Photokina 2018: Software, Software, Software – und ein bisschen Print

Software für Foto-E-Commerce? Ja. Print? Auch. Die Photokina 2018 zeigt einige interessante Lösungen für den lohnenden Onlineprint-Bereich Foto.

Egal ob via Laptop, Tablet oder Smartphone – Fotoprodukte gehören schon seit Jahren zu den beliebtesten Bestellartikeln aus dem Internet. Und wer sich die diesjährige Photokina mal durch die „Entwicklungsbrille“ in Bezug auf Print-nahe Fotoanwendungen anschaut, der erkennt vor allem zwei Aspekte, die in diesem Business aktuell Erfolg versprechen: Convenience und High-End. Und betrachtet man das Umsatzpotenzial auf dem lukrativen Markt für Foto-E-Commerce-Software und jeder Art von internetbasiertem Finishing von Fotoartikeln, dann wird auch klar, weshalb sich die Entwicklungen von Soft- und Hardwareanbietern aus diesem Bereich alle in Richtung dieser zwei Aspekte bewegen. Laut Photoindustrie-Verband belief sich alleine in Deutschland der Umsatz mit Fotomehrwertprodukten (wie zum Beispiel Kalendern, Geschenkartikeln und Postern; keine Fotoabzüge) 2017 auf rund 220 Millionen Euro, was einer Steigerung von 7 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht. Noch stärker hat sich der Umsatzwert von in Deutschland vertriebenen Fotobüchern entwickelt: 303 Millionen Euro – was einer Steigerung gegenüber 2016 von mehr als 12 Prozent entspricht. Ein einträgliches Geschäftsfeld, besonders weil von einer weiteren Zunahme auszugehen ist. Denn auf dem internationalen Markt verhält es sich ähnlich wie auf dem deutschen. Daher gibt es Grund genug, sich auf der Photokina 2018 mal ein paar internationale (Spezial-)Anbieter aus diesem Feld anzuschauen – was ich für Sie getan habe.

Neben Produktneuheiten wie direkt bedruckten Teppichen zeigt Picanova auf der Photokina neue und bewährte B2B-Lösungen; Quelle: zipcon consulting

Wer in den letzten Jahren in Sachen Mass Customization im Fotobereich recherchiert hat, der ist wohl kaum an einem deutschen Anbieter vorbeigekommen: Picanova. Das Kölner Unternehmen hat quasi ein Heimspiel und zeigt auf der Messe gleich mehrere frische, printbezogene Lösungen für den Vertrieb von Fotoartikeln. Unter anderem gibt es eine neue B2B-Corporate-Seite, die Geschäftskunden das gewohnte Produktportfolio zeigt und zugänglich macht. Auch das Projekt Photo.Club können sich Interessierte am Stand von Picanova in Halle 3.1 genauer anschauen.

Einen etwas anderen Kundenzugang pflegt Cewe, eines der 5 größten deutschen Onlineprint-Unternehmen, im B2C-Bereich. Wie gesagt: Von der Onlineprint-Warte aus geht es in letzter Zeit und – mindestens – in naher Zukunft vor allem um High-End-Finishing und Software, die den Zugang zu Print erleichtert. Letzteres zeigt Cewe unter anderem mit der Möglichkeit zur automatischen Fotobucherstellung via App über mobile Endgeräte. Dazu wird über das Smartphone/Tablet zunächst ein Ordner als Bildquelle gewählt. Die Software nimmt dem Fotobuch-Ersteller durch die automatische Auswahl und Anordnung der Fotos auf Basis der Metadaten eine Menge Arbeit ab. Dabei ordnet die App die Bilder chronologisch, vermeidet unscharfe Bilder in der Auswahl und erzeugt auf Basis der Geodaten und erkannter Events einen Fotobuch-Vorschlag mit Überschrift und einer bestimmten Seitenzahl. Ist beispielsweise die Seitenzahl – auch preislich – über dem eigenen Limit, lässt sich diese regeln, womit die Software gleichzeitig die Menge der ausgewählten Bilder anpasst. Auch neu ist die Möglichkeit, Projekte via Smartphone über eine App anzulegen. Es handelt sich dabei um vorkonfigurierte Bestelleinheiten, die an der örtlichen Sofortfotostation ohne Verzögerung oder weitere Bearbeitung ausgedruckt werden können. Convenience zählt eben.

di support – PrintCube und Produktmöglichkeiten; Quelle zipcon consulting

Speziell auf Smartphone-Benutzer zielen auch die aktuellen Lösungen des im Jahr 2000 gegründeten Plattformanbieters di support ab. Software für die Produktpersonalisierung auf Fotobasis bietet das Unternehmen schon seit Längerem, seit diesem Jahr ermöglicht di support mit dem PrintCube eine – an optischen Maßstäben bereits bekannter PoS-Fotostationen – moderne Variante zum Ausdrucken von Smartphone-Fotos. Hierzu dient die App, in der die Bilder ausgewählt und die Bestellung aufgegeben wird. Der QR-Code, der zu der Bestellung erzeugt wird, dient dann am PoS als Grundlage für den PrintCube (als Druckeinheit) für die Ausgabe der Bilder. In die optisch ansprechende Aufmachung der Technik reiht sich auch die pixolo-Produktpalette ein, die zum Beispiel die Kombination von Rahmen und Accessoires zu den Fotoprodukten durch magnetisches Zusammenhalten ermöglicht.

„Wer sie auf der Photokina 2018 sucht, der findet sie auch. Anbieter, die zwei Aspekten für Erfolg in einem weiterwachsenden Geschäftsfeld folgen: High-End-Varianten gedruckter Fotos und Software, die die Bestellung – vor allem über Smartphones – vereinfachen.“ – Bernd Zipper

Als reinen Softwareanbieter für die Produktpersonalisierung kann man auch auf der Photokina 2018 wieder Taopix besuchen, über die ich bereits bei der letzten Messe berichtet habe. Neu hat der Softwaredienstleister mit Hauptsitz in Newcastle (UK) eine selbstgenannt „intelligente Photocommerce-Software“. Taopix.ai nennt der Entwickler die Lösung, die auf Basis künstlicher Intelligenz die automatische Fotobucherstellung vornimmt. Hierzu werden beispielsweise – zusätzlich zu den notwendigen Metadaten – mehr als 100 relevante Punkte auf Gesichtern „abgetastet“, die auf den Fotos abgebildet sind, um ihre Güte zu bewerten. So soll die Software unter anderem erkennen können, ob ein Gesicht vollständig dargestellt ist, ob es lächelt usw. Heraus kommt ein Fotobuch, bei dem der Ersteller auf Basis der Wahl aus bestimmten Umfängen, Templates für die Seiten und späteren Korrekturmöglichkeiten auch selbst noch eingreifen kann. Und wer sich über die durchaus interessante Zusammenarbeit des B2B-Dienstleisters mit dem jungen, cloudbasierten Printjob-Vermittler Cloudprinter informieren möchte, der fragt bei Taopix in Halle 5.1 nach dem neuen Projekt Taoprint.

Mediaclip zeigt mehrere neue Features auf der Photokina; Quelle: zipcon consulting

Auch der kanadische Lösungsanbieter für Personalisierungssoftware Mediaclip zeigt auf der Photokina gleich mehrere neue Features. Die Grundidee und Funktionsweise der Software von Mediaclip habe ich vor Kurzem an gleicher Stelle bereits ausführlich erläutert. Ganz frisch ist hinzugekommen ist die Integration der Gravur-, Präge- und Stempelfunktion bei Fotobüchern in den Designer sowie die Möglichkeit des Produktwechsels im Bestellablauf. Dadurch werden nachweislich die Absprungraten bei den Business-Kunden von Mediaclip reduziert, indem sich der Besteller beispielsweise nach einigen gestalteten Fotobuchseiten immer noch für eine andere Größe, ein anderes Layout etc. entscheiden kann. Der Inhalt wird dann verlustfrei auf das andere Produkt übertragen, weshalb sich diese Option auch für andere Fotogeschenke eignet, die ebenso in der Kontext-Vorschau visualisiert werden können. An weiteren App-Integrationen arbeitet Mediaclip aktuell unter anderem mit dem dänischen Softwareentwickler Softec ApS zusammen.

Wer bis hierhin etwas „Handfestes“ in Sachen Fotofinishing vermisst hat, für den gibt es auf der diesjährigen Photokina durchaus interessante Anbieter zu entdecken. Einer davon ist Photobook Technology, ein Schweizer Hersteller von Weiterverarbeitungsmaschinen. Unter anderem klärt das Team von PT an dem eher unscheinbaren Stand in Halle 3.1 über drei Maschinen für die automatische Hardcover-Produktion in verschiedenen Konfigurationen auf. Speziell für immer lukrativer werdende Kleinauflagen, auch für Layflat-Fotobücher, bietet Photobook Technology modulare Maschinenkombinationen.

Aufwändige Deckenfertigung – Live-Buchbinden am Stand von Silverbook; Quelle: zipcon consulting

Silverbook (Die Albenmanufaktur) bietet für Freunde der gehobenen Qualität in Halle 4.2 ein kleines Schmankerl. Dabei zeigt der deutsche Fotobuchanbieter, dass ein eigener Webshop die Buchbindekunst bei der Einzelfertigung nicht ausschließt. Denn die zahlreichen Einbandmaterialien und das Live-Buchbinden (siehe oben) haben schon einen besonderen Charme, den ich bei der Menge an hochpreisigen Fotobuchanbietern nur vereinzelt gesehen habe. Die Manufaktur bietet einen Online-Designer mit einer breiten Template-Auswahl über den Webshop an. Zusätzlich wird noch das fertig gestaltete Fotobuch als digitale „Blätterversion“ ausgegeben, die zum Teilen genutzt werden kann. Damit verbindet das Norderstedter Unternehmen haptische Vorzüge von Print und Weiterverarbeitung mit dem Absatzweg Internet.

My Take: In Sachen Software und Finishing hat mir die Photokina 2018 besser gefallen als 2016. Natürlich gab es neben meiner kleinen Auswahl noch weitere interessante Anbieter. Für mich zeigen die aufgeführten Lösungen aber, was Online-Fotodruck für die gesteigerte und differenzierte Nachfrage bereithält. Und dass dieser neben den High-End-Produkten vor allem mit Softwareentwicklungen mit Zuschnitt auf mobile Endgeräte zu begegnen ist, zeichnet sich schon seit der letzten Photokina ab. Künstliche Intelligenz, Convenience bei der Erstellung und Bestellung von Fotoprodukten und neue Veredelungsmöglichkeiten bieten auf jeden Fall noch Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich Foto. Mal sehen, ob die nächste Photokina im Mai 2019 Neues für den Online-Fotodruck hervorbringen wird.

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Photokina 2018: Software, Software, Software – und ein bisschen Print
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Photokina 2018: Software, Software, Software – und ein bisschen Print
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Wer sie auf der Photokina 2018 sucht, der findet sie auch. Anbieter, die zwei Aspekten für Erfolg in einem weiterwachsenden Geschäftsfeld folgen: High-End-Varianten gedruckter Fotos und Software, die die Bestellung – vor allem über Smartphones – vereinfachen.
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beyond-print.de
27.09.2018|Markt|0 Comments

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