Übernahme: No Deal für MBO und Heidelberg

Es ist also doch keine Floskel, wenn bei der Ankündigung einer Übernahme immer wieder darauf hingewiesen wird: Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden.

So geschehen diese Woche. Das Kartellamt untersagte die Übernahme von MBO durch Heidelberg. Das war zwar nicht unbedingt zu erwarten, weil die meisten Übernahmen (zumindest im grafischen Bereich) in den letzten Jahren durchgewinkt wurden, doch ist die Entscheidung auch nicht ganz abwegig. Denn wie viele Falzmaschinen-Hersteller haben wir denn überhaupt noch? Nein, es geht nicht um die Multifunktionsmaschinen für den Digitaldruck oder Desktop-Falzgeräte für‘s Büro. Es geht um ausgewachsene Falzmaschinen vom Kaliber 50 x 70 cm und größer. Und da war die Auswahl an Anbietern für Druckereien (von Spezialmaschinenherstellern einmal abgesehen) ohnehin schon recht dürftig.

Anbieter waren (und das wird wohl auch erst einmal so bleiben) hierzulande Horizon mit seinem umfangreichen Angebot. Horizon ist aber kein deutscher Hersteller. Bleiben wir also bei den wenigen aus dem deutschen Markt – und darum ging es wohl dem Kartellamt. Heidelberg bietet ein Programm an, das auf dem des ehemaligen Hersteller Stahl aufbaut, der schon seit 1998 Teil von Heidelberg ist. Ein weiterer Hersteller ist GUK, der MB Bäuerle 2017 aus der Insolvenz übernommen hatte und den Markt damit weiter konsolidierte. Blieb noch MBO mit der Tochtergesellschaft Herzog & Heymann, die ganz spezielle Falzmaschinen etwa für Direct-Mailings oder den Pharma-Markt anbietet.

Gerade letztere Maschinen und die über das Format 70 x 100 cm hinausgehenden Falzmaschinen hätten das Portfolio von Heidelberg perfekt abgerundet. Zudem schien auch der MBO-Produktions-standort in Portugal interessant.

Doch das ging den Wettbewerbshütern wohl zu weit. Denn der Wettbewerb hätte nur noch zwischen GUK und Heidelberg stattgefunden. Ein wahrscheinlich ungleicher Wettbewerb. Den hat das Kartellamt jetzt unterbunden – auch wenn Heidelberg und MBO weiterhin davon überzeugt sind, dass die Integration des Angebots den Kundennutzen hinsichtlich eines reibungslosen industriellen Prozesses in der digitalen Zukunft erhöht hätte. Aber es gibt ja bei gemeinsamen Zielen auch noch andere Formen der Zusammenarbeit.

„Es hätte zwar gut gepasst, aber die Position von Heidelberg wäre dem Kartellamt in diesem speziellen Markt wohl zu übermächtig gewesen. So muss Heidelberg auch ohne die Übernahme an seiner Strategie festhalten, Postpress weiter Richtung industriellem Finishing fortzuentwickeln.“ – Bernd Zipper

Spannung bei der Entscheidung im Papierhandel

Und jetzt steht das nächste „dicke Ding“ an. Inapa (sprich Papier Union) hatte angekündigt, Papyrus Deutschland zu übernehmen. Hier würde der Kleinere den Größeren schlucken. Aber die Papyrus-Muttergesellschaft will sich offensichtlich mit allen Mitteln von Papyrus Deutschland trennen. Dafür spricht auch der (unter der Hand gehandelte) Verkaufspreis, der jenseits von Gut und Böse liegt.

Aber davon abgesehen: Das Kartellamt scheint im Zusammenhang mit der Druckindustrie offensichtlich sensibilisiert zu sein. Einmal, weil auch der Bundesverband Druck und Medien Bedenken eingeräumt hat. Und zum anderen, weil beide (nicht Inapa, aber die Papier Union als deutscher Statthalter der Inapa, und Papyrus) vor einiger Zeit bereits ins Visier der Kartellwächter wegen unerlaubter Preisabsprachen geraten waren. Im Juni soll nun die Entscheidung fallen, die erhebliche Auswirkungen auf den Papierhandel haben wird.

Denn dem Kartellamt dürfte nicht entgangen sein, dass einige Papierhersteller schwächeln oder gar vom Markt verschwinden. Feldmühle hat nach einer erneuten Insolvenz die Herstellung von grafischen Papieren aufgegeben. Die Sorte Heaven 42, deren Herstellung die Feldmühle nach der Insolvenz 2018 von Scheufelen übernommen hatte, wird nunmehr von Sappi produziert. Scheufelen hatte sich zwischenzeitlich auf Graspapier spezialisiert und ist seit Jahresbeginn erneut insolvent – Ausgang ungewiss. Zanders hat nach seinem Konkurs zwar einen neuen Investor aus Schweden (Jool Invest), soll zurzeit aber enorme Lieferschwierigkeiten haben, wie man im Markt hört. Andere Sorten, die bisher von Arjo Wiggins kamen, stehen dem Markt aufgrund der Insolvenz von Teilen der Arjo-Wiggings-Gruppe auch nicht mehr zur Verfügung. Diese Lücken müssen die Papierhändler nunmehr kompensieren – können dabei aber auf immer weniger Papierhersteller zugreifen.

Alleine diese Gründe sprechen dafür, dass sich der Papierhandel zurzeit in einer existenziellen Krise befindet. Warum sollte das Kartellamt dann einer Fusion stattgeben, die den Wettbewerb weiter reduziert?

My Take: Es mag für die Druckindustrie vielleicht nach riesigen Übernahmen klingen, und es ist ja auch gut, wenn die Kartellbehörden genau hinschauen. Doch der Deal Heidelberg/MBO ist im Grunde genommen nur eine Bagatelle, die sich im untersten Bereich der Kontrollpflicht des Kartellamts bewegt. Und bei allem Respekt vor den Wettbewerbshütern – sie haben offenbar nur die nationale Dimension, nicht aber die globalen Konsequenzen bedacht. Warum? Weil der Druck aus China jetzt größer wird. Damit stellt sich auch die Frage, ob es MBO denn schaffen wird, alleine in diesem globalen Markt zu bestehen? So wäre es wohl klüger gewesen, den Zusammenschluss zuzulassen und die Arbeitsplätze in Europa zu erhalten, statt den „Mini-Deal“ zu verhindern.

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beyond-print.de
09.05.2019|Markt|1 Comment

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  1. […] Es ist also doch keine Floskel, wenn bei der Ankündigung einer Übernahme immer wieder darauf hingewiesen wird: Vorbehaltlich … (Orginal – Story lesen…) […]

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