OPS 2020: Aus Fehlern lernen und die DNA von Print transformieren

0

Ohne Zweifel ist das Online Print Symposium eine der erfolgreichsten Trend-Veranstaltungen der Druckindustrie. Kein Wunder, denn das OPS packt jedes Jahr aufs Neue topaktuelle Themen an und festigt damit seinen Ruf als „Thinktank“ des Onlineprints – auch international. Das erlebten die rund 250 Teilnehmer des Symposiums in diesem Jahr vom 3. bis 4. März in München hautnah.

Trends wie individueller E-Commerce für Print, Digitalisierung, Transformation, Industrie 4.0, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Blockchain, Kundenkommunikation und das Thema Mobile Commerce waren die Top-Themen, mit denen sich die 16 Referenten an den beiden Veranstaltungstagen beschäftigten.

Ein bisschen viel auf einmal. Deshalb teilen wir den Bericht über das Symposium in mehrere Beiträge: Im vorliegenden  Teil geht es vor allem um den Markt von Onlineprint und Transformationsprojekte. In weiteren Artikeln beleuchten wir die Umsetzung ausgewählter Techniken im Zusammenhang mit den sich verändernden Märkten.

Einige der genannten Trends prägen das Geschäft von Druckereien bereits heute, andere werden zurzeit noch eher unterschwellig wahrgenommen. So ist das Smartphone im E-Commerce zum Entscheidungsvorbereiter Nr. 1 für fast jeden Kauf im E-Commerce geworden: vom Turnschuh über die Reise, das Auto – bis hin zum Druck. „Wer nicht mobil unterwegs ist, wird seine Kunden irgendwann nicht mehr erreichen“, mahnte Bernd Zipper, Mitveranstalter des Symposiums und CEO der zipcon consulting GmbH. Zudem seien Smartphones echte „Enabler“ für Mass Customization … und würden längst nicht mehr nur für „Bilderchen“ eingesetzt. Darauf müsse sich die Druckindustrie einstellen – und noch auf einiges mehr.

Deshalb lagen die Veranstalter, zipcon consulting und der Bundesverband Druck und Medien, mit der Wahl des Veranstaltungsmottos „Transforming the DNA of Print!“ absolut richtig. Das Motto richtete sich an alle Drucker, denn über kurz oder lang wird jede Druckerei wenigstens ein Stück weit zum Onlinedrucker mutieren – ob er will oder nicht.

Natürlich gibt es noch immer erfolgreiche Drucker ohne Online – die werden solche Zeilen vielleicht auch gar nicht so gerne lesen. Doch die Druckindustrie muss da präsent sein, wo ihre Kunden sind. Und wenn die im Internet unterwegs sind, müssen auch die Druckereien dort hin. Dabei geht es ja gar nicht darum, dass jeder ein zweiter Flyeralarm werden muss, aber wenn die Druckindustrie online-getriggerte Automatisierungsprozesse anderen überlässt, dann redet bald niemand mehr von dieser Branche.

Online ist keine Option mehr

Die Aufregung des letzten Online Print Symposiums, wonach Onlineprint nicht mehr so schnell wachse, wie erwartet, hat sich längst gelegt und war in diesem Jahr nun gar kein Thema mehr. Denn die vermeintlich schlechten Prognosen lagen daneben. Onlineprint hat sich gut entwickelt und ist weiterhin auf Wachstumskurs.

Ein Fazit des Jahres 2019 und einen Trendüberblick erwarteten die Teilnehmer in gewohnter Manier von Bernd Zipper beim #OPS2020.

„Print ist einer der mächtigsten Kanäle im Kommunikations-Kanon der digitalen Welt. Onlineprint ist eines der erfolgreichsten Business-Modelle der Druckindustrie“, stellte Bernd Zipper fest. „Und das Internet ist die größte globale Infrastruktur, die die Menschheit je geschaffen hat – wobei das „Netz“ letztlich die allgegenwärtige Plattform für Kommunikation und Geschäfte ist. Online ist also keine Option mehr, Online ist die Schnittstelle zum Kunden. Heute – und Morgen unersetzbar“, führte Zipper die Argumentationskette in seinem schon traditionellen Vortrag „Entwicklungen und Trends im Onlineprint“ fort, in dem er ein Fazit des Jahres 2019 zog, einen Trendüberblick gab und damit die Hausaufgaben vorgab, die die Branche in nächster Zeit zu erledigen hat. Und die haben es allesamt in sich.

Dabei sei Onlineprint ja keine geschlossene Veranstaltung für einige wenige. „Jeder Onlineprinter braucht Partner“, stellte Zipper fest und charakterisierte die unterschiedlichen Geschäftsmodelle im Onlineprint noch einmal für ein besseres Verständnis bei der Interpretation der Zahlen in den Statistiken.

  • Als homogene Onlinedrucker bezeichnete er solche Unternehmen, die – wie etwa Flyeralarm, Onlineprinters oder Saxoprint – Open Shops für jedermann betreiben, auf eine eigene Produktion setzen und zusätzlich externe Produktionspartner hinzuziehen.
  • Heterogene Onlineprinter sind eher solche, die sich einer externen Produktion bedienen (zum Beispiel das eigene Stammhaus als Druckerei), die für den Shop arbeitet und zugleich als Individualdrucker unterwegs sind. Dazu gehören auch die Druckereien, die für ihre Kunden im Internet Closed Shops betreiben. Und das sind nicht wenige.
  • Daneben sind Print-Broker am Markt, die ausschließlich mit externen Druckereien zusammenarbeiten und nur über einen marginalen Anteil an eigener Produktion verfügen (z.B. Wir-machen-Druck.de). United Print wechselt übrigens zurzeit vom homogenen Onlinedrucker ins Print-Makler-Business.

Gutes Klima für Onlineprint in Europa

In der Summe machten diese Druckereien 2019 onlinegetriebene Umsätze in Höhe von 8,10 Mrd. €. Das ist etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes der Druckindustrie in den D/A/CH-Ländern. 2018 lag der Wert noch bei 7,85 Mrd. €. Und für 2020 hat der Market Research von zipcon consulting einen Umsatz von 8,74 Mrd. € errechnet. Das entspricht einem Zuwachs von im Schnitt 7,5%. Zippers Prognose zur Marktentwicklung in D/A/CH: B2C wird um 7,1% wachsen, B2B um 8,5%.

Die Top 5 der Onlineprinter Cewe, Cimpress (mit der jeweiligen Landesbeteiligung), Flyeralarm, Onlineprinters und United Print machten 2019 einen Umsatz von gesamt 1,7 Mrd. € bei einem durchschnittlichen Wachstum von 9,5%. Dazu gehören natürlich auch die Umsätze, die in den unterschiedlichen Ländershops in Europa erzielt werden. Die großen Player wachsen durch neue Angebote (LFP, Werbemittel, Nischenprodukte) und gleichzeitig setzt der Preiskrieg die Anbieter von Standard-Produkten weiterhin unter Druck. Commodities sind nun einmal Drucksachen, mit denen am wenigsten verdient werden kann.

Dabei herrscht nach den Zahlen von Bernd Zipper generell ein gutes Klima für Onlineprint in Europa, wobei sich die Märkte in Frankreich, Spanien, Italien und in den baltischen Staaten besonders gut entwickeln. Der Brexit beflügelt die Print-Umsätze in UK, Ballungsräume sind ohnehin erfolgreich, wobei die Netz-Infrastruktur und 4G/5G-Abdeckung wesentliche Erfolgsfaktoren sind. Zugleich wächst eine neue Gattung von Drucksachen heran: Social-Media-Print. Gemeint ist damit, dass Inhalte von Instagram, Verläufe von WhatsApp oder Facebook und anderen sozialen Medien nun auch gedruckt werden.

Welche Trends sind zu beachten?

Neben den eingangs erwähnten Trends sticht der Megatrend Mass Customization ganz besonders hervor. „Ja, es gibt natürlich auch weiterhin Mass-Production-Umsätze“, räumte Zipper ein. „Aber es gibt einen Paradigmenwechsel, nachdem Auflage 1 durch Highspeed-Inkjekt und Web-to-Print bezahlbar geworden ist. Und es wächst eine Generation heran, die für Mass-Customization-Lösungen hoch sensibel ist.“ Digital getriggerte Print-Produkte für das One-to-One-Marketing in Auflage 1 samt intelligenter Logistik-Konzepte gehören dabei auch zum Megatrend Individualisierung. Hier könnte sich für die Branche sogar eine neue Dienstleistung auftun.

Doch Onlineprint müsse im Zuge der Individualisierung auch verstehen, dass im E-Commerce jeder Kunde in seinem Kanal erreicht werden muss, damit beim bevorstehenden Paradigmenwechsel neue Umsätze erschlossen werden könnten, mahnte Zipper: „Denn wir haben es heute mit multioptionalen Kunden zu tun. „Den“ Kunden gibt es nicht mehr.“ Zudem ließe die Simplifizierung von komplexen Prozessen Lean Onlineshops entstehen. Viele Prozesse wanderten in die Cloud und die Kosten würden über Clickrate, Miete oder andere Vertragsmodelle vertretbarer als der Kauf.

Und das ist nach Bernd Zipper die neue DNA für Print: „Lean. Agil. Virtuell. Kooperativ. Plattformen verbinden Anbieter, Zwischenhandel und Endkunden. Print wird agil, Print wird individuell, Print wird modern. Nicht zuletzt durch die Errungenschaften des Onlineprint.“

Bernd Zipper My Take: Hier an Ort und Stelle wird es in den nächsten Tagen weitere Beiträge zu den einzelnen Vorträgen und den topaktuellen Themen vom 8. Online Print Symposium geben – also dranbleiben lohnt sich.

 

 

Summary
OPS 2020: Aus Fehlern lernen und die DNA von Print transformieren
Article Name
OPS 2020: Aus Fehlern lernen und die DNA von Print transformieren
Description
Ohne Zweifel ist das Online Print Symposium eine der erfolgreichsten Trend-Veranstaltungen der Druckindustrie. Kein Wunder, denn das OPS packt jedes Jahr aufs Neue topaktuelle Themen an und festigt damit seinen Ruf als „Thinktank" des Onlineprints – auch international. Das erlebten die rund 250 Teilnehmer des Symposiums in diesem Jahr vom 3. bis 4. März in München hautnah.
Author
Publisher Name
beyond-print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

Leave A Comment