OPS2024: Aufbruch in eine neue Ära des Drucks

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Nach der Keynote erwarten die Besucher am ersten Tag des Online Print Symposiums traditionell den Vortrag von Bernd Zipper, CEO der zipcon consulting GmbH und von Beginn an Mitveranstalter des OPS. Er sprach in diesem Jahr von einer neuen Ära des Drucks und davon, dass wir noch nie so viele Möglichkeiten hatten, mit Print richtig gutes Geld zu verdienen. Damit schloss er sich der positiven Grundeinstellung von Henrik Müller-Hansen an – mahnte aber, dass wir verstehen müssten, welche Regeln sich geändert haben.

„Mit Klagen über die Inflation, das Kundenverhalten, Energie- und Materialkosten oder Greenwashing kommt man nicht weiter. Es geht auch nicht mehr um die Höhe der Print-Auflage, denn Print darf nicht länger das Image eines Wegwerf-Produktes mit sich führen. Es geht um den individuellen, echten Wert von Print. Denn das Zeitalter der Massenproduktion ist vorbei“, so Zipper. Stattdessen müssen wir uns nach seinen Worten mit Trends und Markttreibern, wie neuen Inkjet-Technologien, Mass Customization, Nachhaltigkeit und Social Commerce beschäftigen. „Dabei beschleunigt Künstliche Intelligenz praktisch jeden dieser Trends“, führte Zipper aus.

Erholung der Onlinedrucker

Die genannten Trends machen sich in der Branche längst bemerkbar. So spüren Druckereien schon seit einiger Zeit die Tendenz zu kleineren Auflagen, den Kostendruck und die Pflicht zu mehr Nachhaltigkeit – auch im Onlinedruck-Geschäft. 

Das ist in Deutschland mit Abstand am weitesten entwickelt, was die Nutzung von Online-Shops und Portalen für Druck-Erzeugnisse angeht. Nach Einschätzung von Bernd Zipper ist der Markt gut entwickelt und profitiert von einer erfolgreichen Digitalisierung in den Unternehmen, insbesondere im B2B-Bereich. Die Druckereien in den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien holen bei der Digitalisierung von Infrastrukturen in den Unternehmen auf und auch belgische, österreichische und Schweizer Druckereien entwickeln sich – langsamer, aber stabil. Polen profitiert bisher von niedrigen Personalkosten, weshalb zahlreiche Unternehmen Polen als Produktionsstandort nutzen. Der Online-Druckmarkt entwickelt sich dort stetig, aber im Vergleich langsamer.

Vor diesem Hintergrund haben sich die größten Onlinedrucker in D/A/CH nach dem Corona-Knick gut erholt und sind weiter auf 2,35 Mrd. Euro gewachsen. Auch die Preise für typische Produkte im Onlineprint haben sich nach dem Energie- und Papierpreis-Schock 2022 wieder beruhigt, wie der zipcon Onlineprint Preis Index (ZOPI) belegt. Sie liegen zwar noch immer auf einem höheren Niveau als zum Start des ZOPIs, aber sind zuletzt nicht mehr gestiegen.

Verantwortungsvolles Drucken

Doch auch, wenn die Branche die bisherigen Krisen überstanden hat, gibt es kein „Business as usual“. „Die Tage der Verschwendung sind vorbei“, stellte Bernd Zipper nach seinem Ausflug in das Zahlenwerk des Onlinedrucks fest und baute eine Argumentationskette auf, deren Effekte nicht jedem Drucker schmecken dürften. Sie sind jedoch unabdingbar für den effizienten Umgang mit Ressourcen, Abfallreduzierung, Kapazitätsabbau, der Optimierung der Produktionsprozesse und besseren Gewinnspannen: „Individualisierung ist das ‚Neue Gold‘ und Print on Demand ist König.“ Es besteht also kein Zweifel daran, dass in Zukunft weniger gedruckt wird. Print wird aber wertvoller werden, wenn nach der neuen Formel „Verantwortungsvolles Drucken“ gehandelt werde.

Damit erhalte Drucken wieder einen neuen Wert und behaupte in einer vernetzten Welt seine Schlüsselposition: „Druckerzeugnisse überdauern die Zeit. Sie sind damit eine feste Konstante. Das lernen die Menschen gerade wieder“, sagte Zipper und schloss: „Die Nutzung aktueller Trends und die Anwendung von KI sind die Grundlage für den Onlinedruck der Zukunft.“

Mutmacher im Wandel

Online drucken war lange Zeit Garant für Erfolg in der Druckindustrie, doch Krisen, Veränderungen der Lebensumstände ganzer Generationen und neue KI-Anwendungen stellen die Unternehmen weltweit vor neue Herausforderungen. Onlinedrucker bekommen den Einfluss neuer Absatzkanäle zu spüren und suchen nach Antworten und Orientierung für die kommenden Jahre. Mit den ersten beiden Vorträgen waren die Besucher des OPS auf die Trends und (durchaus auch positiven) Veränderungen, die der Branche bevorstehen, eingestimmt.

Nicht alleine durch KI und auch nicht alleine durch das von Bernd Zipper ausgerufene Zeitalter des Mass Customization Print, denn der Begriff kann auch als Platzhalter gelten für Print on Demand, Personalisierung und Individualisierung sowie das Drucken kleinerer Einheiten. Was nicht heißt, dass nur noch Auflage 1 gedruckt wird. Es wird weiterhin Zeitungen und Zeitschriften in vergleichsweise hohen Auflage geben, aber nur noch in Ausnahmefällen in Millionen-Dimensionen. Es wird auch weiterhin die Flyer in Auflage 500 geben oder die personalisierte Direktmailing-Aktion in Auflage 100.000. Das ist ja nicht gerade eine kleine Auflage.

Aber dazu wird neue Technik notwendig sein. Und für Druckereien werden alle Aktionen früher oder später von Künstlicher Intelligenz durchdrungen sein.

Anmerkung: In den nächsten Tagen und Wochen werden kurze Artikel über die Vorträge des Online Print Symposiums 2024 in loser Folge hier auf beyond-print.de veröffentlicht.

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Nach der Keynote erwarten die Besucher am ersten Tag des Online Print Symposiums traditionell den Vortrag von Bernd Zipper, CEO der zipcon consulting GmbH und von Beginn an Mitveranstalter des OPS. Er sprach in diesem Jahr von einer neuen Ära des Drucks und davon, dass wir noch nie so viele Möglichkeiten hatten, mit Print richtig gutes Geld zu verdienen. Damit schloss er sich der positiven Grundeinstellung von Henrik Müller-Hansen an – mahnte aber, dass wir verstehen müssten, welche Regeln sich geändert haben.
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Beyond-print.de

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