Trends: Good news gegen Doom Scrolling

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Das Good News Magazin will nicht weniger als eine bessere Welt. Im Gespräch mit Beyondprint erklärt Mitgründer und Head of Media & Communication Florian Vitello, warum dafür bessere Nachrichten wichtig sind – und weshalb er sich jetzt schon auf die gedruckte Ausgabe freut.

Beyondprint: Im Good News Magazin gibt es nur gute Nachrichten. Damit trefft ihr einen Nerv: Jeden Monat erreicht ihr Hunderttausende, manchmal Millionen Menschen mit den positiven News. Warum braucht euch die Welt gerade jetzt?

Florian Vitello: Viele haben gerade das Gefühl, dass die Welt sehr, sehr schlecht ist und alles brennt oder kurz davor ist, den Bach herunterzugehen. Das ist aber ein ganz großes Zerrbild. Das entsteht, weil im klassischen Journalismus immer nach Extremen gesucht wird. Aber unser tägliches Leben dreht sich nicht um die Extreme, sondern um die Mitte. Von den ganzen schlechten Nachrichten werden wir krank. Wir bekommen das Gefühl, dass die Welt ein viel schlechterer Ort ist, als sie eigentlich ist: Es gibt ganz viele großartige Menschen da draußen und klasse Initiativen und so viel Gutes jeden Tag. Darüber muss berichtet werden. Wir merken gerade in der Pandemie nochmal besonders, dass die Menschen sich nach guten Nachrichten sehnen.

Beyondprint: Euer Claim ist „Für eine bessere Welt“. Ihr wollt jetzt aber nicht die ganze Welt auf einmal retten, sondern erstmal zeigen, was es schon Gutes gibt…

Florian Vitello: Genau – wir sind keine Weltenretter! Wir möchten eine Plattform bieten für all diese engagierten und tollen Menschen da draußen, die ganz viel Gutes machen. Auf der einen Seite sind das die Leute, die unser Magazin lesen. Die sollen sich daran erfreuen und die dürfen auch gerne inspiriert werden. Und auf der anderen Seite ist es auch wichtig, dass die Arbeit der ganzen Menschen da draußen, die sich jeden Tag einsetzen für andere Menschen, gewürdigt wird. Die machen so viel Wichtiges, da können sie sich auch erlauben zu sagen: „Das habe ich gut gemacht.“ Wir neigen nämlich im Aktivismus besonders dazu, dass wir sehr viel kritisieren. Das ist zwar wichtig, aber wir dürfen auch das, was wir schon erreicht haben, nicht aus dem Blick verlieren. Wir müssen uns freuen können, wir brauchen diese positive Energie. Nur so können wir dann wieder mit neuer Motivation anderen Menschen helfen.

Beyondprint: In diesem großen Spektrum im Journalismus, von absoluter Neutralität bis Aktivismus:  Wo verortet ihr euch als Journalisten mit Haltung?

Florian Vitello: Wir sind überhaupt nicht neutral. Überhaupt nicht, und ganz bewusst nicht. Wir möchten Positives zeigen. Zum einen deswegen, weil wir wissen: Medizinisch und psychologisch ist es tatsächlich so, dass uns schlechte Nachrichten krank machen. Vielleicht kennen das viele von uns, wenn wir im Social-Media-Universum unterwegs sind, und wir sehen eine Nachricht, die provokant ist – dann wissen wir schon: Oh Gott, wenn ich jetzt die Kommentarspalte aufmache, erwarten mich 1.000 negative Kommentare. Und dann sehen wir tatsächlich schlechte Kommentare und gehen auf den nächsten Artikel, und stoßen immer weiter auf immer schlimmere Kommentare. Wir kommen da in eine Spirale rein, die immer nur abwärts geht. Das nennt sich Doom Scrolling. Wir sagen: Nein, wir müssen raus da. Das machen wir ganz bewusst, das nennt sich kognitiver Journalismus. Wir bieten den Leuten auch positive Nachrichten, damit sie angeregt und aktiviert werden. Denn genauso wie uns schlechte News krank machen, schütten gute Nachrichten bei uns Dopamin aus. Vor diesem Hintergrund gibt es für uns keinen neutralen Journalismus. Wir bestimmen ja schon durch die Themenauswahl, was wir wichtig finden. Wir überlegen im Team und im Austausch mit der Community: Was ist gut, was ist schön, was ist erfreulich, was ist inspirierend? Und dann berichten wir über diese Themen. Wir malen uns die Welt aber nicht in Rosarot. Wir haben nur genug von der Schwarzmalerei der anderen. Das heißt, wir wollen eigentlich die Leinwand sein für all die schönen Farben, die es in der Welt so gibt.

Beyondprint: Apropos Community: Ihr bietet drei Abo-Stufen für euer Magazin an, mit jeder wird man Teil eurer Community. Welchen Stellenwert hat diese Gemeinschaft mit euren Lesern für euch?

Florian Vitello: Wir haben eine absolute Traum-Community. Das sage ich ganz ehrlich, weil wir eine wahnsinnig aktive Leserschaft haben. Wir bekommen super viele Kommentare und Zuschriften, fast immer positiv und konstruktiv. Viele Menschen loben uns für das, was wir machen, und das freut uns natürlich. Auf der anderen Seite setzt die Community auch thematisch Impulse und hinterfragt Themen. Daraus sind schon gute Geschichten und Kontakte zu Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern entstanden. Deswegen sind wir sehr dankbar. Wir haben aber keine Angst, eine geschlossene Echokammer zu werden: Die Community kritisiert auch, wenn ihr etwas nicht passt. Wir versuchen, uns dynamisch immer wieder neu auszurichten und sind offen für neue Impulse. Aber darüber hinaus wollen wir natürlich weiter in den Mainstream, weil wir unsere Mission sehr ernst nehmen. Wir möchten den Journalismus transformieren und wir möchten ihn weiterführen. Und dafür müssen wir eben noch viel mehr Menschen erreichen – angefangen allein schon bei unseren Abos. Wir müssen mehr Leuten zeigen, dass sie auch uns unterstützen können, indem sie uns abonnieren. Damit kann unsere Community wachsen und unsere Mission eines faktenbasierten, faireren und positiveren Journalismus unterstützen.

Beyondprint: Bisher seid ihr ein reines Online-Magazin, aber du hast schon verraten, dass ihr von einer gedruckten Ausgabe träumt…

Florian Vitello: Also erstmal lieben wir Print! Wir sind alle so drauf bei uns im Team. Wenn wir Inhalt wirklich genießen wollen, dann müssen wir den spüren, wir müssen ihn anfassen können. Wir müssen durch die Seiten durchblättern, wir müssen es riechen können. Druckfrisch die eigenen Storys zu lesen, das treibt uns persönlich an und begeistert uns. Darüber hinaus sind wir nicht der Meinung, dass Print tot ist. Wir sind zum Beispiel große Fans vom Katapult Magazin und finden die Story dahinter sehr beeindruckend. Da finden wir uns ein Stück weit wieder. Unser Bauchgefühl sagt, dass es einfach darum geht, etwas zu bieten, was einzigartig ist. Und wir glauben, dass unser Produkt einzigartig ist und so schön, dass es sich lohnt, das auch zu drucken. Wir hoffen, dass es Leute gibt, die daran interessiert sein könnten, ein Magazin in den Händen zu halten, das sie durchblättern können. Sei das auf dem Klo oder im Wartezimmer oder auf dem Balkon – wo immer sich die Menschen an positiven und teilweise sehr zeitlosen Geschichten, die sehr inspirierend sein können, erfreuen. Wir verstehen uns als ein crossmediales Medium, da gehört Print eben genauso dazu wie der Podcast.

Beyondprint: Florian, danke für das Gespräch!

Wer Florian Vitello auch gern einmal zuhören möchte, kann das zum Beispiel im Podcast Weltaufgang des Good News Magazins tun.

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Das Good News Magazin will nicht weniger als eine bessere Welt. Im Gespräch mit Beyondprint erklärt Mitgründer und Head of Media & Communication Florian Vitello, warum dafür bessere Nachrichten wichtig sind – und weshalb er sich jetzt schon auf die gedruckte Ausgabe freut.
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