TECHNIK: TEST-WAS? TEST-AUTOMATISIERUNG!

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Ärgerlich, wenn der Anwender seine Reise über den Webshop jäh mit einem Fehler beendet bekommt. Frustration beim Online-Shopping kennen alle: unübersichtliche Kaufabläufe, intransparente Retourenprozesse, Seiten, die nicht zu Ende laden oder einfach Fehler in den Anwendungen selber, beispielsweise wenn der Daten-Upload nicht funktioniert oder schlicht die nächste Seite im Webshop nicht erreichbar ist.

Der Begriff User Experience (zu Deutsch: Nutzererlebnis, kurz UX) beschreibt die Erfahrung, die Nutzer im Umgang mit einer Webseite oder mit einem speziellen Inhalt machen. Nützlichkeit, Ästhetik und Stabilität bestimmen die Erfahrung.

Usability ist im Gegensatz dazu objektiv, der Begriff beschreibt die Gebrauchstauglichkeit oder besser gesagt die Benutzerfreundlichkeit der Webseite oder eines Inhaltes während der Anwendung.

User Experience beschreibt im Vergleich zu Usability nicht nur das Erlebnis während der Nutzung selbst, sondern die Erwartungen vor und die Empfindungen nach der Nutzung. User Experience erweitert Usability um ästhetische und emotionalen Faktoren. Einige Onliner haben wir diesbezüglich im Blog schon mal schonungslos ehrlich analysiert.

In diesem weiteren Beitrag geht es um die reproduzierbaren Fehler in der Anwendung beziehungsweise dem Webshop selber. Spätestens, wenn eine Druckerei mehr als einen B2B-Shop und einen oder mehrere B2C-Shops selbst oder im Auftrag betreibt, wird das Unternehmen zur Software-Schmiede.

Software-Entwickler versuchen mit Regressionstests sicherzustellen, dass Modifikationen in bereits getesteten Teilen der Software keine neuen Fehler („Regressionen“) verursachen. Die Modifikationen entstehen aufgrund der Pflege, Änderung und Korrektur von Software. Man baut sich ein Szenario auf, dokumentiert den Ablauf Schritt für Schritt und wiederholt den Test für jede neue Software-Version. Je komplexer die Software ist, umso umfangreicher wird der Test und irgendwann reicht ein Manntag nicht mehr aus. Abhilfe suchen die Entwickler in Form von automatisierten Tests.

„Der Begriff Testautomatisierung umfasst alle automatisierten Testaktivitäten und -verfahren, die im Bereich der Software-Entwicklung und der damit verbundenen Qualitätssicherung zum Einsatz kommen. Die entwickelte Software wird also im Rahmen der Testautomatisierung mit individuell angepassten Testing-Tools geprüft. Solche Tools können entweder speziell für die zu prüfende Software programmiert, auf dem Markt als Testautomatisierungstool gekauft oder teilweise kostenlos als Open-Source-Varianten genutzt werden,“ schreibt Florian Hemmann, Inhaber und Gründer von Critical QA auf seiner Homepage.

Im Whitepaper #4 “Testautomatisierung” von T-Systems Multimedia Solutions findet sich ein Beispiel. Die Autoren gingen von folgender Situation aus: Ein großer Online-Retailer betreibt mehrere Online-Shops mit jeweils unterschiedlichen Sprachausprägungen. Bei der Implementierung neuer Funktionen für einen Shop erfolgt die Adaptierung für alle weiteren Shops automatisch. Der bisher manuelle Testaufwand für ein Entwicklungs-Feature war mitunter gleich aufwändig wie die Entwicklung selbst, da die Tests sowohl in der Test-, Entwicklungs- und Produktivumgebung getestet werden mussten. Zudem erwies sich das wiederkehrende manuelle Testen in verschiedenen Sprachen als fehleranfällig.

Durch Testautomatisierung mit dem Testautomatisierungs-Framework Testerra lassen sich automatisierte Tests parallel für mehrere Shops über Nacht ausführen. Es besteht die Möglichkeit, einen Testfall ebenso automatisiert für alle weiteren Shops zu verwenden. Zusätzlich steht ein abgespecktes Testset für Hotfixes zur Verfügung. Durch Regressionstests und Hotfixes ist es möglich, eine kontinuierliche Funktionalität aller Shops sicher zu stellen. Weiterhin können auf allen Umgebungen (Entwicklung & Test) Testdaten ausgespielt werden.

Es gibt selbstverständlich eine Menge an Tools für Desktop-, Web- und Mobile-Tests. Gute Ergebnisse lassen sich beispielsweise auch mit dem ursprünglich aus Österreich stammenden Produkt Ranorex erzielen. Ranorex Studio lässt sich in Jenkins, Jira, TestRail und andere führende DevOps-Tools integrieren, um die Fehlerverfolgung zu automatisieren. Nach eigenen Angaben unterstützt das Unternehmen weltweit mehr als 14.000 User in der Bereitstellung von Desktop-, Mobil- und Webapplikationen. Der Test wird durch das Aufzeichnen von Aktionen mit dem Ranorex-Recorder vorbereitet. Zwar muss man die Aufzeichnung neu machen, wenn sich am GUI grundsätzlich etwas ändert, aber die Zeitersparnis ist aus eigener Erfahrung enorm. Es lässt sich nicht alles automatisieren, schon gar nicht, wenn menschliche Faktoren eine Rolle spielen sollen.

Testbirds verfolgt einen neuen Ansatz und setzt auf Crowd-Testing. Beim Crowd-Testing geht es darum, die digitalen Produkte von echten Nutzern unter realen Bedingungen testen zu lassen. Nach eigenen Angaben umfasst die Crowd immerhin 600.000 Tester aus 193 Ländern mit über 1.000.000 Endgeräten zum Testen.

„Testautomatisierung bewältigt eine Vielzahl von Herausforderungen – ein Mythos jedoch ist der Glaube, dass die Qualität der Software allein durch Testautomatisierung sichergestellt werden kann. Heutzutage muss man auch das Feedback von echten Nutzern miteinbeziehen und den Faktor Mensch bei der Entwicklung digitaler Produkte berücksichtigen. Die Einbindung der Zielgruppe in einem frühen Stadium der Produktentwicklung, beispielsweise  durch Crowd-Testing, ist entscheidend dafür, dass die Customer Experience nicht länger ein Rätselraten ist, sondern zu einer wissensgetriebenen Strategie wird,“ betont Georg Hansbauer, CEO bei Testbirds.

My Take: „Ein Auto, das nicht fährt, das ist sein Geld nicht wert!“ sang schon der legendäre niederbayerische Liedermacher Fredl Fesl. Die Lebenserfahrung lässt sich auf die digitale Welt übertragen. Wer sich den Software-Schuh anzieht, muss sich über Softwaretests Gedanken machen. Das ist zwar so sexy wie den fehlenden Cent in der Buchhaltung zu finden, muss aber sein.

Der Aufwand für die Tests ist groß, doch letztlich dient es der Sicherung des Unternehmenserfolgs. Crowd-Testing ist ein neuer Ansatz. Georg Hansbauer spricht darüber nächste Woche beim Online Print Symposium in München. Ich bin sehr gespannt auf seinen Vortrag, denn er verspricht nicht weniger als digitale Produkte auf das nächste Level, mit echten Nutzer-Insights von weltweiten Testern aus seiner Crowd, heben zu können. Gutes Gelingen!

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Ärgerlich, wenn der Anwender seine Reise über den Webshop jäh mit einem Fehler beendet bekommt. Frustration beim Online-Shopping kennen alle: unübersichtliche Kaufabläufe, intransparente Retourenprozesse, Seiten, die nicht zu Ende laden oder einfach Fehler in den Anwendungen selber, beispielsweise wenn der Daten-Upload nicht funktioniert oder schlicht die nächste Seite im Webshop nicht erreichbar ist.
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Beyond-print.de

Max Spies, ein echter Schweizer Degen, ist Drucktechniker und Betriebswirt. Als ERP-Spezialist der zipcon consulting GmbH recherchiert er entlang der gesamten Wertschöpfungskette und steigt in die Tiefen der Unternehmensbereiche ein. Menschen, Prozesse und Werkzeuge sind ihm bei seinen Betrachtungen in gleichem Maße wichtig. Mit Neugier, Rückgrat und einer Portion Allgäuer Streitlust erarbeitet er sich die Informationen. Seine verständlichen Expertisen sind die Grundlage für ergebnisorientierte Konzepte in den Kundenprojekten. Max Spies ist seit 35 Jahren in der Druckindustrie, war als Journalist bei „Deutscher Drucker“ tätig und schreibt Gastbeiträge für die Fachmagazine „Druckmarkt“ sowie „Grafische Revue Österreich“. Vor seiner Zeit bei zipcon war er für einen ERP-Software Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig und ist als aktiver Netzwerker in diesem Wirtschaftsraum bestens orientiert. (Profile auch bei Xing, LinkedIn)

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