Trends: Was ist eigentlich wissenschaftlich? 

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Wissenschaftsjournalismus ist keine Begleiterscheinung der Pandemie, seine Popularität hingegen schon. Die Marketingabteilungen machen sich diese Popularität zu Nutze:  Wenn lean oder agil als Buzzwords nicht recht greifen, werden Produkte und Dienstleistungen als “wissenschaftlich geprüft” beworben. Was ist aber eigentlich wissenschaftlich? Dafür haben die Universitäten teilweise recht klare Definitionen.

Wer die Definitionen kennt, wird schnell erkennen, dass längst nicht alles wissenschaftlich ist, was so angepriesen wird. Wir haben eine kleine Checkliste zusammengestellt, die Sie fragen können, wenn jemand behauptet, dass seine Zahlen, Daten und Fakten wissenschaftlich geprüft seien. Für die Gütekriterien wissenschaftlichen Arbeitens habe ich mich nicht nur auf Erfahrung und Bauchgefühl, sondern belastbare Quellen verlassen. Empfehlenswert ist etwa “Wissenschaftliches Arbeiten… leicht verständlich” von Rödiger Voss. Diese Kriterien bilden ein gutes Grundgerüst für eine gründliche Überprüfung nach wissenschaftlichen Standards.

Objektivität

  • Sind die Ergebnisse unabhängig vom Forscher zustande gekommen?
  • Sind die Daten unabhängig erhoben worden?
  • Würden andere Forscher zu denselben Ergebnissen gelangen?

Methodische Ansätze:

  • Ist das methodische Verfahren standardisiert?
  • Wurden die Ergebnisse mit Resultaten aus anderen, vom Aufbau gleichen Erhebungen verglichen?
  • Wird zwischen quantitativen und qualitativen Aspekten unterschieden?

Repräsentativität:

  • Lässt die „gezogene“ Stichprobe allgemeine Aussagen bezüglich des Sachverhalts / der Forschungsvariable zu?
  • Ist die Stichprobe stellvertretend für die Grundgesamtheit?

Validität:

  • Messe ich das, was ich messen will?
  • Repräsentieren die Daten tatsächlich das, was ich messen will, also die zu messende Größe?

Gültigkeits-Faktoren:

  • Face Validity: Was sagt der „gesunde Menschenverstand“?
  • Expert Validity: Wurden Fachleute befragt und einbezogen?
  • Predictive Validity: Die Gültigkeit einer Vorhersage ist seriös erst im Nachhinein überprüfbar; Tendenziöse Pseudo-Forschung unterliegt Fehlern wie Self-fulfilling Prophecies oder Destroying Prophecies

Reliabilität:

  • Wie hoch ist die Genauigkeit/Verlässlichkeit von Messungen?
  • Sind die gemessenen Unterschiede echt oder traten Messfehler auf?
  • Treten die gleichen Ergebnisse bei wiederholter Messung erneut auf? Sind die Daten reproduzierbar?

Kontrolle:

  • Werden die Ergebnisse gründlich überprüft? Dabei können etwa folgende Methoden zum Einsatz kommen:
    • Re-Test (bei der Test-Wiederholung geht es um den Grad der Genauigkeit, mit der ein bestimmtes Merkmal wiederholt gemessen wird.)
    • Split-half-Method (per Zufallsauswahl werden die Testergebnisse in zwei gleiche Hälften geteilt)
    • Paralleltest (Zwei oder mehrere Tests zum selben Sachverhalt, z.B. Test-Variante A und Variante B)

Ehrlichkeit und Redlichkeit

  • Werden die verwendeten Quellen angegeben? Durch die Nennung von Quellen ist überprüfbar, welche Ideen und Erkenntnisse einer Arbeit zu Grunde liegen. Außerdem lässt sich durch Quellen dokumentieren, dass es sich bei der Arbeit nicht um ein Plagiat, also einen Betrugsversuch handelt.

Ethische Korrektheit

  • Werden die allgemeinen ethischen Standards wissenschaftlicher Arbeit und Forschung eingehalten?
My Take: Es ist schon klar, dass nicht jeder Text – schon gar nicht Werbung – immer auf alle Gütekriterien der wissenschaftlichen Arbeit hin geprüft werden kann. Geht es darum eine Entscheidung für das eigenen Unternehmen gegenüber den Mitarbeitern zu begründen, dann halte ich es bei der Evaluierung von Produkten und Dienstleistungen mit dem Zitat von Mai Thi Nguyen-Kim „Ich sehe es, aber ich glaube es nicht.“
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Wissenschaftsjournalismus ist keine Begleiterscheinung der Pandemie, seine Popularität hingegen schon. Die Marketingabteilungen machen sich diese Popularität zu Nutze: Wenn lean oder agil als Buzzwords nicht recht greifen, werden Produkte und Dienstleistungen als “wissenschaftlich geprüft” beworben. Was ist aber eigentlich wissenschaftlich? Dafür haben die Universitäten teilweise recht klare Definitionen.
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Beyond-Print.de

Max Spies, ein echter Schweizer Degen, ist Drucktechniker und Betriebswirt. Als ERP-Spezialist der zipcon consulting GmbH recherchiert er entlang der gesamten Wertschöpfungskette und steigt in die Tiefen der Unternehmensbereiche ein. Menschen, Prozesse und Werkzeuge sind ihm bei seinen Betrachtungen in gleichem Maße wichtig. Mit Neugier, Rückgrat und einer Portion Allgäuer Streitlust erarbeitet er sich die Informationen. Seine verständlichen Expertisen sind die Grundlage für ergebnisorientierte Konzepte in den Kundenprojekten. Max Spies ist seit 35 Jahren in der Druckindustrie, war als Journalist bei „Deutscher Drucker“ tätig und schreibt Gastbeiträge für die Fachmagazine „Druckmarkt“ sowie „Grafische Revue Österreich“. Vor seiner Zeit bei zipcon war er für einen ERP-Software Anbieter in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig und ist als aktiver Netzwerker in diesem Wirtschaftsraum bestens orientiert. (Profile auch bei Xing, LinkedIn)

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