TREND: FÜHRUNG MIT KPI UND VISUELLEM MANAGEMENT

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Nur wer seine Ergebnisse misst und prüft, kann sich verbessern. Kaizen, Lean Manufacturing, Six Sigma, Total Quality Management oder Continuous Improvement, um Prozesse zu optimieren, müssen die „Key Performance Indicators“ (KPIs = Leistungskennziffern) betrachtet werden. Leistungsdaten sind ein sensibler Bereich und KPIs und visuelles Management muss als übergeordnetes Projekt verstanden und unter Beteiligung der Betroffenen entwickelt werden. Ist die Visualisierung transparent, dann kann daraus die gewünschte Motivation wachsen.

Per Definition sind KPIs kategorisierte Variablen, die ein Unternehmen benutzt, um Herstellungsprozesse zu beurteilen, zu analysieren und zu verfolgen. Diese Leistungsmessungen lassen sich verwenden, um den Erfolg in Bezug auf taktische und strategische Zielsetzungen zu beurteilen.

Visuelles Management ist der Prozess des sichtbaren Darstellens kritischer Informationen, wie zum Beispiel KPIs, die sich speziell auf den Ausstoß, die Effizienz und die Qualität von Produktionsprozessen beziehen. Durch das sichtbare Darstellen dieser Daten im Produktionsbereich eines Unternehmens bekommen die Mitarbeiter ein besseres Verständnis für das nötige Produktionsniveau. Visuelles Management liefert auch verwertbare Informationen, die es Vorgesetzten ermöglichen, die Arbeitsleistung besser zu überwachen und in Echtzeit Bereiche zu bestimmen, in denen Verbesserungen angeraten sind. Das Gesamtergebnis hilft, im ganzen Unternehmen die Produktivität zu steigern, indem Effizienz und Qualität erhöht werden und die Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen verbessert wird.

In den Unternehmen gelten unterschiedliche KPIs als Richtlinie. Diese Richtlinien sind mitunter vom Funktionsumfang der ERP-Systeme bestimmt, obwohl dies umgekehrt sein sollte. Nachfolgend die gängigsten KPIs, wie diese in der Industrie in Verwendung sind.

Der Zählwert (Gut oder Schlecht)

Ein wesentlicher Messwert im Produktionsbereich ist die Anzahl der hergestellten Produkte. Der Zählwert (gut oder schlecht) bezieht sich in der Regel entweder auf die Anzahl der Produkte, die seit der letzten Maschinenumrüstung hergestellt wurden, oder auf die Summe der Produktion für die gesamte Schicht oder Woche.

Die Ausschussquote

Produktionsprozesse produzieren gelegentlich Ausschuss, der als Ausschussquote gemessen wird. Das Minimieren von Ausschuss hilft Organisationen bei der Erreichung der Rentabilitätsziele. Es ist darum wichtig zu verfolgen, ob die Menge an produziertem Ausschuss noch innerhalb tolerierbarer Grenzen liegt oder nicht.

Die Taktrate

Maschinen und Prozesse produzieren Waren mit variablen Taktraten. Bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten führen langsame Taktraten in der Regel zu Gewinneinbußen, während zu schnelle Taktraten die Qualitätskontrolle erschweren. Darum ist es wichtig, dass die Betriebsgeschwindigkeiten gleichmäßig bleiben.

Der Zielwert

Viele Organisationen legen Zielwerte für Produktionsausstoß, Rate und Qualität fest. Dieser KPI hilft, Mitarbeiter zum Erreichen bestimmter Leistungsziele zu motivieren.

Die Taktzeit

Die Taktzeit ist die Zeit- oder Zyklusdauer für die Ausführung einer Aufgabe. In der Regel bezieht sie sich auf die Zyklusdauer bestimmter Arbeitsabläufe. Durch Sichtbarmachung dieses KPI können Hersteller rasch feststellen, an welcher Stelle Flaschenhälse oder Engpässe in einem Prozess vorkommen.

Die Gesamtanlageneffektivität

Die Gesamtanlageneffektivität (OEE = Overall Equipment Effectiveness) ist eine Messgröße, die Verfügbarkeit mit Leistung und Qualität multipliziert, um die Ressourcenauslastung zu ermitteln. Eine Steigerung der OEE-Werte ist in der Regel gewollt, weil dies eine effizientere Auslastung der verfügbaren Mitarbeiter und Maschinen anzeigt.

Die Stillstandszeit

Die Stillstandszeit gilt als einer der wichtigsten beobachtbaren KPIs – unabhängig davon, ob sie das Ergebnis einer technischen Störung oder einer einfachen Umrüstung ist. Wenn Maschinen nicht arbeiten, wird kein Geld erwirtschaftet; darum ist das Reduzieren von Stillstandszeit eine direkte Art, die Rentabilität zu verbessern.

Die Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeit findet sich heute ich allen der genannten KPIs auf die eine oder andere Weise. Prof. Dr. Péter Horváth sieht die grundlegende Notwendigkeit eines Prozesses zur nachhaltigkeits-fokussierten Weiterentwicklung aller Instrumente – von der operativen Kostenrechnung bis hin zur Strategieentwicklung. Der größte Entwicklungsbedarf liegt seines Erachtens bei der Entwicklung von neuen, umweltbezogenen und sozialen Metriken und deren Verbindung (Ursache-Wirkung) zur finanziellen Dimension. Darüber hinaus müssten auch entsprechende Business-Analytics-Tools entwickelt werden.

Das Managen von Produktivität und Rentabilität unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit ist eine Hauptaufgabe von Betriebsleitern in Produktionsbetrieben. Die Höhe der Produktivitäts- und Gewinnsteigerung, die eine Organisation erwarten kann, hängt weitestgehend vom Unternehmen und seinen vorhandenen Prozessen ab.

Leistungsfähige ERP-Systeme der Druckindustrie bieten auf Basis der Betriebsdatenerfassung ordentliche Auswertungen. Einige dürfen sich auch auf der Ebene der Business Intelligence einordnen. Bietet das System nicht die gewünschte Visualisierung oder sollen die Zahlen in einem Unternehmensverbund, mit denen anderer Quellen korreliert dargestellt werden, bieten sich Programme wie Power-BI oder Tableau an.

Unternehmen, die mit KPIs führen, sollten sich die Zeit nehmen, die Zahlen auszuwerten und zu überlegen, wie visuelles Management die Produktivität in der gesamten Organisation steigern könnte. Die Systeme für visuelles Management sind mit Kosten verbunden. Den Kosten steht ein verringertes Risiko und ein in der Regel hoher Nutzeffekt in Form von Prozessverbesserungen und Rentabilitätszuwächsen gegenüber.

My Take: Möchte ein Unternehmen visuelles Management einführen, ist es vorrangig, dass wir das „was“, also die Themen, die gemessen werden sollen, von dem „wie“, das heißt wie die Kennzahl definiert und berechnet wird, unterscheiden. Die KPI-Entwicklung ist komplex und oft nicht von allen Mitarbeitern im Unternehmen nachvollziehbar. Bewährt hat sich ein prozessorientierter Ansatz. Ich würde mit dem Thema anfangen, welches gerade mit höchster Priorität im Unternehmen diskutiert wird.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, sagt die Volksweisheit und meint, dass sich komplexe Sachverhalte mit einer bildlichen Darstellung einfacher erklären lassen. Dashboards mit nachvollziehbaren Echtzeitdaten bewirken oft mehr als umfangreiche Tabellen. Es gibt schon einen Grund, warum am Ende der Nachrichten die Wetterkarte gezeigt wird und nicht die Tabellen, welche zur Berechnung der Wetterprognose herangezogen wurden. Es geht bei visuellem Management nicht um Vergangenheitsbewältigung, die natürlich auch ihren Sinn hat, sondern um die vorausschauende Gestaltung der nächstliegenden Abläufe. Mit fortschrittlichen und vorausschauenden Analysen und Prognosen lässt sich die Performance nachhaltig verbessern. Anders gesagt, nehme ich den Schirm oder die Sonnenbrille oder beides mit. In dem Sinne: „Bleiben Sie trocken.“

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Nur wer seine Ergebnisse misst und prüft, kann sich verbessern. Kaizen, Lean Manufacturing, Six Sigma, Total Quality Management oder Continuous Improvement, um Prozesse zu optimieren, müssen die „Key Performance Indicators“ (KPIs = Leistungskennziffern) betrachtet werden. Leistungsdaten sind ein sensibler Bereich und KPIs und visuelles Management muss als übergeordnetes Projekt verstanden und unter Beteiligung der Betroffenen entwickelt werden. Ist die Visualisierung transparent, dann kann daraus die gewünschte Motivation wachsen.
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Beyond-Print.de

Max Spies, ein echter Schweizer Degen, ist Drucktechniker und Betriebswirt. Als ERP-Spezialist der zipcon consulting GmbH recherchiert er entlang der gesamten Wertschöpfungskette und steigt in die Tiefen der Unternehmensbereiche ein. Menschen, Prozesse und Werkzeuge sind ihm bei seinen Betrachtungen in gleichem Maße wichtig. Mit Neugier, Rückgrat und einer Portion Allgäuer Streitlust erarbeitet er sich die Informationen. Seine verständlichen Expertisen sind die Grundlage für ergebnisorientierte Konzepte in den Kundenprojekten. Max Spies ist seit 35 Jahren in der Druckindustrie, war als Journalist bei „Deutscher Drucker“ tätig und schreibt Gastbeiträge für die Fachmagazine „Druckmarkt“ sowie „Grafische Revue Österreich“. Vor seiner Zeit bei zipcon war er für einen ERP-Software Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig und ist als aktiver Netzwerker in diesem Wirtschaftsraum bestens orientiert. (Profile auch bei Xing, LinkedIn)

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