#OPS2022: Simplify Onlineprint – Warum Onlineprint neu gedacht werden muss

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Eigentlich sahen die Prognosen ganz gut aus: 7,1 Prozent Wachstum im Bereich B2C, 8,5 Prozent im Bereich B2B. Dann kam Corona – und die Papierknappheit, steigende Energiepreise, Ukrainekrieg. In den 785 Tagen seit dem letzten Online Print Symposium ist viel passiert. Welche Auswirkungen das speziell auf den Onlineprint hatte und worauf es für einen erfolgreichen „Re-Start“ nun ankommt, hat Bernd Zipper auf dem OPS 2022 im Science Congress Center Munich verraten.

Nein, er möchte nicht mehr über Corona klagen, oder über die Materialknappheit, hohe Beschaffungs- und Energiepreise oder über den Krieg. Er möchte nicht mehr nur die Schwierigkeiten diskutieren, mit denen die meisten Unternehmen in den letzten Jahren zweifelsohne zu kämpfen hatten, sondern den Blick auf die Zukunft richten. „Wir müssen uns dieser Themen bewusst sein, ja. Aber wir müssen uns vor allem die Frage stellen, wie es mit unserer Industrie weitergehen soll“, erklärte Bernd Zipper, Gründer und Geschäftsführer von zipcon consulting und Mit-Veranstalter des Online Print Symposiums, zum Einstieg in seinen Vortrag über die Trends und Entwicklungen im Onlineprint in der DACH-Region. „Wir müssen die Fakten zur Kenntnis nehmen, bewerten und handeln.“ Und ja, in diesen Zeiten braucht es Mut. Und Resilienz.

Gerade dieser – laut Wikipedia – psychischen Widerstandsfähigkeit wurde in den Pandemiejahren eine wichtige Bedeutung zuteil. Denn sie zeichnet sich unter anderem dadurch aus, Situationen zu akzeptieren, lösungsorientiert zu agieren, die Opferrolle zu verlassen, stattdessen Verantwortung zu übernehmen, Netzwerke zu knüpfen und Zukunftspläne zu schmieden – und ist damit fast schon so etwas wie eine Superkraft, auf die es auch in den nächsten Jahren ankommt.

Onlineprint neu denken

Denn: „Es geht um einen Re-Start unserer Industrie. Es geht darum, Onlineprint neu zu denken. Wir müssen mehr tun. Wir dürfen nicht denselben Fehler machen wie viele Drucker seit den 1950er-Jahren und bei ein und demselben Geschäftsmodell bleiben.“ Warum? Ganz einfach: Weil die Arbeit in dem Moment, in dem etwas Digitales ins Spiel kommt, eine digitale Plattform, Online-Shops oder Apps, nie aufhört und dementsprechend auch die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells nie aufhören darf. Ein Tool, das gestern richtig war, kann morgen schon falsch sein. Darum müsse Onlineprint immerzu hinterfragt und neu gedacht werden, um eben auch neue Kunden zu gewinnen.

Gestiegene Erwartungen

Schließlich sei auch das Fakt: Die Gesellschaft hat sich in den letzten zwei Jahren im Turbomodus transformiert und modernisiert. „Der Kunde hat gelernt, wie Online funktioniert“, so der Experte. Trotzdem hat es keinen wahren Onlineprint-Boom gegeben. Das wiederum liegt daran, dass die Gesellschaft, Privatleute wie Unternehmer oder Marketingverantwortliche, auch in anderen Bereichen dazugelernt haben, unter anderem im E-Commerce, beim Thema Mass Customization, bei Print on Demand (POD) oder was individuelle Anpassungen betrifft.

Digital ist normal

Welchen Stellenwert das Digitale in der Welt der Menschen inzwischen hat, zeigen Studien wie etwa der IDH Konsumentenreport regelmäßig. Ganz aktuell geht aus diesem beispielsweise hervor, dass sich das Mindset der Menschen ändert, Onlinemodelle „normal“ sind, Digital vor allem als Informationskanal, als Entscheidungshelfer und „Zubringer“ für digitale Einkäufe dient. Und weil Digital eben nicht nur den Browser im Desktop-Rechner meint, sondern das Smartphone eine immer wichtigere Rolle als Zugangspunkt einnimmt, sei es ebenso wichtig, seinen Onlineprint-Shop mobil zugänglich zu machen. „Das Smartphone ist der ‚Enabler‘, also der ‚Möglich-Macher’, in neue Generationen von Kunden hinein“, lautete folgerichtig Zippers These. „Der Print-Abnehmer ist online, er hat die Prozesse verstanden, aber er erwartet dadurch auch mehr Service, digitalen Service.“

Auf allen Kanälen

Das könne sein, dass er besser abgeholt werde, dass es „echte“ Ansprechpartner gibt, dass Marken und Shops multimedial auftreten und über verschiedene Kanäle zugänglich sind; auch über Social Media. Klar, große Marken wie Vista sind längst auf Instagram und Co. unterwegs und hätten es leichter, Ressourcen für eine gute Social-Media-Präsenz abzustellen. Aber auch für kleinere Betriebe sieht Bernd Zipper eine einfache Lösung für mehr Erfolg: „Seid besser im Service“, denn das wiederum könnten große Onlineprinter oft nicht in der nötigen Tiefe.

Onlineprint erholt sich

Und noch eine gute Nachricht: Der Markt verspricht auch in Zukunft Wachstum, wie er am Beispiel der Top-5-Onlineprinter der DACH-Region zeigte. „Onlineprint erholt sich langsam, und das trotz der steigenden Abgabepreise.“ Denn fast alle Anbieter – die unter anderem regelmäßig für den ZOPI, den zipcon Onlineprint Preis Index untersucht werden – haben ihre Preise erhöht, spätestens seit August 2021 – und der Markt akzeptiert das weitgehend. Die Druckpreise haben durchschnittlich um 17,8% angezogen, „und am Ende der Preisspirale werden wir vermutlich bei 25 bis 30% liegen“, prognostiziert Zipper. Aber: Die Abnehmer akzeptieren zwar die Preissteigerungen, suchen zugleich jedoch auch nach Alternativen. Und diese wiederum könnten Onlineprintern ebenfalls in die Karten spielen, denn Dienstleistungen wie Print on Demand, Versionierungen in kleineren Auflagen oder zielgruppenorientierte Werbemittel sollten Onlinedruckereien aus dem Effeff können.

Klassisches Printgeschäft vs. Online-generiertes Printgeschäft

Bei Zippers Vorausschau auf die nächsten Jahre zeigt sich zudem eine besondere Entwicklung, nämlich weg vom traditionellen Druck hin zum Onlinedruck. Denn während die Printumsätze insgesamt über die nächsten Jahre zwar nach unten gehen werden, sind es vor allem die Online-generierten Print-Umsätze (OGPR), die entgegen der Gesamtentwicklung steigen, und das deutlich.

Dieser Paradigmenwechsel hat sich während der Pandemie beschleunigt, und er wird auch weiterhin an Fahrt aufnehmen. So sieht der Fachmann die OGPR um 8 bis 12 Prozent wachsen. „Außerdem werden die OGPR bis 2025 die klassischen Printumsätze erstmals übersteigen.“ Und da vor allem B2B-Kunden ein anderes und auf sie zugeschnittenes Service-Angebot verlangten, seien es unter anderem kleine Druckereien mit kleineren, aber spezialisierteren Portalen, die diese Entwicklung vorantreiben könnten.

Dass die OGPR den klassischen Print überholen werden, bedeutet allerdings nicht, dass es keinen traditionellen Print mehr geben werde. Allerdings, so schätzt es Bernd Zipper ein, bröckelt denjenigen Druckereien, die sich den digitalen Vertriebskanälen verwehren, zunehmend der Marktzugang weg. Traditionelle Druckereien sollten sich also dringend etwas einfallen lassen, um im Online-Kanon der Kunden eine Rolle zu spielen.

Und noch etwas: Marktplätze sowie Trader und Fulfiller wachsen stark, nicht zuletzt durch B2B-Kunden. Darum sieht der Experte bei Dienstleistern wie Gelato, Printify und Co. in den nächsten Jahren auch ein Wachstum im unteren zweistelligen Bereich.

Weniger, aber wertiger, wertvoller und werthaltiger

„Onlineprint wächst weiter, trotz aller Widrigkeiten“, erklärte Bernd Zipper dann auch am Ende seines Vortrags. „Ja, es wird weniger gedruckt. Aber das, was gedruckt wird, ist wertvoller, werthaltiger, bringt mehr Response und Umsatz für die, die es richtig nutzen und die, die es richtig anbieten. Der Kunde hat verstanden, was möglich ist – aber er will mehr, und das gilt sowohl im Bereich B2C wie auch für B2B.“

Das bedeutet, „eine bessere Online-Unterstützung, Service, Usability, Customer Experience. Es geht auch um Geschwindigkeit, um eine optisch ansprechende Darstellung der Produkte. Es geht darum, den Kunden richtig abzuholen“, so Zipper. „Print on Demand ist eine coole Sache, aber wir müssen dem Nutzer auch erklären, wie das geht – ebenso bei Mass Customization. Und noch mehr: Vor allem B2B-Kunden erwarten zunehmend Full-Service-Procurement-Portale, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind“, ist er sich sicher.

My Take: Und das Fazit? Die Zeit des 08/15-Webshops ist vorbei. Der Appell an die Teilnehmer des Online Print Symposiums und alle anderen Onlinedrucker lautet daher: Lasst uns Onlineprint neu denken. Lasst uns Onlineprint persönlicher machen, lasst uns mehr mit den Kunden interagieren! Oder in nur zwei Worten ausgedrückt: Simplify Onlineprint.
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#OPS2022: Simplify Onlineprint – Warum Onlineprint neu gedacht werden muss
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#OPS2022: Simplify Onlineprint – Warum Onlineprint neu gedacht werden muss
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Eigentlich sahen die Prognosen ganz gut aus: 7,1 Prozent Wachstum im Bereich B2C, 8,5 Prozent im Bereich B2B. Dann kam Corona – und die Papierknappheit, steigende Energiepreise, Ukrainekrieg. In den 785 Tagen seit dem letzten Online Print Symposium ist viel passiert. Welche Auswirkungen das speziell auf den Onlineprint hatte und worauf es für einen erfolgreichen „Re-Start“ nun ankommt, hat Bernd Zipper auf dem OPS 2022 im Science Congress Center Munich verraten.
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Beyond-Print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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