Onlineprinters: Talk mit Roland Keppler – 200 Tage CEO

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Onlineprinters wird seit 1. Juli 2019 von Roland Keppler geleitet, der den Vorsitz der Geschäftsführung von Dr. Michael Fries übernommen hat. Aufgrund seiner früheren Tätigkeiten verfügt Keppler über profundes Know-how in der Unternehmensentwicklung und Internationalisierung von Unternehmen.

So hat der Wirtschaftsingenieur in seiner beruflichen Laufbahn die Unternehmen Europcar Autovermietung, den Carsharing-Anbieter car2go und TUIfly als CEO geführt, bei denen die Digitalisierung des Geschäftsmodells, der Vorstoß in internationale Märkte und die Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse eine wesentliche Rolle spielten. Bernd Zipper hat Roland Keppler nach gut sechs Monaten als CEO bei Onlineprinters getroffen.

Bernd Zipper: Herr Keppler, Sie sind jetzt etwa 200 Tage im Amt als CEO von Onlineprinters. Sie kommen aber nicht aus der Druckbranche. Da stellt sich natürlich die Frage: Wie waren die ersten Monate bei einem Onlinedrucker?

Roland Keppler: Hat viel Spaß gemacht, muss ich sagen. Ich habe mich ja auch sehr bewusst für diese Branche und dieses Unternehmen entschieden. Ich komme in der Tat aus Branchen, die sich vor allem mit Mobilität beschäftigen. Aber eben auch aus Branchen, die sich in den letzten Jahren sehr – um nicht zu sagen – dramatisch verändert haben. Die Luftfahrt ist heute nicht mehr vergleichbar mit der vor 20 Jahren und das gleiche gilt auch für die Autovermietung. Die Tatsache, dass sich auch die Druckbranche sehr stark verändert hat und sich weiterhin verändert, ist etwas, was mich sehr gereizt hat.

Bernd Zipper: Hatten Sie schon vorher Berührungspunkte mit Onlineprint – oder sind Sie ins kalte Wasser gesprungen?

Roland Keppler: Was Onlineprint und seine Prinzipien anbelangt – das ist natürlich weitgehend Neuland. Aber aus Kundensicht gab es schon die eine oder andere Berührung mit Print, wenn auch wenig. Ich habe mit meinen Marketingbereichen in den verschiedenen Unternehmen, in denen ich tätig war, immer eng zusammengearbeitet und dabei auch mitbekommen, dass sich die Druckindustrie verändert.

Bernd Zipper: Sie haben bei Europcar und TUI vor allem im Geschäftskunden-Business und bei der Internationalisierung erfolgreich Projekte umgesetzt. Jetzt könnte man annehmen, dass bei Onlineprinters im Bereich B2B-Kunden ein Defizit vorhanden ist oder zumindest Pläne bestehen, genau diese Bereiche weiterzuentwickeln?

Roland Keppler: Herr Zipper – Onlineprinters ist schon recht erfolgreich im internationalen Markt unterwegs und – nein, ich bin nicht geholt worden, um so ein spezifisches Thema voranzutreiben. Es geht vor allem darum, das Geschäftsmodell weiter voranzutreiben.

Das hat einmal einen technologischen Aspekt, der eine große Rolle spielt. Daneben sind die Themen Kundenorientierung, das heißt unser Angebot und unseren Service mit Blick auf die sich verändernden Kundenerwartungen weiterzuentwickeln und dann gibt es eben auch das Thema weitere Internationalisierung.

Onlineprinters ist ja ein Unternehmen, das sehr früh in andere Märkte gegangen ist, organisch über die eigene Marke und dann auch durch Zukäufe gewachsen ist. Den Gruppengedanken weiter auszubauen, die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und zwischen den Ländern voranzubringen, ist ein ganz wichtiger Aspekt meiner Arbeit.

Bernd Zipper: In der Tat ist Onlineprinters sehr international aufgestellt, wie sieht es denn mit einer weiteren Expansion aus? Wird darüber nachgedacht? Wohin geht die Reise?

Roland Keppler: Wir haben die ersten Schritte sehr erfolgreich gemeistert. Wir haben Druckereien in Skandinavien, Großbritannien und in der Tat eine Produktionsstätte in Stettin in Polen. Und, ja, wir schauen uns auch weitere Länder an.

Bernd Zipper: Das heißt Expansion durch Zukäufe im Ausland, aber kein Investment in den deutschen Markt, um als Gruppe zu wachsen?

Roland Keppler: Wir wachsen organisch nach wie vor sehr stark. Wir wachsen aber auch durch Zukäufe, was in Deutschland vielleicht gar nicht so sehr wahrgenommen wird. Aber wir übernehmen immer wieder mal kleinere Druckbetriebe. Generell sind wir als Unternehmen gut vorbereitet, weitere Akquisitionen zu tätigen – das kann in anderen Ländern sein, das kann aber genauso auch in Deutschland sein.

So haben wir zum Jahresbeginn die RIB Industrie-Buchbinderei in Waldbüttelbrunn im Kreis Würzburg übernommen. Mit dem Kauf bauen wir auf einer Partnerschaft auf, die sich seit vielen Jahren bewährt hat. Der Kauf erfolgte im Zuge einer altersbedingten Nachfolgeregelung. Operativ geleitet wird der Standort mit 15 Mitarbeitern nun von Peter Hemberger, der RIB bereits vorher mit zwei weiteren Gesellschaftern geführt hatte, die das Unternehmen mitgegründet haben und nun aus Altersgründen ausgeschieden sind.

Bernd Zipper: Hat dieser Kauf Auswirkungen auf die Produktion?

Roland Keppler: Mit der Integration in die Onlineprinters-Gruppe werden alle Katalogprodukte nunmehr bei RIB weiterverarbeitet. Darüber hinaus ist geplant, auch die Weiterverarbeitung von Broschüren mit Spezialanforderungen mittelfristig nach Waldbüttelbrunn zu verlagern. Dies hat aber keine Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in Neustadt an der Aisch oder Waldbüttelbrunn. In Neustadt steht die Hauptproduktion von Onlineprinters mit mittlerweile fünf Werken, in der sich Offset- und Digitaldruckmaschinen der neuesten Generation sowie Maschinen für die Weiterverarbeitung und eine Large-Format-Printing-Produktion befinden. Neben den Aufträgen für Onlineprinters wird RIB auch weiterhin für externe Kunden tätig sein.

„Ich glaube schon, dass es eine weitere Konsolidierung im Onlineprint geben wird. Aber Konsolidierung heißt ja in der Regel nicht, dass plötzlich nur noch zwei oder drei Spieler den ganzen Markt beherrschen. Dafür sind die Kundenanforderungen viel zu spezifisch.“ – Roland Keppler

Bernd Zipper: Das klingt also weniger nach strategischer Erweiterung des Business, sondern eher als Absicherung der Produktion.

Roland Keppler: Das ist es im Grunde genommen auch. Aber aus strategischen Gründen haben wir jetzt aktuell eine Druckerei in Spanien gekauft. Das haben wir bis jetzt noch nicht kommuniziert, aber ich kann es Ihnen schon einmal anvertrauen.

Bernd Zipper: Ich höre gespannt …

Roland Keppler: Im Januar haben wir den Kauf der spanischen Druckerei Copysell und der dazugehörigen Großformat-Fertigung SombraCero abgeschlossen. Copysell ist mit einer eigenen Fertigung südlich von Madrid und mit fünf Shops im Großraum der spanischen Metropole vertreten.

Seit 2011 steht unseren spanischen Kunden ja schon ein eigener Onlineprinters-Shop zur Verfügung. Der hat sich seither sehr positiv entwickelt. Ohnehin bietet der Markt in Spanien noch viel Potential, das wir nun gemeinsam mit unserem neuen Tochterunternehmen erschließen wollen. Mit Madrid haben wir einen geeigneten Standort, um von dort Kunden auf der kompletten iberischen Halbinsel sowie in Portugal schnell mit Drucksachen zu beliefern.

Bernd Zipper: Habe ich das richtig verstanden: Copysell ist eine Offset- und Digitaldruckerei mit einem Schwerpunkt Großformat?

Roland Keppler: Ja. Und mit unseren spanischen Kollegen, die bisher die Unternehmen führten, haben wir erfahrene Fachleute dazugewonnen und versprechen uns von der größeren Marktnähe bessere Entwicklungschancen unseres Ländermarktes. Vom Wachstum der Onlineprinters-Gruppe profitieren auch unsere Standorte in Deutschland.

Bernd Zipper: Klingt sehr plausibel. Bleiben wir noch ein wenig im Ausland. Die Übernahme von Solopress in UK war ja auch eine kluge Sache. Deren Geschäfts-modell ist beachtenswert, die Lage ist klasse, gerade um den Großraum London zu bedienen und innerhalb eines Tages zu liefern– das ist ein schöner Showcase für weitere Geschäftsmodelle.

Jetzt hing ja lange Zeit dieses Damoklesschwert Brexit über der EU und England. Wir wissen ja, wie das ausgegangen ist. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Roland Keppler: Für uns ist das mehr Chance als Risiko. Deswegen würde ich nicht von Damoklesschwert sprechen – im Gegenteil. Zunächst einmal ist es ein Vorteil, mit der Produktion vor Ort zu sein. Sollte es im Zuge des Brexit tatsächlich dazu kommen, dass sich der Warenaustausch erschwert, sind wir in der Lage, vor Ort zu produzieren und zu liefern. Zudem hatten wir in England eine ganz nette Sonderkonjunktur, weil eine Wahl nach der anderen kam, was unsere Branche immer beflügelt. Insofern sind wir und die Kollegen dort sehr stark ausgelastet, mit dem, was sich da so tut.

Natürlich haben wir uns auch frühzeitig auf Szenarien rund um den Brexit vorbereitet. Wir wissen, wie wir Produktion nach England verlagern – zusätzlich zu dem, was wir ohnehin schon haben – oder wie wir die entsprechende Logistik aufbauen müssen, damit noch alles funktioniert.

Bernd Zipper: Vor Ihrer Zeit gab es Spekulationen zu einem möglichen Börsengang von Onlineprinters. Existieren diese Pläne noch oder gibt es eine neue Strategie?

Roland Keppler: Das ist eine Frage, die Sie den Gesellschaftern stellen müssen. Es liegt naturgemäß nicht im Ermessen der Geschäftsführung von Onlineprinters, erstens, solche Dinge voranzutreiben und zweitens, diese zu kommentieren.

Roland Keppler, CEO der Onlineprinters-Gruppe, treibt den internationalen Wachstumskurs weiter voran und intensiviert die konsequente Ausrichtung auf die Kundenbedürfnisse. „Wir wollen weiterhin dynamisch wachsen, die Unternehmen der Gruppe noch stärker integrieren und durch Innovationen neue Kunden gewinnen“, so Keppler. (Source: Onlineprinters)

Bernd Zipper: Da hätte ich jetzt aber konkreteres erwartet.

Roland Keppler: Ich kann Ihnen aber nichts Konkreteres bieten. Verbleiben wir so: Ich halte Sie auf dem Laufenden, sollte es Neues geben.

Bernd Zipper: Einverstanden. Dann zu einem anderen strategischen Punkt. In der Welt der Onlineprinters gibt es kaum noch Printprodukte, die Sie nicht produzieren. Klassische Drucksachen, aber auch Werbetechnik ist mit dabei und so weiter. Gerade in das Portfolio Werbetechnik wurde in den letzten Jahren viel investiert. Welchen Stellenwert hat Werbetechnik denn eigentlich für Onlineprinters?

Roland Keppler: Vertriebsseitig hat der eine relativ große Bedeutung. Wir machen mit Werbetechnik sehr gute Umsätze und wachsen in diesem Bereich stark zweistellig – auch über Merchandising und über andere Produkte, die nicht auf Papier basieren. Werbetechnik hat also einen sehr großen Stellenwert, deshalb werden wir diesen Bereich auch weiter ausbauen.

Bernd Zipper: Augenscheinlich hat sich in den letzten Jahren nur wenig am Online-Auftritt geändert. Da wurde sicher das eine oder andere hinter den Kulissen geändert, aber generell ist das Branding relativ gleichgeblieben – es ist relativ wenig passiert. Wenn Sie B2B besser bedienen wollen, müssen mehr B2B-Portale her, müssen Mandanten her. Eigentlich muss da viel getan werden.

Roland Keppler: Wie Sie richtig sagen, erscheint das Frontend unserer Onlineshops optisch gleich geblieben zu sein. That was part of the plan. Dennoch hat sich Wesentliches verändert. Unter anderem haben wir vor einigen Monaten die Hauptnavigation von einem produktorientierten auf einen anwendungsbezogenen Einstieg umgestellt. Eine solche Anpassung nehmen wir mit viel Fingerspitzengefühl vor, denn wir wollen unseren Bestandskunden ein konsistentes Einkaufserlebnis ermöglichen. Gleichzeitig sollen solche Anpassungen Neukunden noch schneller zum gewünschten Produkt leiten. Im Hintergrund arbeiten unsere Fachexperten sehr konzentriert an neuen Funktionalitäten und Services. Für Corporate-Kunden schaffen wir technische Anbindungsmöglichkeiten. Was wir mit unserer Mannschaft leisten, ist sehr, sehr gut. Das ist ja auch der Grund, warum Onlineprinters in den letzten Jahren so extrem gewachsen ist. Aber dass wir uns weiterentwickeln und auch an einigen Stellen besser werden müssen, da gebe ich Ihnen recht – das ist so.

Bernd Zipper: Auch mit dem Wachstum muss man richtig umgehen. Sie sind jetzt mit der Organisation, der IT und mit dem Callcenter nach Fürth gezogen. Die Produktion, das Produktmanagement und alles, was produktionsbezogen ist, befindet sich aber weiterhin in Neustadt. Wie kriegen Sie es hin, dass sich keiner der beiden Personengruppen irgendwie abgesetzt oder abgehängt fühlt?

Roland Keppler: Das ist ein Punkt, den ich über meine Person stark vorantreibe und die Zusammenarbeit verbessere. Auch wenn Neustadt und Fürth kilometermäßig nicht sehr weit auseinander liegen, muss ich trotzdem aufpassen, dass sich nicht zwei Inseln bilden. Was ich stetig fördere und sehr stark einfordere ist, dass sich die Teams zusammensetzen und wechselseitig auch Management-Meetings in Fürth und in Neustadt stattfinden. Ich lege sehr viel Wert auf Projektarbeit und Projektmanagement. Das heißt auch, strukturiert die Leute zusammenzubringen. Das machen wir im Übrigen auch auf internationaler Ebene so, um die Zusammenarbeit zwischen den internationalen Organisationen und den verschiedenen Fachbereichen voranzubringen. Kommunikation ist für uns also ganz wichtig: Sichtbar zeigen, dass wir vor Ort sind, zusammenarbeiten und auch Rücksicht aufeinander nehmen, sind dabei ganz zentrale Themen.

Bernd Zipper: Sie gehen auch gelegentlich in die Produktionshallen, wenn Sie in Neustadt unterwegs sind?

Roland Keppler: Unbedingt. Ich bin mindestens einmal in der Woche in Neustadt präsent.

„Wir wachsen organisch nach wie vor sehr stark. Wir wachsen aber auch durch Zukäufe, was in Deutschland vielleicht gar nicht so sehr wahrgenommen wird. Aber wir übernehmen immer wieder mal kleinere Druckbetriebe.“ – Roland Keppler

Bernd Zipper: Was haben Sie als erfahrener Manager, jemand, der auch schon wesentlich größere Unternehmen gemangt hat, seit Ihrem Amtsantritt bei Onlineprinters gelernt?

Roland Keppler: Uih – natürlich habe ich erst einmal über die Produkte, die Produktionsverfahren und die IT, die das Ganze unterstützt, wahnsinnig viel gelernt. Das war für mich komplettes Neuland. Was ich dabei aber auch gelernt habe ist, dass wir sehr viele sehr erfahrene Mitarbeiter haben, die das Geschäft von der Pike auf gelernt haben. Und eben nicht nur das Druckgeschäft, sondern auch das Onlinedruck-Geschäft. Das ist das eigentliche Rückgrat von Onlineprinters.

Das ist aber auch das, was Spaß macht: Mit Leuten zusammenzuarbeiten, die mit Herz dabei sind, die die Produkte verstehen, die die Prozesse dahinter verstehen – und die bei allem, was auch hier und da mal schief gehen kann, am Ende wahnsinnig viel hinkriegen im Dienste der Kunden – das ist schon beeindruckend.

Bernd Zipper: Vor nicht allzu langer Zeit haben mehrere große Player aus dem Onlineprint-Business auf dem Online Print Symposium auf der Bühne gesagt: „Hey, liebe kleinere Unternehmen, es hat überhaupt keinen Sinn, noch einzusteigen in diesen Markt. Der Markt ist gesättigt. Wir Großen haben das im Griff, arbeitet lieber mit uns zusammen!“ Wie sehen Sie das?

Roland Keppler: Ich glaube schon, dass es eine weitere Konsolidierung geben wird. Wie ich das sehe, ist die Druckbranche noch etwas später dran, als andere Branchen, die die Digitalisierung oder Veränderungen der Geschäftsmodelle früher angegangen sind. Aber Konsolidierung heißt ja in der Regel nicht, dass plötzlich nur noch zwei oder drei Spieler den ganzen Markt beherrschen. Dafür sind die Kundenanforderung doch wiederum in großen Teilen so spezifisch und so speziell, dass auch kleinere Drucker immer ihre Berechtigung haben werden.

Bernd Zipper: B2B ist einer der attraktivsten, wenn auch vielleicht noch ein versteckt wachsender Markt im Onlineprint. Wer diesen Markt gescheit bedienen möchte, muss im E-Commerce eine ganze Menge bewegen, aber auch eine mobile Strategie haben. Schließlich werden rund 40 Prozent des Onlinegeschäfts in Westeuropa mobil abgewickelt. Gibt’s eine Strategie?

Roland Keppler: Ideen gibt es, allerdings sind wir im Moment an einem Punkt, wo wir nicht darüber reden können.

Bernd Zipper: Was glauben oder wünschen Sie ist Onlineprinters in zehn Jahren? Gibt es eine Vision?

Roland Keppler: Wir bauen die starke Stellung, die wir im deutschen und im europäischen Markt haben, weiter aus. Viele Länder sind in der Onlinepenetration noch weit hinter Deutschland zurück. Aber ich persönlich glaube, dass in zehn Jahren weit über 50 Prozent des Druckvolumens Onlineprint sein wird. Da wollen wir mitspielen und eine der großen europäischen Gruppen sein.

Bernd Zipper: Drucker sind ein komisches Volk, das sagt: „Man muss schon schwarze Finger haben, damit man jemanden ernst nehmen kann.“ Ich bin ja auch kein gelernter Drucker und hatte damit lange genug zu kämpfen. Welchen Stellenwert hat Print für Sie? Ist es nur der Job oder gibt es noch die Zeitung auf dem Frühstückstisch, das Buch im Zug oder die Visitenkarte, die man besonders schätzt?

Roland Keppler: Meine Frau und ich sind Zeitungsleser und die gedruckte Zeitung ist für uns ein Muss. Egal wo wir gewohnt haben, war eine der ersten Aktionen immer, eine der lokalen Zeitungen zu bestellen. Auch das gedruckte Buch ist noch immer erste Wahl: Wir haben uns gerade am letzten Wochenende – das konnte man buchen – in eine Bücherei einschließen lassen, wo man zwei Stunden lang nach Lust und Laune stöbern konnte. Wir sind mit einem ordentlichen Stapel Bücher wieder raus gegangen. Klar, wir nutzen auch E-Books, weil das in bestimmten Anwendungsfällen Vorteile bietet. Aber wenn Sie uns fragen, wo die Präferenz liegt, dann liegt die klar beim gedruckten Produkt.

Bernd Zipper: Also „addicted to Print“ sozusagen?

Roland Keppler: Definitiv. Ich bekenne mich auch dazu, dass ich an diese Branche glaube, weil auf absehbare Zeit immer gedruckt werden wird. Die Schrift und der Druck sind eben eine der größten Kulturerrungenschaften, die die Menschheit je hervorgebracht hat. Deswegen glaube ich bei aller Digitalisierung und bei allem Internet daran, dass es den Druck immer geben wird.

Bernd Zipper: Ich bedanke mich. Dankeschön für Ihre Zeit.

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Onlineprinters wird seit 1. Juli 2019 von Roland Keppler geleitet, der den Vorsitz der Geschäftsführung von Dr. Michael Fries übernommen hat. Aufgrund seiner früheren Tätigkeiten verfügt Keppler über profundes Know-how in der Unternehmensentwicklung und Internationalisierung von Unternehmen.
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beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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