Trends: Künstliche Intelligenz – Vertrauen ja, Rücksicht nein

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Fehlendes Vertrauen in die Methoden der Künstlichen Intelligenz galt lange als Hindernis im Verhältnis von Mensch und Maschine. Die Forschung zeigt aber: Das Problem ist eher, dass wir dazu neigen, die KI auszunutzen.

Die gute Nachricht vorweg: Im Grunde ist das Verhältnis von Menschen und Maschinen vertrauensvoll. Ob bei der Recherche von Firmen oder Krankheitssymptomen: Wir vertrauen im Zweifel oft eher der Suchmaschine oder Dr. Google, bevor wir andere Quellen zu Rate ziehen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Das war einmal. Mächtige Algorithmen, Machine Learning, KI-Methoden, autonomes Fahren und Chatbots – vor ein paar Jahren waren das noch futuristische Hirngespinste. Heute sind daraus alltägliche, bereits funktionierende oder verheißende Technologien geworden. Realismus und Sachlichkeit statt Technik-Angst bestimmen die Debatte. Es wird nicht mehr diskutiert, ob bestimmte Dinge möglich sind, sondern eher, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen.

Der Science-Fiction-Autor Isaac Asimov hat schon im Jahr 1948 Regeln aufgestellt, wie sich Roboter verhalten müssen und wie sie programmiert werden sollten. Diese Regeln sind als Robotergesetze bekannt: Roboter dürfen demnach Menschen nicht schaden und müssen ihnen unbedingt gehorchen. Wer aber stellt Regeln auf, die das Verhalten von Menschen gegenüber Maschinen und Technik sanktionieren? Hier besteht Bedarf – das ist nicht erst klar, seitdem E-Roller in Massen aus den Flüssen gezogen werden müssen.

Auch Entwickler von Chat-Bots klagen regelmäßig, dass ihre KIs und Protokolle mit unangemessener Sprache von Benutzern überfordert sind. Im vollen Bewusstsein, dass sie mit einem Bot interagieren, schreiben sich manche Nutzer ihren Frust von der Seele. Microsofts Bot Tay wurde, von einer destruktiven Twitter-Blase gefüttert, innerhalb von Stunden zum ungenießbaren Rassisten. Die Ausstattung mit einer KI führt offenbar nicht zu mehr Rücksicht gegenüber Maschinen. Das legen die Forschungsergebnisse der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) nahe.

In einer Studie haben die Wissenschaftler mit Hilfe der verhaltensorientierten Spieltheorie untersucht, wie sich Probanden gegenüber autonomen Fahrzeugen ohne Insassen verhalten würden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Menschen gehen mit Maschinen rücksichtslos um. Zwar gebe es grundsätzlich ein Vertrauen des Menschen gegenüber den Maschinen, sagt Jurgis Karpus, der die Studie betreut hat. Andersherum würde die antrainierte „Gutmütigkeit“ der KI aber schamlos ausgenutzt: „Im Autoverkehr würde ein Mensch einem menschlichen Fahrer die Vorfahrt gewähren, nicht jedoch einem selbstfahrenden Auto“, so Karpus. Dieses Muster war so deutlich zu erkennen, dass die Forscher von einer „Ausbeutung von Algorithmen“ oder „algorithm exploitation” sprechen. Den „Widerwillen zur Kooperation mit Maschinen“ ist laut Karpus eine Herausforderung für die zukünftige Interaktion zwischen Mensch und KI.

Diese Herausforderung lässt sich auch auf das eigene Unternehmen übertragen: Wer in seinem Betrieb schon auf lernende Maschinen, Chat-Bots oder komplexe Technologien setzt (oder diesen Schritt in Zukunft gehen will), muss diese Herausforderungen im Blick behalten: Künstliche Intelligenz und smarte Maschinen können nur funktionieren, wenn die Akzeptanz sowohl bei Kunden als auch bei Mitarbeitern gegeben ist. Sonst verkommt ein Chatbot von der Informationsquelle zum virtuellen Sandsack. Teure Maschinen werden möglicherweise aus Technikfrust nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt. Die neuen Technologien müssen daher verständlich und transparent eingeführt werden als das, was sie sein können: Enorme Erleichterungen für den Arbeitsalltag der meisten Menschen.

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Fehlendes Vertrauen in die Methoden der Künstlichen Intelligenz galt lange als Hindernis im Verhältnis von Mensch und Maschine. Die Forschung zeigt aber: Das Problem ist eher, dass wir dazu neigen, die KI auszunutzen. Die gute Nachricht vorweg: Im Grunde ist das Verhältnis von Menschen und Maschinen vertrauensvoll.
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