Technik: Jetzt handeln, damit das Schriften-Chaos 2023 ausbleibt

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Sie haben einen viel zu kleinen Zeichensatz und werden von Browsern und Mobilgeräten nicht unterstützt. Trotzdem kommen PostScript-Type-1-Schriften in einem Großteil von Druckprodukten zum Einsatz – nicht selten sogar als CI-Fonts. Im Januar 2023 beendet Adobe die Unterstützung für das Schriftenformat aus den 80er-Jahren. Warum das für Druckdienstleister, Marketeers und Kreative ein echtes Problem ist und wie sich das drohende Schriften-Desaster vermeiden lässt, hat uns Dirk Simanek von der Artoption GmbH verraten.

Was ist eigentlich das Problem? Schon im Januar 2021 hatte Adobe angekündigt, die PostScript-Type-1-Schriften ab dem Jahr 2023 nicht mehr zu unterstützen. Dieses Schriftenformat wurde Anfang der 1980er-Jahre entwickelt und verbreitete sich mit dem Aufkommen des Desktop-Publishings in alle Bereiche der Kommunikation hinein. Obwohl schon seit 1996 neue Schriftenformate aufkamen, die stabiler liefern, größere Zeichensätze boten und von den neuen Browsern und Mobilgeräten unterstützt wurden, sind die PostScript-Type-1-Schriften noch immer zu finden; in Katalogen, Produktinformationen, Werbeprospekten – und ja, mitunter sogar als Corporate-Identity-Schriften.

Warum das so ist? Nicht etwa, weil Unternehmen und Institutionen eine emotionale Bindung an das Schriftenformat der ersten Stunde entwickelt hätten. Im Gegenteil, wie Dirk Simanek, Gründer und Chef des Automatisierungsspezialisten Artoption gegenüber beyond-print.de erklärt. „Die meisten wollen sich nicht damit auseinandersetzen, weil sie wissen, dass es richtig Geld kosten wird“, sagt er. Simanek ist seit mehr als 40 Jahren in der grafischen Industrie zuhause und weiß aus eigener Erfahrung, dass das Thema Schriften in den meisten Unternehmen seit jeher stiefmütterlich betrachtet wurde – und noch immer wird.

PostScript-Type-1-Schriften: Noch immer weit verbreitet

Stichproben, bei denen er und sein Team aktuelle Dokumente von großen Konzernen und Instituten untersucht haben, bestätigten seine These, dass PostScript-Type-1-Schriften nicht nur noch immer häufig, sondern zum Teil sogar als Hausschriften verwendet werden. „Mehr als 85 % der Großkonzerne, die wir uns angesehen haben, setzen noch immer Type-1-Schriften ein“, erklärt er.

Egal, ob in Produktbroschüren, Flyern, Werbemailings oder in Katalogen: Kommt darin das alte Schriftenformat zum Einsatz, wird es ab nächstem Jahr aufwendig; oder teuer – vermutlich aber beides. Denn sobald Adobe den Support für das PS-Type-1-Schriftenformat einstellt – wie es bei Adobe Photoshop übrigens schon in diesem Jahr erfolgt ist -, lassen sich die Indesign- bzw. Illustrator-Dokumente, in die dieses Schriftenformat eingebettet ist, zwar noch öffnen und auch drucken.

Doch sobald eine Änderung notwendig wird, zeigt sich das Dilemma, denn die Adobe-Software lässt genau das dann nicht mehr zu – und weist auf fehlende Schriften hin. Eine simple Preiskorrektur, beispielsweise im Produktblatt eines Autos oder im Ersatzteilekatalog, ist dann keine Sache von zwei Minuten mehr, sondern ein Problem, das sogar Tage dauern kann.

Denn Schriften gehören zum Einen zum Erscheinungsbild, also zur Corporate Identity, einer Marke und lassen sich daher nicht x-beliebig austauschen – schon gleich gar nicht, wenn ein Unternehmen international tätig ist und nicht nur hin und wieder Druckprodukte benötigt, sondern hunderte oder gar tausende; in verschiedenen Versionen und Sprachen, und das regelmäßig. Sie „mal eben“ zu ändern, erfordert einen hohen manuellen Aufwand und eine visuelle Kontrolle des Schriftbildes.

Es geht alle an

Wer jetzt aber glaubt, das Schriften-Thema betreffe nur die Marketingabteilungen von Großkonzernen, der täuscht sich. Denn, ganz egal, wo die ursprüngliche Kreation einer Datei stattgefunden hat – um (kurzfristige) Änderungen daran vorzunehmen oder neue Dokumente aufzusetzen, müssen die PostScript-Type-1-Schriften adäquat ersetzt werden. Gibt es keinen Ersatz – oder wird der Aufwand zum Aktualisieren der Datei zu aufwendig, kann auch nicht gedruckt werden. Darum sollten auch und vor allem Druckereien das Thema auf der Agenda haben – und es am besten proaktiv angehen.

„Was da ab nächstem Jahr passiert, kann wirklich zu einer Katastrophe führen, und zwar für alle in der grafischen Industrie“, wird Simanek daher nicht müde, zu betonen. „Es ist wie ein Kreislauf, der alle Beteiligten betrifft: Nicht nur Druckereien, sondern auch Agenturen, Marketingabteilungen, Industrieunternehmen – alle, die Print-PDFs mit Indesign und anderen Adobe-Programmen erstellen.“

Schrift ist nicht gleich PostScript-Type-1-Schrift

Ein Beispiel gefällig? „Wenn ein Unternehmen die Teilnahme an einer Messe im April plant und wie in der Vergangenheit die Daten der benötigten Broschüren, Preislisten und Kataloge aus dem Vorjahr bereits in der Druckerei vorliegen und nur ‚schnell‘ angepasst werden müssen – zum Beispiel durch steigende Rohstoff- und Energiepreise – wird das schnell zum Problem für den gesamten Produktionsablauf. Denn die Dokumente kurz vor der Messe zu drucken, ist damit unter Umständen passé. Wenn Sie das Indesign-Dokument öffnen, wird Indesign Sie auffordern, eine Parallelschrift zu laden. Doch gerade, wenn es sich dabei um eine CI-Schrift handelt, ist nicht mal eben eine neue Schrift geladen. Porsche oder Audi wären sicher nicht begeistert, wenn Sie einfach eine Helvetica reinladen. Und selbst, wenn die Druckerei eine Open- oder True-Type-Schrift auf dem Rechner haben sollte, die augenscheinlich dem Original sehr nahekommt, ist das Problem nicht gelöst. Denn auch wenn die Schrift gleich heißt, bedeutet das nicht, dass sie auch gleich läuft“, erklärt Dirk Simanek. „Das heißt, es kann sein, dass die Schrift in einigen Textboxen abgeschnitten ist, dass Trennungen anders verlaufen, manuell eingefügte Divis plötzlich mitten im Text auftauchen.“

Ein riesiger Aufwand

Jedes Dokument sollte also geöffnet, auf Type-1-Schriften überprüft und diese ersetzt werden. Doch die Ersatzschrift muss erst einmal gefunden und im Ernstfall eine Lizenz gekauft werden. Das kann, je wichtiger die Ausgangsschrift für den Auftraggeber ist, nicht nur einige Tage Zeit in Anspruch nehmen, sondern auch richtig viel Geld kosten. Stichwort: Schriftenlizenzen – die noch dazu nach Arbeitsplatz berechnet und somit richtig teuer werden können.

Auf ein einzelnes, einfaches Dokument heruntergebrochen mag das alles wenig problematisch erscheinen. Aber Hand aufs Herz: Wie viele Druckdateien ihrer Kunden hält eine Druckerei für gewöhnlich vor? Hunderte? Wenn nicht sogar tausende? Und mit welchen Seitenumfängen? „Wie viele Arbeitskräfte braucht eine Druckerei da, um all diese Dateien zu prüfen und mit dem Kunden die Parallelschriften abzustimmen, Schriftlizenzen zu kaufen und dann noch nach Überhangtexten zu suchen?“, fragt Dirk Simanek auch entsprechend eher rhetorisch.

Nichtstun und Abwarten ist keine Lösung – genauso wie konvertieren

Fest steht: Das Thema nicht anzugehen ist keine Lösung. Denn spätestens ab Januar 2023, wenn Adobe den Support der PostScript-Type-1-Schriften endgültig eingestellt hat (worüber übrigens auch schon im Publishing.blog berichtet wurde), werden die Herausforderungen sichtbar – und Produktionsplanung nicht eingehalten, was Druckereien letztlich noch teurer zu stehen kommen könnte als die Schriftlizenzen nachzukaufen.

Die neuen oder geänderten Dokumente in einer „kleineren“ Indesign-Datei abzuspeichern oder die Schriften einfach in ein Open- oder True-Type-Format zu konvertieren, ist laut Dirk Simanek aber ebenso keine Lösung. Zum Einen, weil Adobe für alle Creative-Cloud-Produkte den Support einstellt, also auch für Software-Versionen, die bereits sieben oder acht Jahre alt sind. Zum anderen, weil beim Konvertieren wichtige Informationen zur Schrift verloren gehen, wie etwa Informationen zur Stärke des H- oder B-Strichs in verschiedenen Auflösungsgeräten. Darum sehen konvertierte Schriften übrigens manchmal im Digitaldruck auch dicker aus als im Offsetdruck. Aber das wohl größte Problem, erklärt der Fachmann, sei der Fakt, dass man mit einer Konvertierung vermutlich Lizenzbruch begeht und eventuell strafrechtlich dafür belangt werden könnte.

Kleines Automatisierungstool – große Hilfe

Was also tun? „Was Alternativen zu den Postscript-Type-1-Schriften angeht, empfehlen wir ganz klar Open-Type-Schriften“, erklärt Simanek erst einmal generell, „weil sie plattformunabhängig sind und damit auf Windows- wie Mac-Rechnern gleichermaßen arbeiten“. Die Artoption GmbH hat Kontakte zu allen wichtigen Schriftenherstellern und Designern und kann hier problemlos vermitteln, was allein bei der Suche einer adäquaten Ersatzschrift – und auch in Sachen Lizenzgebühren – behilflich sein kann und den Prozess beschleunigt und vergünstigt.

Doch alternative Schriftarten allein helfen nicht weiter. Denn am Anfang müssen alle – wirklich alle wiederkehrenden Dokumente – geöffnet und geprüft werden, bevor PostScript-Type-1-Schriften ersetzt und das Schriftbild ersetzt werden kann.

Dirk Simanek und die Artoption GmbH haben sich aber etwas ausgedacht, um genau diesen manuell aufwändigen Prozess zu automatisieren und ein PitStop-Profil geschrieben, das es ermöglicht, in Druck-PDF nach Type-1-Schriften zu suchen. Den Font Report, den der so genannte AO-Font-Quick-Finder dabei ausspuckt, kann ein Druckdienstleister übrigens seinen Kunden als Service und wichtige Information an seine Kunden weitergeben. Aber dazu später mehr.  

Das PitStop-Profil von Artoption kann entweder einzeln erworben, oder auch gemeinsam mit einem PitStop-Server oder einem Enfocus-Switch-Workflow installiert werden. Dabei benötigt der Kunde nicht zwingend eine PitStop-Server-Lizenz – denn Dirk Simanek und sein Team bieten alles auch als Service per Remote an. Das gleiche gilt für Switch. Hier wurde der AT-Font-Quick-Finder mit zwei speziellen Indesign- bzw. Indesign-Server-Skripten zu einem Switch-Flow entwickelt. 

Die Lösung, die unter anderem nach dem Hotfolder-Prinzip arbeiten kann, prüft alle gewünschten Indesign-Dokumente automatisch auf PostScript-Type-1-Schriften und stellt jedem Dokument einen so genannten Font Report zur Seite, der die gefundenen kritischen Fonts auflistet. „Der Nutzer erhält zudem eine CSV-Datei, in der er jeder gefundenen, Type-1-Schrift eine Alternativ-Schrift zuordnen und eintragen kann. Die so bearbeitete Liste wird von unserem Script gelesen und die Schriften im Dokument ebenfalls automatisch entsprechend der Vorgaben aus der CSV-Datei ersetzt. Außerdem erfolgt ebenfalls automatisiert eine Überprüfung der Typo nach Überhangtext“, erklärt Dirk Simanek. „Damit nehmen wir dem Dienstleister – egal ob Agentur, Marketingabteilung oder Druckerei – dieses ganze Aufmachen, Prüfen, Ersetzen ab. Einem Unternehmen erspart das sicher gut 70 Prozent gegenüber dem manuellen Prozedere.“ Einzig die visuelle Kontrolle nach verschobenen Divis oder die Anpassung des Überhangtextes müsse danach noch manuell erfolgen.

Die Not zur Tugend machen

Klingt kompliziert? Ist es auch – zumindest für diejenigen, die jetzt nicht tätig werden und dann im nächsten Jahr eine sehr schnelle Lösung finden müssen. Für alle anderen bietet der AO-Quick-Font-Finder der Artoption eine einfache Möglichkeit, einen Überblick über die eingesetzten Schriften zu erhalten und automatisiert die wichtigen Prozesse umzusetzen. Und sogar noch mehr, wie der Fachmann erklärt: Denn dank der Font Reports, die das kleine Tool ausgibt, und die sich sogar branden lassen, können Druckereien den Spieß sogar umdrehen.

Anstatt also im neuen Jahr auf die Probleme nur reagieren zu können, sollten Druckdienstleister die Dokumente ihrer wichtigsten Kunden schon jetzt prüfen und mit Hilfe der Font Reports auf sie zugehen und klären, welche Schriften alternativ eingesetzt werden können. Gerade dort, wo eine alte PostScript-Type-1-Schrift als Hausschrift zum Einsatz kommt, ist eine frühzeitige Abklärung und eventuelle Lizensierung einer Ersatzschrift wichtig. So kann sich die Druckerei – im Sinne der Kundenbindung – proaktiv als Lösungsanbieter darstellen und zugleich die komplikationsfreie Produktion im nächsten Jahr sicherstellen.

Übrigens: Wer noch mehr über die Hintergründe und die einzelnen Funktionen des AO-Font-Quick-Finders wissen will, kann sich hier kostenlos eine PDF herunterladen, in der Direk Simanek alle wichtigen Informationen zum Thema zusammengestellt und die er uns zur Verfügung gestellt hat. 

My Take: Wer sich jahrelang nicht um das Thema Schriften gekümmert hat, wird im nächsten Jahr Probleme kriegen. Soviel ist sicher. Doch noch ist Zeit zum Handeln. Automatisierungstools wie das von Artoption sind eine ideale Möglichkeit, mit einem überschaubaren Aufwand und mit Hilfe von Automatisierung das Schriften-Chaos zu bewältigen – und den Kunden durch guten Service an sich zu binden. Es ist besser, frühzeitig zu agieren statt später hektisch re-agieren zu müssen. Daher: Ärmel hoch und los!
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Jetzt handeln, damit das Schriften-Chaos 2023 ausbleibt
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Jetzt handeln, damit das Schriften-Chaos 2023 ausbleibt
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Sie haben einen viel zu kleinen Zeichensatz und werden von Browsern und Mobilgeräten nicht unterstützt. Trotzdem kommen PostScript-Type-1-Schriften in einem Großteil von Druckprodukten zum Einsatz – nicht selten sogar als CI-Fonts. Im Januar 2023 beendet Adobe die Unterstützung für das Schriftenformat aus den 80er-Jahren. Warum das für Druckdienstleister, Marketeers und Kreative ein echtes Problem ist und wie sich das drohende Schriften-Desaster vermeiden lässt, hat uns Dirk Simanek von der Artoption GmbH verraten.
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beyond-print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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