Social Shopping: Können Druckereien von dem E-Commerce-Trend profitieren?

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Früher war es einfach: Ein Onlineshop war ein Onlineshop und Social Media kam in erster Linie für Privates zum Einsatz. Heute gibt es diese Abgrenzung längst nicht mehr, denn Social Media und Online Shopping verschmelzen immer mehr zu dem, was von E-Commerce-Profis „Social Shopping” genannt wird. Laut einem aktuellen Whitepaper von YouGov hat der Trend das Zeug, zum „neuen Normal“ zu werden. Das sollten auch (Online-)Druckereien beachten.

Vom Social Shopping spricht man, wenn der Anstoß für einen Produktkauf von Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. ausgegangen ist. Das kann beispielsweise die Empfehlung eines Influencers sein, muss es aber nicht. Denn die Plattformen selbst geben Firmenkunden inzwischen eine Reihe von Tools an die Hand, mit denen sie ihre Produkte und Dienstleistungen prominent darstellen, Shopping-Kataloge anlegen und Kaufanreize sowie Call-to-Actions integrieren können. Und die Nutzer? Die stehen derlei Angeboten immer aufgeschlossener gegenüber und nutzen sie zunehmend.

Fest steht: Die Corona-Pandemie und die mit ihr einher gegangenen Lockdowns haben dem Onlinehandel einen Aufschwung beschert, und das nicht nur im letzten Jahr, sondern auch 2021. Selbst im traditionell schwächeren, dritten Quartal des Jahres lagen die Umsätze im E-Commerce mit +14,8 % noch einmal deutlich über den Vorjahreswerten, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) Mitte Oktober bekanntgab. Zugegeben, diese Entwicklung ist nicht neu, die Umsätze sind auch schon vor Corona gestiegen, seit 2017 sogar kontinuierlich und oft zweistellig, um genau zu sein. Doch hat die Pandemie für eine zusätzliche Beschleunigung gesorgt.

Onlineshopping ist für die meisten selbstverständlich geworden. Und mit ihr auch die Unterkategorie Social Shopping. Wie eine gerade veröffentlichte Untersuchung von YouGov zeigt, hat im Jahr 2021 schon jeder Fünfte mindestens einmal ein Produkt über Social Media gekauft oder kann sich vorstellen, dies zu tun. Das sind zwei Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Klingt nicht viel – doch wer die Aufteilung nach Altersgruppen betrachtet, kann einen Rückschluss auf das Potenzial des Social Shoppings ziehen. Denn es sind nicht nur die Jüngsten der Generation Z (18 bis 24 Jahre), die über Soziale Medien Produkte kaufen (32 %), sondern auch die Millennials bis 39 Jahre (30 %). In der Generation X (42 bis 56 Jahre) lassen sich immerhin noch 18 % als „Social Shopper“ bezeichnen.

Und auch auf die Plattform selbst kommt es an: Die weitaus größten Erfolge, wenn es darum geht, Nutzer zum Einkaufen zu animieren, erzielen Facebook (43 % der Befragten) und Instagram (35 %). Mit deutlichem Abstand folgen Pinterest (10 %) und Twitter (8 %). Es ist also nicht egal, auf welcher Plattform ein Unternehmen seine Kaufanreize setzt.

YouGov kommt zu der Schlussfolgerung, dass Social Shopping auf dem Weg ist, das „neue Normal“ zu werden. Das heißt, für Käufer ist es zunehmend egal, über welchen Kanal sie auf einen Onlineshop gelangen, denn Social Media gehört für sie genauso selbstverständlich dazu wie Online Shopping im Allgemeinen oder der Einkaufsbummel mit Freunden.

Und warum ist diese Entwicklung auch für (Online-)Druckereien interessant? Ganz einfach: Weil die jüngeren Generationen, für die Social Shopping bereits heute ganz normal ist, die Kunden, Marketeers und Entscheider von morgen sind. Will man in ihr Bewusstsein rücken und sie für die eigenen Produkte oder Dienstleistungen begeistern, muss man als Anbieter auch dort aktiv sein, wo die Generationen Z, X oder die Millennials ihre Zeit verbringen.

Und noch ein weiterer Aspekt darf nicht aus den Augen verloren werden: Fast ein Drittel der „Social Shopper“ (29 %) haben laut YouGov ihre gekauften Produkte auch über die Plattformen geteilt. Das ist wenig überraschend, schließlich leben Facebook, Instagram und Co. vom Liken, Teilen und Weiterempfehlen. Für Anbieter liegen darin weitere Instrumente für die Werbung in eigener Sache: das Empfehlungs- sowie das Guerilla-Marketing.

Dass Social Selling und Social Shopping an Fahrt aufnehmen, darüber hat Bernd Zipper bereits auf den Online Print Symposien 2018 und 2019 gesprochen. Doch noch immer profitieren von den neuen Möglichkeiten eher Seiteneinsteiger, die ein Printprodukt so – sehr teuer – an den Mann oder die Frau bringen. Es wird also höchste Zeit, dass auch die angestammten Unternehmen der Druckindustrie aktiv werden und in Sachen Social Selling/Social Shopping mitmischen.

Druckereien, die einen eigenen Shop besitzen, haben den ersten Schritt zumindest schon einmal getan. Doch was nützt ein Onlineshop, wenn die (potenziellen) Kunden nichts davon wissen? Keine Frage: SEO, SEA und Bannerwerbung auf komplementären Webseiten sind wichtige Werkzeuge, um die Werbetrommel zu rühren und sein Angebot im World Wide Web sichtbar zu machen. Aber auch Social-Media-Plattformen gehören eben längst dazu – und das darin steckende Potenzial sollte nicht unterschätzt werden. Maria Seywald von der Krones AG hatte im Gespräch mit Bernd Zipper schon in der Vergangenheit wichtige Tipps zum Thema Social Media gegeben, die auch heute noch gelten:

  • Auf einen oder wenige Kanäle konzentrieren und diesen ordentlich und qualitativ wertvoll bespielen. Verwaiste Firmenprofile sind schlimmer als keine.
  • Freigabeschleifen klein halten: Inhalte müssen schnell entstehen können, Nachrichten und Kommentare müssen zeitnah beantwortet werden – ohne lange Abstimmungsprozesse.
  • Die Macht der Bilder nicht unterschätzen. Alle Social-Media-Kanäle funktionieren sehr visuell, da steht und fällt ein Post oder eine Anzeige oft mit der Bildqualität.
My Take: Facebook, Instagram und Co. waren in der Vergangenheit wichtig, um eine Community aufzubauen und die Kundenbeziehung auf eine persönliche Ebene zu heben. Das gilt auch heute noch. Aber durch die Integration von verkaufsfördernden Tools und Funktionen geht es bei Social Media schon längst um mehr als nur um „Community-Building“. Wer die Tools bewusst und clever einsetzt, um Kaufanreize zu setzen, hat gute Chancen, um mit seinen Produkten in den „Threats“ der User aufzutauchen und „im Gespräch“ zu bleiben, egal ob kleiner Druckbetrieb oder großes Unternehmen mit Mehrmarkenstrategie.

Druckereien sollten den oben genannten Seiteneinsteigern nicht das Feld überlassen. Und warum nicht? Weil Social Selling und Social Shopping Facebook, Instagram und Co. zu idealen Plattformen für den Verkauf von Mass Customization Print machen.

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Früher war es einfach: Ein Onlineshop war ein Onlineshop und Social Media kam in erster Linie für Privates zum Einsatz. Heute gibt es diese Abgrenzung längst nicht mehr, denn Social Media und Online Shopping verschmelzen immer mehr zu dem, was von E-Commerce-Profis „Social Shopping” genannt wird.
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beyond-print.de

Für viele in der Druckindustrie ist sie keine Unbekannte: Fast 14 Jahre lang war Judith Grajewski für das Fachmagazin Deutscher Drucker tätig; hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print beim schwedischen AGI-Verlag, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redaktionsleiterin von Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print.

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