Sand im Heidelberg-Getriebe

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(19. November 2008 – kw) Die wirtschaftliche Entwicklung hinterlässt ihre Spuren in den Bilanzen der Druckmaschinenhersteller. Der Markt für Bogenoffsetdruckmaschinen ist in diesem Jahr weltweit um rund 25 Prozent eingebrochen. Der Heidelberg-Vorstand will jetzt mit einem 200 Millionen Euro schweren Maßnahmenpaket das Ruder herum zu reißen. Vor diesem Hintergrund hat Knud Wassermann den Vorstandsvorsitzenden Bernhard Schreier zum Interview gebeten und mit Ihm über das aktuelle Maßnahmenpaket und die weitere Strategie gesprochen.

Knud Wassermann: Heidelberg hat im Laufe seiner Geschichte schon mehrere Krisen erlebt. Glauben Sie, dass man diese Krise einfach so durchtauchen kann oder stehen die Druckindustrie und damit auch ihre Zulieferer nicht vor einem massiven strukturellen Wandel?
Bernhard Schreier: Die konjunkturelle Lage hat sich in den letzten Monaten weltweit ständig weiter eingetrübt. Die globale Finanzkrise hat dann ihr übriges dazu beugetragen. Heidelberg bekommt dies durch eine wesentlich verschlechterte Auftragslage zu spüren, die uns dazu zwingt, rasch die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das Unternehmen wieder zu stabilisieren. Eine strukturelle Krise kann ich dahinter nicht erkennen. Die eingeleiteten Maßnahmen zeigen zudem, dass Heidelberg nicht einfach unter der Krise „durchtaucht“, wie Sie es formuliert haben.

KW: Heidelberg wird bis zu 2.500 Mitarbeiter weltweit abbauen. Wie wollen Sie sicherstellen, dass darunter nicht die Qualität im Vertrieb und Service leidet?
BS:
Um es ganz klar zu sagen: In Qualität und Service gegenüber unsere Kunden wird es keine Abstriche geben. Die angekündigten Maßnahmen betreffen – vorbehaltlich dem Verhandlungsergebnis mit den Arbeitnehmervertretungen – hauptsächlich die Bereiche Produktion, Forschung und Entwicklung sowie die Verwaltung und in einem geringeren Umfang unsere Vertriebs- und Serviceorganisationen.
Unsere Kunden können sich daher auch in Zukunft auf den sprichwörtlichen Heidelberg Service verlassen. Der ist ein Differenzierungskriterium gegenüber unserem Wettbewerb, an dem wir nicht rütteln werden.

KW: Angesichts einer immer kleineren Kundenbasis, die aufgrund der Produktivitätszuwächse immer weniger Druckwerke benötigt, drängt sich die Frage auf, ob die Strategie von Heidelberg noch stimmt?
BS:
Tatsache ist, dass in Schwellenländern wie beispielsweise China die Entwicklung des Druckmarkts praktisch immer noch am Anfang steht. Deshalb produzieren wir dort auch erfolgreich Druckmaschinen für den chinesischen Markt im Klein- und Mittelformat.

Zudem bauen wir unser Geschäft im Verpackungsdruck sowie mit Service- und Verbrauchsmaterialien weiter aus, um uns unabhängiger von der Konjunktur zu machen.

KW: Hat sich Heidelberg mit dem Ausstieg aus Digitaldruck, gerade wenn man sich die rückläufigen Verkaufszahlen im Viertelbogenformat ansieht, nicht auch ein Stück Zukunft genommen?
BS:
Auch heute noch hinken die Wachstumsraten des Digitaldrucks den Erwartungen vom Beginn dieses Jahrtausends hinterher. Der Offsetdruck weist das bei weitem größte Druckvolumen gegenüber anderen Verfahren auf und wächst weiter, wenn auch nur mit rund 2-3 Prozent jährlich. Er bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Bezug auf Qualität, Produktivität und Auflagenhöhe. Auch langfristig wird sich an diesem Verhältnis nichts ändern.

Das vollständige Interview Lesen Sie in der nächsten Ausgabe Graphischen Revue Österreichs, die am 1. Dezember erscheint.

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Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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