Verpackung und Versand: Optimierungspotenzial für Onlinedrucker?

Effiziente Prozesse enden im Onlineprint nicht nach dem Druck. Bei Verpackung und Versand lassen einige Printer viel Geld und Potenzial liegen.

Eine schicke Webpräsenz, die automatisierte Datenannahme und hochproduktive Technik – das haben die meisten Onlinedrucker, die sich auf dem nationalen und internationalen Parkett bewegen. Auch in Bezug auf die abgelieferte Qualität sieht es ganz gut aus. Woran es jedoch schonmal fehlt, ist der letzte Schliff bei Verpackung und Versand, obwohl der Versand als komplexer Prozess und die Verpackung als Schutz und Werbefläche zusammen ein wichtiges Element im E-Commerce darstellen. Viel zu häufig wird dieser wichtige Teil in der Wertschöpfungskette nicht ausreichend beachtet. Potenzial wird verschenkt – sowohl in Bezug auf Einsparungen durch „richtiges“ Verpacken als auch in Bezug auf die Verpackung als wertvolles Transport- und Werbemittel für die Drucksache bzw. die Druckerei als Marke.

Immerhin verzeichnen die großen Player zum Teil mehrere Tausend Sendungen täglich, mittlere und kleinere Player im Onlineprint-Business kommen oft auf mehrere Hundert. Und unter der Annahme, dass das Printvolumen in der nahen und mittleren Zukunft etwa gleichbleibt, es sich aber auf kleinere Einzellieferungen aufteilt, wird die Bedeutung von Verpackung und Versand nochmal deutlicher. Wie flexibel sich deutsche Onlineprinter im Hinblick auf Versandoptionen, -zeit und -kosten zeigen, darüber habe ich dieses Jahr bereits an gleicher Stelle berichtet. Die Prozesse rund um das Verpacken und den Weg der Sendung zum Kunden sind in Anbetracht der zunehmenden Gesamtmenge an Lieferungen aber eine andere Sache.

Ein wesentlicher Treiber bei der Zunahme der Menge an Paktsendungen ist der wachsende Anteil des E-Commerce am Gesamthandel. 3,35 Milliarden Sendungen waren es 2017 alleine in Deutschland (Quelle: KEP-Studie 2018) – und damit im dritten Jahr nacheinander mit einer Zunahme, die deutlich über vier Prozent gegenüber dem Vorjahreswert liegt, was auch im laufenden Jahr in einer ähnlichen Größenordnung weitergehen wird. Und schaut man sich den steigenden weltweiten Bedarf an Wellpappen-basierten Verpackungen an, der laut Smithers Pira in den kommenden fünf Jahren jährlich um knapp vier Prozent auf etwa 170 Millionen Tonnen zunehmen wird, dann wird auch das Potenzial klar, das man als Anbieter hier noch mehr „richtig“ machen sollte.

eSmart von Smurfit Kappa kann bei der Betrachtung von bis zu 12 Optimierungspunkten rund um das Thema Verpackung und Versand helfen; Quelle: info.smurfitkappa.com/de/esmart

Einen Ansatz dazu hat zum Beispiel der weltweit tätige Produzent von Wellpappen, Smurfit Kappa, 2017 mit eSmart geliefert. Vorab: Es geht mir hier nicht darum, eSmart als „die“ Lösung für alles bislang nicht genutztes Potenzial im Verpackungs- und Versandablauf im E-Commerce herauszustellen. Vielmehr bietet das System interessante Ansatzpunkte für alle Onlineprinter, die bislang dachten, dass das Hauptaugenmerk – im Sinne von Optimierung, neuen Maschinen etc. – immer der Produktion gelten sollte, da sie im Hinblick auf die Wertschöpfung doch das größte Potenzial aufweist. Und da eSmart – wie sich später zeigen wird – Ansätze in drei verschiedenen Bereichen bei der Verpackungsoptimierung beabsichtigt und sich die Vorstellung aller 12 Aspekte hier nicht als sinnvoll erweist, werde ich nur auf ein paar von ihnen eingehen. Warum? Weil die meisten der Punkte stark von den technischen und planerischen Gegebenheiten der zu betrachtenden Onlinedruckerei abhängen und sich daher nicht hinreichend verallgemeinern lassen. Gedanken dürfen sich Drucker aber gerne trotzdem über alle Aspekte machen.

„Verpackung und Versand werden häufig nicht ausreichend bei Optimierungsanalysen einbezogen. Dabei könnten einige Onlinedrucker durchaus von mehr Eifer in diesem Bereich profitieren – entweder durch Einsparungen auf Basis von Effizienzsteigerungen oder durch eine bessere Customer Experience.“ – Bernd Zipper

Mit dem Versandportfolio, dem Verpackungsprozess, der Planung für Spitzenaufkommen und dem Drittvertrieb betrachtet eSmart vier Aspekte, die in den Bereich Planungs- und Prozessoptimierung eingeordnet werden. Aus meiner Beratertätigkeit kann ich berichten, dass vor allem beim Verpackungsprozess einiges an Verbesserungspotenzial schlummert, und zwar bei Offlinedruckern als auch bei Onlinern. Nicht nur rein technisch betrachtet, sondern auch was die Beherrschung des Packprozesses mit der Wahl der richtigen Kartongröße und der korrekten Auszeichnung angeht. Denn wird für Drucksachen der falsche Schutz in Form eines Kartons und den zugehörigen Füllmaterialien gewählt, und Inhalt und Verpackung nehmen deshalb durch den Transport Schaden, kann die Bestellung für den Kunden nutzlos werden. Das korrekte Verpacken und die Wahl der angemessenen Größe des jeweiligen Versandkartons wirkt sich wiederum auch direkt auf alle Aspekte im zweiten Bereich (siehe Abbildung zuvor) aus. Denn zum Beispiel regelmäßig zu groß verpackte Einheiten wirken sich negativ auf die Ladeeffizienz, das Liefermodell und den Produktschutz aus. Wer das nicht glaubt, der darf sich gerne die Bewertungsprofile so mancher Drucker im Hinblick auf die Stichworte „Versand“ und „Lieferung“ anschauen. Optimierungspotenzial besteht hier garantiert.

Beispiele für Versandkartons mit Wiedererkennungswert gibt es viele – fragt sich nur, warum so viele Onlineprinter darauf verzichten? Quelle: printmate.de

Weiter geht es mit einem Bereich, den Onlineprinter – egal, ob Akzidenz-, Fotodrucker, Generalist oder Spezialist – meiner Ansicht nach zu selten in Verbindung mit der Verpackung und dem Versand als Prozess sehen: der Customer Experience. Potenzial verschenkt in diesem Bereich derjenige, der seinen Kunden unpassend und damit unsicher verpackte Drucksachen zumutet, die durch den Transport Schaden nehmen können – und darüber hinaus auch jeder, der den Karton nicht als Marketingmittel begreift. Das Auspackerlebnis lässt sich beispielsweise nicht nur durch eine korrekt terminierte Lieferung, sondern auch durch einen markenkonform bedruckten Versandkarton positiv beeinflussen. Stimmt die Qualität der unbeschädigten Lieferung und erzeugt die Verpackung einen Wiedererkennungswert, dann wird das Potenzial seitens Versenders genutzt. Auch ein Pluspunkt bei der Kundenbindung.

My Take: Einige Onlineprinter dürften hier Punkte erkannt haben, bei denen es sich durchaus lohnen kann, diese im eigenen Unternehmen nochmal zu überprüfen. Ich bin mir sicher: Optimierungspotenzial ist bei fast allen Branchenteilnehmern im Onlinedruck in Sachen Verpackung und Versand vorhanden – sie müssen es nur erkennen wollen. Ob dann die angeführten Aspekte aufgegriffen werden und ob damit ein Interner, ein externer Berater oder eine Lösung wie zum Beispiel eSmart betraut wird, das muss jeder Entscheider selbst wissen. Hauptsache, es wird gemacht. Sie haben noch Anmerkungen und/oder Erfahrungen, die mit den aufgeführten Aspekten zu tun haben? Schreiben Sie es gerne in das Kommentarfeld.

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Verpackung und Versand: Optimierungspotenzial für Onlinedrucker?
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Ich bin mir sicher: Optimierungspotenzial ist bei fast allen Branchenteilnehmern im Onlinedruck in Sachen Verpackung und Versand vorhanden – sie müssen es nur erkennen wollen.
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beyond-print.de

One Comment

  1. Philip Simon - Pressio 6. September 2018 at 17:35 - Reply

    Der sichere und zuverlässige Versand ist ein entscheidender Punkt für Online Druckereien. Auch ich muss täglich feststellen, wie diese Disziplin noch immer von vielen Anbietern nicht beherrscht wird. Insbesondere bei der richtigen Verpackung der Drucksachen scheitert es. Das die Verpackungen meist „neutral“ sind, macht in der Regel Sinn – sind es doch häufig Agenturen, die bei Online-Druckereien für Ihre Kunden bestellen. Dennoch ließe sich ein „Erlebnis“ beim Unboxing herstellen, z. B. durch sauberes Einschlagen der Drucksachen im Innern. Dies würde auch einige andere Versandprobleme lösen. Ich erlebe leider zu oft, wie selbst auch hochwertige Druckprodukte mit viel Aufwand produziert werden, um am Ende von einer ungelernten Hilfskraft mehr oder weniger lose in den Versandkarton geworfen werden. Gerade beim Versand kommt es auch auf eine gute Endkontrolle an, die von vornherein viele Reklamationen vermeiden würde.

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