TwoWorlds bringt Kreativköpfe und Käufer zusammen

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Personalisierte Bücher sind nicht neu – eine Plattform, die den kreativen Köpfen hinter den Geschichten einen unkomplizierten Marktzugang ermöglicht und die personalisierbaren Bücher zugleich für Endkunden anbietet, hingegen schon. TwoWorlds, wie der neue Marktplatz für personalisierte Bücher passenderweise heißt, ermöglicht genau das. Beyondprint hat sich das Angebot des britischen Start-ups genauer angesehen und mit Gründer und CEO Andrei Andreescu gesprochen.

Der Ansatz ist spannend. Mit seinem Marktplatz-Konzept spricht das junge Unternehmen zwei Zielgruppen gleichermaßen an: Designer und Kreative aller Art, die nach einem einfachen Weg suchen, ihre Ideen ohne das klassische, oft langwierige Verlags-Prozedere auf den Markt und damit an den Kunden zu bringen. Und auf der anderen Seite Endverbraucher, die (zumindest mittel- bis langfristig) aus einer großen Auswahl ganz unterschiedlicher Geschichten und Bücherdesigns schöpfen wollen.

Verlagsangebot war keine gute Option

Entstanden ist die Idee zu TwoWorlds schon 2018. Damals hatte Andrei Andreescu die Idee für ein personalisiertes Buch für multikulturelle Kinder. „Ich arbeitete mit einem Autor und einem Illustrator zusammen, um das Produkt zum Leben zu erwecken, und präsentierte es dann Wonderbly, einem in London ansässigen Verlag für personalisierte Bücher. Ich hoffte auf eine Partnerschaft und das Buch über ihre Webseite verkaufen zu können“, erinnert sich Andreescu. „Das Buch gefiel ihnen zwar, aber das Angebot ähnelte dem eines traditionellen Verlags: Ich sollte 10 % des Gewinns erhalten. Das erschien mir nicht fair, und so entstand die Idee: Was wäre, wenn es für mich und alle anderen Kreativen da draußen eine Möglichkeit gäbe, ein eigenes personalisiertes Buch oder Tagebuch zu erstellen und zu verkaufen, ohne fast den gesamten Gewinn abgeben zu müssen?“ Also ergriff er selbst die Initiative. Der Marktplatz TwoWorlds ist nach einigen Jahren Konzeptions- und Entwicklungsarbeit im Juli 2022 gestartet.

Unterschiedliche Stile

Zugegeben, noch ist die Titelauswahl unter twoworlds.co überschaubar. Dennoch lässt sich bereits erkennen, was TwoWorlds für die Endkunden so interessant macht: Während auf den bereits bekannten Portalen für personalisierte (Kinder-)Bücher, wie etwa librio, wonderbly oder hurrahelden, alle Bücher zumindest in etwa dem gleichen Stil folgen, ist die Palette unterschiedlicher Designs, Stile und damit „Handschriften“ unheimlich breit.

Doch der Shop, über den die personalisierten Bücher bestellt werden können, stellt nur eine der „zwei Welten“ von TwoWorlds dar. Die andere ist über den Button „Become a Creator“ zu erreichen. Denn – und das ist, wie Andrei Andreescu gegenüber beyond-print.de erklärt, der elementare Unterschied zu Anbietern wie Wonderbly: „TwoWorlds ist ein Marktplatz und kein Verlag. Wir haben die Tools, Dienste und Infrastruktur so aufgebaut, dass jeder ein personalisiertes Buch genauso einfach erstellen kann wie eine Präsentation in Powerpoint oder Google Slides. Im Moment arbeiten wir mit vielen Indie-Künstlern zusammen. Die Kreativwirtschaft wächst exponentiell, und es gibt viele, sehr talentierte Menschen, die unglaubliche Fähigkeiten und eine große Fangemeinde haben. Sie brauchen nur eine Möglichkeit, das zu monetarisieren, und da kommen wir ins Spiel.“

Zweigeteiltes Geschäftsmodell

Entsprechend der beiden Zielgruppen – Endkunden und Kreative – baut daher auch das Geschäftsmodell auf zwei Säulen auf: „Das TwoWorlds-Studio ist der Ort“, erklärt Andrei Andreescu, „an dem die Autoren ihre Bücher erstellen, die Personalisierungsfelder definieren, ihre Avatare [also die Hauptfiguren der Geschichte]kreieren, die Preise festlegen, um nur einige Kriterien zu nennen“. Die Nutzung sei dabei für die Kreativen kostenlos und werde es auch bleiben, verspricht er.

Die zweite Säule ist der bereits beschriebene Shop, über den die zuvor im TwoWorlds-Studio erstellten Bücher angeboten und verkauft werden. „Wir haben eine game-basierte Rendering-Engine verwendet, um die Seiten des Buches in Echtzeit zu generieren. Das bedeutet, dass die Kunden eine vollständige Vorschau aller Seiten des Buches sehen können, während sie beispielsweise Änderungen an ihrer Hauptperson vornehmen oder das eine oder andere Personalisierungsfeld aktualisieren.“

Trotz der beiden Säulen ist das Geschäftsmodell nach Aussage des Geschäftsführers denkbar einfach: „Wir verlangen 30 % Provision, wenn das Buch eines Autors im TwoWorlds-Shop verkauft wird.“

Produktion erfolgt on Demand bei Druckpartnern

Produziert werden die Bücher „on Demand“, also bedarfsgerecht, erst nachdem eine Bestellung ausgelöst wurde. Für den Druck der Bücher hat Andrei Andreescu drei Druckpartner gewinnen können: einen in Großbritannien, einen in den USA und einen in Deutschland. Denn auch, wenn die Plattform ihren Ursprung in Großbritannien hat, sollen Kreative wie auch Kunden aus ganz Europa, den USA und rund 50 weiteren Ländern die Möglichkeit haben, ihre Buchideen mit TwoWorlds umzusetzen.

Wie aus einer Idee ein personalisiertes Buch wird

Aber was muss ein Designer eigentlich mitbringen bzw. liefern, damit mit Hilfe von TwoWorlds aus einer Idee ein personalisiertes Buch wird? Grundsätzlich gilt: Es gibt keine Vorgaben, wie die Geschichten aussehen müssen. „Wir wollten, dass die Autoren die volle Kontrolle über ihre Geschichten haben und selbst bestimmen, was die Kunden jeweils persönlich anpassen können. Wir wollen unsere Kunden ermutigen, so kreativ wie möglich zu sein“, so Andrei Andreescu.

Die eigentliche Erstellung erfolgt wie erwähnt im TwoWorlds-Studio. „Kurz gesagt, der Book Builder ermöglicht es dem Ersteller, alle Ebenen hochzuladen, die er zum Beispiel in einer Photoshop-Datei erstellt hat. Danach gibt es drei verschiedene Möglichkeiten der Personalisierung:

  • Zeigen und verbergen von Ebenen/Gruppen in einem Wenn-dann-Stil, der auf den vom Designer definierten Personalisierungsfeldern basiert. So könnte es zum Beispiel ein Personalisierungsfeld namens ‚Lieblingsspielzeug‘ mit den Optionen ‚Bauklötze‘, ‚Autos‘ und ‚Einhörner‘ geben. Es gibt also drei Ebenen, auf denen diese drei Spielzeuge abgebildet sind. Mit Hilfe des Wertes des Personalisierungsfeldes lässt sich festlegen, welche Ebene wann sichtbar sein soll, so dass, wenn Kunden ‚Einhörner‘ auswählen, auch nur diese Ebene aktiviert wird.
  • Dynamischer Text: Darüber lässt sich der Wert eines Personalisierungsfeldes in einen Textblock einfügen. Nehmen wir an, Sie haben ein Buch mit dem Titel ‚Eine Torte für <NAME>‘ und ein Personalisierungsfeld ‚Name des Kindes‘, dann wird, wenn der Kunde zum Beispiel ‚Sarah‘ in dieses Feld eingibt, der Buchtitel als ‚Eine Torte für Sarah‘ dargestellt.
  • Hauptfiguren: Das Studio erlaubt es dem Ersteller, so viele Avatare zu erstellen, wie er möchte, mit so vielen Eigenschaften und Posen wie er gerne will. Es gibt keine Einschränkungen. Wer zum Beispiel einen Kinder-Avatar haben möchte, kann festlegen, was die Kunden personalisieren können, wie z. B. die Frisur und die Haarfarbe, den Hautton oder die Form der Nase. Aber auch, wie viele Optionen es jeweils gibt. Die Ersteller haben die volle Kontrolle“, führt der Geschäftsführer aus.

Künstliche Intelligenz ist bei der Erstellung der unterschiedlichen Ebenen (noch) nicht im Spiel. „KI kann ein fantastisches Werkzeug für Kreative werden“, ist sich Andrei Andreescu sicher. Allerdings müssen die Kreativen alle Versionen der Eigenschaften wie Frisuren und Co. hochladen. „Wir haben allerdings bereits damit begonnen, nach Möglichkeiten zu suchen, wie wir die Arbeit vereinfachen und dem Kunden trotzdem mehr Personalisierungsmöglichkeiten bieten können.”

Die nächsten Schritte

Noch steht TwoWorlds ganz am Anfang. Der Marktplatz ist erst wenige Monate alt. Um ihn bekannt zu machen und zu vermarkten, nutzen Andrei Andreescu und sein Team aktuell vor allem Social Media. „Vor allem TikTok, hier haben wir in letzter Zeit wirklich tolle Conversion Rates gesehen“, erklärt er. Was die nächsten Schritte sein werden, mag vielleicht eine etwas verfrühte Frage sein. Dennoch verrät Andreescu, in welche Richtung es mit TwoWorlds gehen soll: „Wir werden weiter an dem Produkt und den Möglichkeiten für die Kreativen arbeiten und an der Infrastruktur. Natürlich geht es dabei auch um mehr Druckpartner und bessere Lieferzeiten.“

My Take:  Die Idee, nicht nur einen Onlineshop aufzubauen, sondern zugleich den Kreativen eine einfache Möglichkeit zu geben, ihre Produkte anzubieten, ist clever – und könnte, einen Erfolg vorausgesetzt, auch die etablierten Verlage zum Überdenken ihrer Geschäftsmodelle zwingen. Natürlich bleibt abzuwarten, wie TwoWorlds vom Markt letztlich angenommen wird. Aber ein frischer Wind tut der ganzen Branche gut.
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Personalisierte Bücher sind nicht neu – eine Plattform, die den kreativen Köpfen hinter den Geschichten einen unkomplizierten Marktzugang ermöglicht und die personalisierbaren Bücher zugleich für Endkunden anbietet, hingegen schon. TwoWorlds, wie der neue Marktplatz für personalisierte Bücher passenderweise heißt, ermöglicht genau das. Beyondprint hat sich das Angebot des britischen Start-ups genauer angesehen und mit Gründer und CEO Andrei Andreescu gesprochen.
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Beyond-print.de

Judith Grajewski war 14 Jahre für Deutscher Drucker tätig und hat als Redakteurin vor allem über den Wachstumsmarkt Digitaldruck berichtet, als Online-Verantwortliche das Portal print.de und die Social-Media-Kanäle mit aufgebaut und sich als „Transaction Editor“ mit Content-Management- und Marketingstrategien beschäftigt. Nach einem kurzen Intermezzo als Chefredakteurin des Werbetechnik- und LFP-Fachportals Sign&Print, bleibt die studierte Dipl.-Ing. für Medientechnik (FH) ihrer Leidenschaft für Print treu und widmet sich nun der Beratung und Projektbegleitung von Druckunternehmen auf ihrem Weg in eine digitalisierte Zukunft. Darüber hinaus gibt sie als Redakteurin für Beyond Print regelmäßig Einblick in relevante Themen des E-Business Print. (Profil bei Xing, LinkedIn)

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