Für viele ist die schönste Zeit des Jahres vorbei, der Eiffelturm in Paris oder der Sonnenuntergang über dem Meer sind nur noch Urlaubserinnerungen – auch die Unzahl an Fotos, von denen 84% digital geschossen werden.

45% der Bundesbürger laden ihre digitalen Urlaubsfotos bei sozialen Netzwerken hoch, 61% teilen ihre Bilder über Messenger-Dienste, 18% sichern ihre Urlaubsfotos in der Cloud und 16% der vom Digitalverband Bitkom befragten Menschen sichern ihre Bilder auf physischen Datenträgern.

Doch auch die analoge Aufbereitung digitaler Urlaubsfotos bleibt beliebt: So geben 65% der Befragten an, die Bilder selbst auszudrucken, 34% bestellen Abzüge im Laden, 21% über das Internet, 19% gestalten mit ihren Bildern Fotobücher und lassen sie dann drucken. Nur 5% schauen sich ihre Urlaubsbilder ausschließlich auf dem Bildschirm an.

In Summe werden jedes Jahr etwa 1,7 Billionen Fotos aufgenommen – immer mehr auch mit dem Smartphone. Davon wird zwar nur ein Bruchteil ausgedruckt, dennoch sind Fotodienstleistungen ein Milliardenmarkt. Ist das ein Boom ohne Ende oder ist ein Ende absehbar?

Ein hart umkämpfter Markt

In jedem Fall ist der Markt für Fotodienstleistungen hart umkämpft. Das ist zwar nicht neu, hat aber völlig neue Dimensionen angenommen. In den USA lässt sich in diesem Zusammenhang durchaus von einer Konsolidierungswelle sprechen, nachdem das Private-Equity-Unternehmen Apollo Global Management den Fotodienstleister Shutterfly für 2,7 Mrd. Dollar übernimmt.

Shutterfly hatte seinerseits im vergangenen Jahr für 825 Mio. $ die Schul- und Familien-Fotoplattform Lifetouch übernommen und als zusätzliche Marke etabliert. Apollo kündigte zudem an, den Fotodienstleister Snapfish zu übernehmen, um ihn mit Shutterfly zu fusionieren. Auch in Mitteleuropa sehen wir Übernahmen wie etwa die kürzlich erfolgte Akquisition von WhiteWall durch Cewe oder die der französischen Foto-App Cheerz im letzten Jahr.

Es dreht sich also immer mehr um Fotografien, Bilder und Dienstleistungen, die das eigene Bild oder auch Poster und Wandbilder als optische und haptische Erlebnisse vermarkten. Dies erfolgt zunehmend im Internet.

beyondprint hat deshalb mit Michał Czaicki über Marktpotenziale, Trends, Kundenerwartungen und Verkaufsprozesse in diesem Bereich des Print- und E-Commerce-Marktes gesprochen. Er ist CEO des Unternehmens Printbox im polnischen Krakau, das einen Online-Editor sowie E-Commerce-Software für personalisierte Fotodienstleistungen anbietet.

Michał Czaicki, CEO des Unternehmens Printbox aus dem polnischen Krakau.

Noch immer großes Potenzial

beyondprint: Michał, es wird bereits vom neuen Trend „Smart Imaging“ gesprochen. Gemeint ist damit, dass der Markt für Fotodienstleistungen nach der erfolgreichen Digitalisierung der letzten Jahre jetzt zusätzliche Impulse durch das explosionsartig gewachsene Fotografieren mit dem Smartphone erhält. Ist das nicht übertrieben? Bedeutet mehr Fotografieren gleichzeitig auch, dass mehr Fotoanwendungen nachgefragt werden?

Michał Czaicki: Generell wird ein nur geringer Prozentsatz an Fotos gedruckt, auf der anderen Seite erleben wir aber einen enormen Anstieg bei der Anzahl der Fotos, die jedes Jahr entstehen. Die Zahl von Futuresource, nach der jedes Jahr über 1,7 Billionen Fotos aufgenommen werden, wird noch steigen, was die Entwicklung des Marktes für personalisierte Fotoprodukte fördert. Vor Kurzem haben wir die Zahlen eines langjährigen Kunden aus Europa verglichen: Der Umsatz stieg alleine bei Fotobüchern um 42% und bei Leinwänden um 70%. Dies ist ein überwältigendes Wachstum eines ohnehin schon großen Anbieters.

beyondprint: Das Geschäft mit personalisierten Fotoprodukten ist offensichtlich ein wachsender Markt. Das könnte vielleicht den einen oder anderen Drucker auf die Idee bringen, auf den Zug aufzuspringen. Wer sollte den Einstieg in diesen Markt in Betracht ziehen? Oder ist der Markt bereits verteilt?

Michał Czaicki: Selbst die Existenz so großer Unternehmen wie Shutterfly bedroht die Dienstleistung personalisierter Fotoprodukte nicht durch Monopolisierung, da es genügend Nischen zu entdecken gilt. Ich sehe noch immer großes Potenzial für Unternehmen, die über eine neue oder vielleicht einzigartige Idee samt guter Kundenbeziehungen verfügen. Der einzige Schlüssel zum Erfolg liegt darin, sich voll und ganz darauf zu konzentrieren und sich für dieses Geschäft einzusetzen.

beyondprint: Der Weg zu einem funktionierenden Shop für Onlinedrucker führt immer über die drei Säulen Website und Technologie, Marketing, Produktion und Lieferung. Gilt das auch für Fotodienstleistungen oder ist da noch mehr zu beachten?

Michał Czaicki: Für den Erfolg sind ein gutes Marketing notwendig, um Kunden zu gewinnen, ein perfekter Shop samt Editoren für ein Maximum an Konversion sowie eine schnelle und qualitativ hochwertige Produktion. Das Marketing liegt immer in der Hand der jeweiligen Unternehmen und ist ein Schlüsselfaktor, auf den sie sich konzentrieren müssen.

Genauso wichtig: Website und Editoren müssen dem Nutzer Spaß bringen und Freude bereiten. Deshalb ist der Weg für jedes einzelne Produkt so zu gestalten, dass er für den Benutzer plausibel ist. Es sind dabei unterschiedliche Prozesse notwendig, ein Buch oder ein Wanddekor effektiv zu verkaufen.

Diese Säule muss erstklassig sein – denn es ist sehr leicht, einen Kunden durch eine mangelhafte User-Experience zu verlieren. Da es aber sehr kostspielig ist, eine entsprechende Software zu erstellen und auf dem neuesten Stand der Technik zu halten, suchen viele Unternehmen nach Partnern, die diesen Teil abdecken. Dritte Säule: Druck und Fulfillment. Das ist in den meisten Fällen zwar sehr komplex, wird von vielen Unternehmen aber bereits auf einem angemessenen Niveau beherrscht.

Daher ist es äußerst wichtig, die meiste Energie auf das Marketing zu konzentrieren, einen guten Partner für E-Commerce und Editoren zu haben und den Druck zu optimieren, wenn der Traffic da ist.

beyondprint: Printbox hat eine moderne Softwareplattform für die Kreation individuell gestalteter Fotoprodukte entwickelt. Druckereien und Onlinehändler erhalten ein Komplettpaket, mit dem sie „sofort loslegen“ können. Was ist unter diesem Komplettpaket zu verstehen?

Michał Czaicki: Wir wollten, dass die IT Teil des E-Commerce und der Editor für die Kunden einfach zu handhaben ist. Deshalb bietet Printbox den vollen E-Commerce, mehrere Editoren, einen Datei-Generator, ein Hosting mit Administration und ein ständiges Upgrade der Plattform. Alle unsere Kunden arbeiten auf ihrer Kundendomain unter ihrem eigenen Branding.

Für Anfänger besteht der Vorteil darin, dass sie mit unserem System schnell starten, ihre Ideen testen und leicht in den Markt einsteigen können. Bei etablierten Unternehmen integrieren wir unsere Lösung, nutzen den E-Commerce und können das System auch in der heißesten Phase dynamisch auf jeden benötigten Traffic skalieren.

„Wir werden künftig überall, wo wir gerade sind, professionelle Fotos bestellen: mobil im Reisetagebuch, in der Foto-App oder im Highend-Fotoportal.“ – Bernd Zipper

beyondprint: Das alles erwarten die Verbraucher im responsive Design, damit sie ihre individuellen Produkte an klassischen PCs, Laptops, auch auf Smartphones und Tablets gestalten und bestellen können. Wo liegt hier die Herausforderung?

Michał Czaicki: Völlig richtig, mobile Multi-Divice-Präsenz ist heute ein Muss. Man sollte aber wissen, was mit den mobilen Kanälen erreicht werden soll. Viele Unternehmen neigen dazu, sich für mobile Präsenz zu entscheiden, nur um ihrer selbst willen. Doch die Entwicklung einer Anwendung, die auf allen Plattformen funktioniert, ist mit enormen Kosten verbunden.

Dabei muss auf zwei wesentliche Faktoren geachtet werden. Erstens eine reaktionsschnelle Website samt Editoren, damit die Benutzer während des Kaufprozesses zwischen den Geräten wechseln können – um den Bestellstatus zu überprüfen, Bilder vom Handy hochzuladen oder ein einfaches Produkt mit einem mobilen Browser zu erstellen.

Um wirklich von den Vorteilen des mobilen Kanals zu profitieren und den Umsatz zu steigern, wird zweitens eine für Smartphones optimierte Bedienoberfläche benötigt, auf das kleine Display angepasste Einkaufspfade und eine nativ installierte Anwendung auf dem Gerät des Benutzers. Dabei gilt es auch, die Produkte zu vereinfachen.

Umfangreiche Buchvorlagen mit mehreren Designelementen und Bildern auf einer Seite werden nie einfach auf einem mobilen Gerät zu erstellen sein. Der gesamte Prozess der Kreation muss neu gestaltet und auf mobile Displays zugeschnitten werden. Und nur die installierte App kann die Leistung bieten, die benötigt wird, um Hunderte von Bildern zu verarbeiten, auf die Interaktion jedes Benutzers zu reagieren und zuverlässig zu arbeiten. Dies kann auf dieser Ebene nicht durch einen Webcode erreicht werden, der in einem mobilen Browser ausgeführt wird.

beyondprint: Wie versiert muss ein Onlinedrucker sein, wenn er Eure Software einsetzen will? Ist eine eigene IT-Abteilung erforderlich, die sich um Hosting, Administration, Updates und eventuell neue Entwicklungen kümmert?

Michał Czaicki: Ich würde mich schon freuen, wenn unsere Kunden Marketingexperten wären. Aufgrund ihrer Expertise im Druck neigen viele dazu, sich zu sehr auf die Produktionsseite zu konzentrieren.

Im IT-Bereich haben wir unseren Printbox-Traum verwirklicht und eine Plattform geschaffen, die Web und Mobile beherrscht – ohne IT-Mitarbeiter von Kundenseite. Wir hosten das System, übernehmen die Administration, Überwachung und Skalierung. Printbox verfügt über mehrere Serverstandorte auf der ganzen Welt.

Jeden Monat veröffentlichen wir für alle Kunden ein großes Upgrade mit einer Vielzahl neuer Funktionen. Dabei sind wir jedoch über eine reine Boxlösung hinausgegangen. Die Softwarearchitektur ist offen, sodass wir für unsere Kunden spezifische Anpassungen vornehmen können, denn viele benötigen für ihre kundenspezifischen Produkte auch eine anpassbare Plattform.

Wir sind auf dem Markt für unsere hohe Geschwindigkeit bei der Softwareentwicklung bekannt. Im Moment arbeiten fast 50 Mitarbeiter an unseren Produkten – die meisten Druckereien würden sich das gar nicht leisten können. Und um ehrlich zu sein, es wäre auch wenig sinnvoll.

beyondprint: Positive Marktimpulse werden durch haptische Bilderlebnisse erwartet. Ist das nur ein Hype oder festigt sich dieser Trend?

Michał Czaicki: Meist kommt es nach einem anfänglichen Hype zu einem Gegentrend. Fotos wurden digital, die Leute speicherten sie in der Cloud – aber nach der ersten Begeisterung kam die Sehnsucht nach einem haptischen, realen Erlebnis.

Die Revolution der Smartphones und die immer besser werdenden Fotofunktionen behindern das Drucken ja nicht, sondern wecken im Gegenteil bei vielen Menschen das Bedürfnis, noch mehr von ihren Erinnerungen drucken zu lassen und sie in der realen Welt zu präsentieren. Der Kuchen der Bilddienstleistungen wächst noch, also ist jetzt der richtige Zeitpunkt, noch ins Boot zu springen.

beyondprint: Vielen Dank Michał für das aufschlussreiche Gespräch. Wir sind gespannt, wir groß der Kuchen noch werden wird.

My Take: Reden wir einmal über kommende Trends. Nutzer wünschen sich beim Bestellvorgang intuitive und smarte Erlebnisse. Das erfordert auch neue Dienstleistungsangebote. Daher sehe ich einen Trend nach mehr Premium-Produkten. In der Vergangenheit reichte ein gedrucktes Hardcover auf Standardpapier aus, heute suchen die Verbraucher nach Einzigartigem: besseres Papier, hochwertigere Umschläge, erstklassiger Druck. Und diese Upgrades sind auch gut für bessere Margen der Dienstleister. Der zweite Trend sind kürzere Einkaufsprozesse und einfachere Produkte. Die Kunden suchen nach möglichst schnellen Lösungen, daher müssen auch die Prozesse einfacher und für jedes Produkt maßgeschneidert werden. Der Druck von Fotos wird immer einfacher und wir werden immer einfacheren Zugang zu Lösungen erhalten. Wir werden dort bestellen können, wo wir gerade sind: in unserem Reisetagebuch, unserer Foto-App oder einem professionellen Fotoportal.

 

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Printbox: Der Kuchen für Fotodienstleistungen wächst weiter
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