprint-Modelle der Zukunft sein werden, das sei mal dahingestellt. Das Start-up stellt Druckern damit zwar ein Onlineprint-Konzept zur Verfügung, um das Internet als Absatzkanal nutzen zu können, aber Alternativen zu diesem neuen Ansatz bestehen bereits: Offlinedrucker können sich an Plattformmodelle wie zum Beispiel das von Helloprint hängen, um mehr Kapazitätsauslastung zu haben – oder sie agieren als Fulfiller bzw. – gehässig formuliert – verlängerte Werkbank großer Onlinedruckereien. In beiden Fällen können die Aussichten auf höhere Umsätze durch die nur mittelbare Teilnahme am E-Business jedoch „dünn“ sein, was für ein Modell wie das von Happyprinting vorteilhaft sein könnte, da ein potenziell größerer Teil der Wertschöpfung beim Drucker verbleiben kann.

Onlineprint auf (Süd)Koreanisch – K. S. Kim (COO von Yon Art Printing) ist der erste Franchisenehmer von Happyprinting; Quelle: Happyprinting

Wie gesagt – der asiatische Onlineprint-Markt birgt (noch) eine Menge Potenzial. So wird der Onlineprint-Anteil in Asien wohl auf etwa 35 Prozent in den kommenden drei Jahren – also bis 2022 – anwachsen, womit er nur leicht unter dem von zipcon prognostizierten Anteil von ca. 40 Prozent für Westeuropa liegen wird. Und betrachtet man die „hiesigen“ großen Player aus der Onlineprint-Branche mit ihren Umsätzen, so rechnen sich auch die asiatischen aufstrebenden Marktteilnehmer weiterhin gute Chancen auf ein florierendes E-Business im Print-Sektor aus. In der Hinsicht kann ich mir vorstellen, dass sich der asiatische Onlineprint-Markt kurz- und mittelfristig etwas anders als der europäische entwickeln wird. Denn es sind eher mittlere und vor allem große Player, die sich schon nach kurzer Zeit in den marktführenden Positionen festigen. Vorausgesetzt, die finanziellen Grundlagen für Investitionen sind vorhanden – oder werden extern, von Investoren, besorgt. Setzt sich dieser Trend so fort, dann wird die asiatische Onlineprint-Landschaft weniger fragmentiert als in anderen Erdteilen aussehen – und im Gegensatz zum deutschen Printmarkt mit weniger Konsolidierungszwang konfrontiert werden.

„Onlineprint lebt von Reichweite, einem gescheiten Shop-Zugang (natürlich auch optisch), technologischer Reife und qualitativ überzeugenden Produkten – das funktioniert in Asien genauso wie in Europa.“ – Bernd Zipper

Ein Beispiel für einen noch sehr jungen Player auf dem durchaus lukrativen asiatischen Onlinedruck-Markt, der die zuvor genannten finanziellen Voraussetzungen mitbringt, ist Gogoprint. Selbst wurde das aufstrebende Unternehmen erst Ende 2015 in Thailand gegründet und hat gerade noch eine weitere Finanzierungsrunde genossen (ich berichtete an gleicher Stelle darüber) – und schon jetzt übernimmt es einen Konkurrenten aus Indonesien. Neben einem noch breiteren Kundenstamm eröffnet Gogoprint sich durch die Akquise von Prinzio auch den Zugang zu weiteren Printprodukten und damit zum Ausbau des eigenen Portfolios. Prinzio soll als eigenständige, da durchaus erfolgreiche Marke, bestehen bleiben. Den technologischen Zugewinn, auch in Sachen Produktbreite, kann Gogoprint wiederum gewinnbringend für die anhaltende Expansion nutzen. Denn das junge Onlineprint-Unternehmen hat innerhalb von drei Jahren Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien und Australien für sich erschlossen. Ob es sich auch noch weiter in Richtung Norden „entwickeln“ wird, muss sich noch zeigen.

My Take: Manche Geschäftsmodelle im Onlinedruck machen Karriere. Dabei fällt der Blick immer mehr auf internationale Entwicklungen – und daher auch auf das, was in Asien im Printgeschäft passiert. Dass das Franchisemodell von Happyprinting seinen ersten Abnehmer gerade in Asien gefunden hat, ist eher kein Zufall. Denn Onlinedruck als Prinzip funktioniert national genauso wie international, das ist dem Internet geschuldet. Wie sich ein solches Modell nach dem Franchiseprinzip, bei dem weltweit Drucker unter der Marke Happyprinting Onlineprint anbieten sollen (und werden), entwickelt, das werde auch ich gespannt beobachten – und hier darüber berichten, genauso wie ich in Zukunft weiter über den Onlineprint in Asien berichten werde. Achja – ein kleiner Wink noch: Auch das Online Print Symposium 2019 wird wieder mit asiatischer Beteiligung vonseiten der Speaker sein. Seien Sie dabei – es lohnt sich!

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Onlineprint international: Franchise und Akquisen – von frischen Ideen und frischem Geld
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