Schwächt Online-Piraterie die Literatur- und Verlagsbranche?

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(8. Juli 2008 – jb) Zunehmende illegale Raubkopien im Netz machen jetzt auch der Literatur- und Verlagsbranche zu schaffen. Über kurz oder lang seien Autoren dazu gezwungen, mit dem Schreiben aufzuhören, prognostizierte die britische Society of Authors. Die Vereinigung, die mehr als 8.500 professionelle Schriftsteller in Großbritannien repräsentiert, sieht den Buchhandel gar in eine Überlebenskrise gedrängt.

 

Insbesondere die durch Online-Piraterie entstehenden Umsatzverluste würden der Branche schwer zusetzen, beklagen sie gegenüber der britischen Times. Das Internet sei nicht nur mit einer Unmenge illegaler Musik sondern auch mit einer Vielzahl von unlizenzierten digitalen Kopien einzelner Textauszüge und kompletter Buchinhalte überflutet. Um dieser Entwicklung entgegenwirken zu können, sei vor allem ein brauchbares Geschäftsmodell für das digitale Zeitalter von Nöten, so der Tenor der Autorenvereinigung. „Wir weisen die Verlagsbranche bereits seit Jahren auf das stetig wachsende Problem der Online-Piraterie hin“, erklärt Björn Frommer, Experte für Urheberrecht und Mitglied der Arbeitsgruppe Piraterie im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, im Gespräch mit pressetext.de. Besonders betroffen sei das Segment der Hörbücher. „Der Hörbuchmarkt ist von der illegalen Vervielfältigungspraxis im Internet faktisch, d.h. bezogen auf seinen im Verhältnis kleineren Marktanteil, im selben Ausmaß betroffen wie der Musikmarkt“, stellt Frommer fest. Mitentscheidend hierfür sei der Umstand, dass Hörbuch-User in der Regel ein durchwegs internetaffines Publikum darstellen würden. Ein wichtiger Aspekt sei zudem der Preis. „Hörbücher, die zumeist auf mehreren Tonträgern erscheinen, sind oftmals teurer als eine einzelne Musik-CD. Da ist die Versuchung, sich dieselben Inhalte auf illegalem Weg im Netz zu besorgen, viel größer“, erläutert Frommer. 

„Der illegale E-Book Markt erreicht in Internettauschbörsen derzeit zwar noch nicht die hohen Angebotszahlen der Hörbuch- oder der Musikbranche. Derzeit finden sich hauptsächlich professionell gescannte Ausgaben der Printversion illegal in den Tauschbörsen. Dennoch wird in den nächsten Jahren auch dieser illegale Markt explodieren“, so Frommer. Denn mit dem Durchbruch des ersten E-Book-Readers werde auch die Verlagswelt zunehmend auf digitale Ausgaben ihrer Bücher setzen. „In derselben Geschwindigkeit, in der sich dieser neue legale Markt aufbaut, wird aber auch die illegale Konkurrenz wachsen", ist Frommer überzeugt. Im Bereich Fach- und Sachbuch sei eine zunehmende Nachfrage nach illegalen Kopien der digitalen Buchausgaben schon heute zu verzeichnen. Aber auch der klassische Bestseller finde in Tauschbörsen reißenden Absatz. Natürlich ist auch beim E-Book der Preis ein ausschlaggebender Faktor. „Legale E-Books sind zwar meist preiswerter als gebundene Ausgaben, mit den kostenlosen illegalen Angeboten im Netz können aber auch sie nur schwerlich konkurrieren", fasst Frommer zusammen.

„Ich bin mir sicher, dass der technologische Druck die Situation für die Literatur- und Verlagsbranche noch verschärfen wird“, meint Frommer. Mitverantwortlich hierfür sei nicht zuletzt auch die noch nicht ausreichend geklärte rechtliche Lage zu Veröffentlichungen im Internet. Auch von Autorenseite würden die Verlage künftig zunehmend unter Druck geraten. „Das Buch wird natürlich nicht untergehen. Die Branche muss sich aber auf eine steigende Zahl von illegalen und zumeist kostenlosen Online-Kopien einstellen und ihre Strategien entsprechend anpassen“, so Frommer abschließend.

Link:
www.boersenverein.de

Link:

www.societyofauthors.org

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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