Open oder Closed: Warum Shop nicht gleich Shop ist

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Der stationäre Einzelhandel betreibt Läden, die für jeden frei zugänglich sind. Und es gibt Großhändler, die ausschließlich Gewerbetreibenden zur Verfügung stehen. Ähnliche Strukturen finden sich auch im virtuellen, elektronisch gestützten Handel, dem Digital Commerce. Während ein Teil der Onlineshops im Bereich B2C angesiedelt ist, konzentrieren sich andere auf B2B-Kunden. Die jeweilige Ausrichtung spiegelt sich auch in unterschiedlichen Modellen für Onlineshops wider. In letzter Zeit vermischen sich die Möglichkeiten über die Konzepte hinweg. Doch: Onlineshop ist nicht gleich Onlineshop.

Bevor sich ein Unternehmen dazu entscheidet, seine Produkte und Dienstleistungen über digitale Kanäle zu vermarkten, sollten Ausrichtung, Zielgruppe, Portfolio und die dahinterliegenden Prozesse genau definiert werden. Denn gerade für Druckereien, die sowohl Privat- wie auch Geschäftskunden bedienen (können), gibt es unterschiedliche Ansätze und Möglichkeiten: beispielsweise den Closed Shop auf der einen und den Open Shop auf der anderen Seite.

Dieser Artikel ist keine akademische Abhandlung über die Terminologie des Digital Commerce. Er soll ein Bewusstsein dafür schaffen, inwieweit sich die beiden Systeme grundsätzlich voneinander unterscheiden.

Onlineshops sind gefragt

In Deutschland gibt es hunderttausende Onlineshops in allen nur denkbaren Bereichen und Märkten; von Bekleidung bis hin zu Büchern, von Elektronikartikeln zu Einrichtungsgegenständen, von Lebensmitteln bis zu Lifestyle-Produkten. Es gibt nichts, das man nicht online kaufen könnte – und das schließt auch Druckprodukte mit ein. Logisch also, dass – parallel zum allgemeinen Wachstum im E-Commerce – auch die Zahl der Onlinedruckereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz beständig wächst. Allein in der Übersicht auf beyond-print.de sind inzwischen mehr als 300 Unternehmen gelistet. Dabei sind die Druckereien, deren Onlineshops ganz klassisch über die Internetsuche zu finden und damit für jeden zugänglich sind, nur ein Teil des gesamten Onlineprint-Marktes.

Open Shop versus Closed Shop

Das Konzept, das sich dahinter verbirgt, ist das des Open Shops. Der Begriff bezieht sich dabei nicht auf die Öffnungszeiten, schließlich sind im Internet alle Shops rund um die Uhr geöffnet. Vielmehr nimmt er Bezug auf die Tatsache, dass dieser Shop für jeden offensteht, sich also vor allem in den Bereich Business-to-Consumer (B2C) einordnen lässt. Im Umkehrschluss beschreibt das Konzept des Closed Shops eine Verkaufsplattform, die nur einem geschlossenen Kreis an Kunden zur Verfügung gestellt wird – und ergo nicht über eine Internetsuche gefunden werden kann. Diese Systeme beruhen damit in der Regel auf Beziehungen zu Geschäftskunden und finden damit im Business-to-Business-Bereich (B2B) statt. Doch die beiden Systeme unterscheiden sich auch in anderen Punkten:

Offen und zugangsbeschränkt

In einem Open-Shop-System erfolgt beispielweise die Eingabe der Kunden- und Adressdaten (ob Registrierung für ein Kundenkonto oder Gastbestellung) in der Regel erst am Ende des Bestellprozesses, im Warenkorb und Checkout-Prozess. In einem Closed Shop steht die Eingabe der Login-Daten ganz am Anfang und ermöglicht überhaupt erst den Zugang zur Shop-Umgebung, es geht also um Authentifizierung.

Die Shop-Umgebung selbst ist in einem Closed Shop zudem meist auf den jeweiligen Kunden angepasst, und das bezieht sich nicht nur auf das optische Erscheinungsbild: Es gibt ein für das Kundenunternehmen speziell zusammengestelltes und begrenztes Produktportfolio, nicht selten sind die Logos und CI-Daten bereits hinterlegt, sodass die zugangsberechtigten Mitarbeiter des Kundenunternehmens nur noch ihre persönlichen Daten eingeben müssen. Auch eine Auswahl verschiedener Auflagen, Zahlungsmethoden und Lieferadressen ist bereits angelegt, sodass die Produkte schnell konfiguriert und bestellt sind. Ebenso lassen sich Prüf- und Freigabe-Mechanismen integrieren. Closed Shops sind in der Regel zudem eng in die Produktion der Druckerei eingebunden. Sie müssen native Schnittstellen ins ERP-System des Druckdienstleisters bieten, damit lassen sich die Bedarfs- und Produktionsplanung sowie das Rechnungswesen automatisieren.

Suchmaschinenoptimierung

Das heißt aber nicht, dass sich Open Shops nicht auch gut in bestehende Prozesse integrieren ließen. Wie gut, das hängt nicht zuletzt von den eingesetzten Systemen und Softwarelösungen in der Produktion und ihren Schnittstellen ab. Open Shops unterscheiden sich jedoch an anderer Stelle von ihren „geschlossenen“ Pendants. Sie spiegeln optisch das CI des Betreibers, also der Druckerei, wider und bieten eine extrem breite Produktpalette ab. Der größte Unterschied zum Closed Shop ist wohl aber der, dass Open Shops für gewöhnlich in Ihrer Struktur bereits suchmaschinenoptimiert ausgelegt sind und darüber hinaus noch weitere Optionen für SEO-Maßnahmen bieten. Eigentlich logisch, schließlich sollen Open Shops möglichst vielen Usern über die Ergebnisseiten der Suchmaschinen angezeigt werden.

Apropos SEO: Hierfür brauchen Unternehmer bzw. Shop-Betreiber unabhängig von der Software viel Erfahrung und eine klare Strategie. Einige Druckereien feiern ihr 50-, 60- oder sogar mehr als 100-jähriges Bestehen. Diejenigen darunter, die noch heute erfolgreich sind, haben längst ein Konzept für ihre digitale Transformation entwickelt und arbeiten konsequent an der Umsetzung – und das jeden Tag! Denn der Betrieb eines Onlineshops ist – wie eben die gesamte digitale Transformation – kein einmaliges, sondern ein kontinuierliches Projekt, für das es jeden Tag etwas zu tun gibt.

Für jeden Zweck die richtige Lösung

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Open Shops und Closed Shops verfolgen also einen unterschiedlichen Ansatz – und sind in der Regel in ihrem gesamten Funktionsumfang auf das eine oder auf das andere spezialisiert. Anbieter von Shop-Software, die sich auf Druckereien oder ein Portfolio an gedruckten Produkten spezialisiert haben, wie etwa be.beyond, Obility, CloudLab, Gelato oder rissc (deren Hauptprodukt der printformer-Editor ist), bieten daher meist zwei verschiedene Lösungen an; einmal für eine Closed-Shop-Nutzung, einmal für einen Open Shop.

My Take: Lässt sich ein Closed Shop mit seinen Vorteilen, was die noch tiefere Integration ins ERP-System betrifft, auch als Open Shop verwenden? Das mag – wenn die Anforderungen abgedeckt sind – zwar funktionieren. Sinnvoll ist es in den meisten Fällen aber nicht. Denn jede der Lösungen ist so konsequent auf ihren Einsatzzweck hin umgesetzt, dass ein „Verbiegen“ der Software auf lange Sicht nur für viel Aufwand, Frust und nicht für das erhoffte Ergebnis sorgt – Stichwort: Suchmaschinenoptimierung.
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Beyond-Print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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