Trends: Das Ende der gedruckten Visitenkarte?

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Das Unternehmen „V1CE“ verspricht, klassische Visitenkarten überflüssig zu machen – ohne dabei allerdings auf das haptische Erlebnis verzichten zu müssen. Möglich wird das durch den Einbau eines Nahfeld-Chips. Ist diese Kombination aus Tradition und Moderne auch für andere Produkte die Zukunft?

Während der Corona-Pandemie hat das kontaktlose Bezahlen noch einmal an Beliebtheit gewonnen: Fast jedes Geschäft bietet mittlerweile an, für Transaktionen die EC-Karte vor das Kartenlesegerät zu halten, statt sie wie früher einzustecken. Technisch funktioniert das durch einen RFID-Chip für die sogenannte „Near Field Communication“ oder Nahfeldkommunikation (NFC). Der Chip in der Karte kommuniziert über Radiofrequenzen mit einem anderen Endgerät in wenigen Zentimetern Entfernung. Dabei werden Informationen direkt und unkompliziert übertragen. Im Marketing oder im B2B-Bereich, etwa der Logistik, werden so verschiedene Aufgaben erledigt: Als digitaler Schlüssel öffnet der Chip virtuelle oder physische Türen, bestätigt Kontrollpunkte oder trackt Warenströme.

Die britische Firma V1CE will mit Hilfe der NFC-Technologie die traditionelle Visitenkarte abschaffen. Auf einer Chip-Karte werden alle relevanten Kontakt-Informationen gespeichert. Bringt man die Karte in die Nähe eines Smartphones oder anderen Endgerätes mit eigenem RFID-Chip, öffnet sich das Adressbuch automatisch, und der Kontakt kann mit einem Fingertippen hinzugefügt werden. Neben einer Metall- und der günstigeren Plastikvariante bietet V1CE auch eine Bambus-Version an.

An der physischen, aber dennoch digitalen Visitenkarte zeigt sich exemplarisch, wie nah Tradition und Zukunft in der Druckindustrie zusammenhängen: Für Haptik und Anmutung bietet die neue Karte ein wertiges Update zu einem bekannten Print-Produkt. Auch die V1CE-Visitenkarten sind bedruckt und, wie die klassische Visitenkarte, individuell gestaltet.

Und auf der Unternehmenswebseite heißt es zwar „Paper who?“, aber ganz ohne bedrucktes Papier kommt auch V1CE nicht aus, gut zu sehen in einem Facebook-Werbefilm des Unternehmens: Der Fokus beim bedruckten Papier wird nicht mehr auf das eigentliche Produkt, sondern auf hochwertiges und ansprechendes Packaging gelegt. Die V1CE-Karte verbindet damit alte Werte mit den aktuellen Trends in der Druckindustrie: Qualität, Individualisierung, Digitalisierung – aber eben ohne Papier. Print als Idee und Konzept wird durch die Imitation im Digitalen aufgewertet. Aber: Wir haben schon vor Jahren eine ähnliche Idee vorgestellt, die sich NICHT am Markt durchgesetzt hat. Die NFC-Visitenkarte aus Papier fand keine Akzeptanz am Markt und hatte einige technische Probleme. Man darf gespannt sein, wie es V1CE ergeht…

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Das Unternehmen „V1CE“ verspricht, klassische Visitenkarten überflüssig zu machen – ohne dabei allerdings auf das haptische Erlebnis verzichten zu müssen. Möglich wird das durch den Einbau eines Nahfeld-Chips. Ist diese Kombination aus Tradition und Moderne auch für andere Produkte die Zukunft?
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Beyond-Print.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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