Warum Google Nach Frankfurt kam (und Amazon nicht)

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(7. November 2008 – ga/ds) Die jährliche Frankfurter Buchmesse ist der Platz, wo Verleger kommen, um Geschäfte zu machen. Sowohl Google wie auch Amazon brauchen Verleger als Geschäftspartner. Es wäre daher anzunehmen, dass beide Firmen nach Frankfurt kommen. In diesem Jahr jedoch war Google da, Amazon aber nicht. Was sagt dies über die beiden Firmen aus?

Fast jeder ging davon aus, dass Amazon dort sein würde, denn die Firma hat gute Gründe, ihre Beziehungen mit Verlegern aufrechtzuerhalten. Denn: Amazon möchte mehr Bücher für seinen Kindle eBook-Reader bringen. Anders als sonst übliche eBook Reader akzeptiert Amazons Kindle nur Bücher in Amazons proprietären Format. Sogar der neue "Industriestandard", EPUB, kann auf dem Kindle nicht angezeigt werden. Wenn Amazon bei diesem Format bleibt, muss die Firma arbeiten um sicherzustellen, dass die Kunden alle Bücher an denen sie interessiert sind, in diesem Format bekommen können. Ansonsten würden die Kunden möglicherweise auf ein Gerät wechseln, welches mehr Flexibilität liefert.

Doch Amazon kam nicht nach Frankfurt. Verleger sind sowieso etwas nachdenklich wegen Amazon, durch die fast monopolartige Stellung im Online-Markt sowie die On-Demand Produktion, die sich möglicherweise in einen direkten Konkurrenten für Verleger verwandeln könnte. Dass Amazon nicht nach Frankfurt kam, half diesen Ängsten der Verleger nicht.

Google jedoch war vor Ort. Und auch Google hat sich unter den Verlegern keine Freunde gemacht, als es 2005 seine Buchsuche gestartet hat. Die Firma war auf der Buchmesse darauf aus, Frieden mit den Verlegern zu schließen (die Klage gegen Google war zu dieser Zeit noch nicht beigelegt, wie wir am 4. November berichtet haben) und bot ihnen an, die Werbeeinnahmen der Buchsuche mit ihnen zu teilen.

Unterschiedliche können die beiden Firmenansätze nicht sein, was die Frankfurter Buchmesse angeht. Google zeigte sich als flexibel und Offen und mit Interesse, Partner zu finden. Dadurch dass Amazon gar nicht erst zur Buchmesse kam, zeigte die Firma, dass sie sich nu um die eigenen Geschäftsziele kümmert ohne große Rücksicht auf die Verleger. Beide Firmen müssen hart daran arbeiten, wenn sie die Verleger für sich gewinnen wollen, aber nur Google scheint daran arbeiten zu wollen.

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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