WePad-Bruder nach Pleite entdeckt!

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Nachdem herauskam, dass auf der Pressekonferenz am vergangenen Montag ein Video in Endlosschleife auf Windows auf dem vorgestellten WePad gezeigt wurde, wurde nun ein Bruder des WePads entdeckt: Die kanadische Firma ExoPC verkauft ein Gerät, das dem Neofonie-Gerät sehr stark ähnelt.

Das WePad von neofonie

Wie CHIP herausgefunden haben will, wird das WePad von Pegatron Corporation hergestellt, einem Tochterunternehmen von Asus. Neofonie scheint dabei allerdings nicht das einzige Unternehmen zu sein, für das Pegatron Tablet-PCs produziert: Auch ExoPC verkauft laut diverser Medienquellen ein Gerät vom taiwanischen Hersteller, das als eigenes Produkt vermarktet wird und dem WePad stark ähnelt. Pegatron wäre damit der Original-Equipment-Manufacturer (OEM) für mindestens zwei Unternehmen – also der Hersteller oder Erstausrüster, der seine Erzeugnisse selbst nicht in den Handel bringt.

Große technische Unterschiede weisen beide Produkte nicht auf. Lediglich sollen unterschiedliche Betriebssysteme auf den Tablets laufen. Während das WePad im Laden auf Linux ausgerichtet sein soll, läuf auf dem kanadischen Gerät mit dem gleichen Namen wie das Unternehmen Windows 7. Außerdem soll der ExoPC statt 800 Gramm 50 Gramm schwerer als das WePad sein und die Akkulaufzeit ist mit fünf Stunden um eine Stunde geringer.

Ansonsten sind viele technische Daten wie die Abmessungen bis auf einen Millimeter fast identisch – wie dies basicthinking.de gut auflistet: Gleicher Intel-Prozessor, identisch großes Display mit gleich hoher Auflösung, gleicher SDHC-Kartenleser, Blootooth und Wlan. Beide verfügen über eine 1,3-Megapixel-Webcam und einen Mini-HDMI-Anschluss.

Nun wird die Vermutung geäußert, Windows 7 könnte möglicherweise sogar auf dem Pegatron-Gerät vorinstalliert sein – weswegen Neofonie lediglich das Video in Endlosschleife im MediaPlayer abspielen brauchte.

Unterdessen schlägt sich die starke Resonanz des WePads mehr und mehr in eine Negativ-PR um. Die Kritiken und Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Unternehmens werden in der Fachpresse laut. So bezeichnet das Handelsblatt den Neofonie-CEO in der Artikelüberschrift als „talentierten Mr. von Ankershoffen“ – eine Bezeichnung, die an den Film „Der talentierte Mr. Ripley“ erinnert, in dem es um einen kleveren Trickbetrüger geht.

Auch auf Facebook äußern sich die Fans zunehmend kritischer. Einer möchte einen Freund kennen, der für das Unternehmen arbeite und die Inszenierung tatsächlich für einen PR-Gag halte. Viele anderen zeigen sich sehr enttäuscht, einer von ihnen bezeichnet das WePad als „Schall und Rauch“.

Die Wende der Stimmung auf der Facebook-Fanseite zeigt einmal erneut die Chancen und Risiken des Social-Media-Marketings: Hat Neofonie anfangs das soziale Netzwerk genutzt, um schnell und kostengünstig in die Aufmerksamkeit zu kommen, so besteht nun die Gefahr einer Negativ-PR. Schlimmstenfalls könnten Kritiken wie auf der Nestlé-Fanseite das Image des WePads ramponieren, bevor es überhaupt auf dem Markt ist. Ob der Schaden mit der zweiten Pressekonferenz am 26. April begrenzt werden kann?

Kommentar:

Viel Hoffnung haben die Presse und Fans in das Wepad in den vergangenen Wochen gesetzt. Als deutsche Antwort auf das iPad sahen viele das neue Gerät, das den Kampf gegen den Riesen Apple aufnehmen sollte. Wie eine große Luftblase scheint der Hype geplatzt zu sein. Klar war die Pressekonferenz ein Desaster.

Zwar war die Aufmerksamkeit angesichts der Vielzahl von Fachjournalisten enorm – doch allein die schlechte Organisation der Konferenz lässt Zweifel an einer perfekten Planung aufkommen: Nicht nur, dass viele Journalisten anhand von Einladungen ohne genaue Anschrift nicht sicher waren, wo die Konferenz genau stattfinden würden, da es zwei Hotels mit gleichem Namen in Berlin gab. Auch soll Neofonie das Vorzeigemodell erst wenige Minuten vor Konferenzbeginn erhalten haben.

Nur durch diese mangelhafte Vorbereitung des Unternehmens auf den Pressetermin und die Genauigkeit einiger Blogger wurde die Windows-Fehlermeldung auf dem Gerät entdeckt. Der Schaden, der damit entstanden ist, ist mehr als nur eine schlechte PR, die wir vom Konkurrenten Apple ganz und gar nicht kennen. Minutiös durchgeplant und perfekt inszeniert gibt sich Steve Jobs wie ein „iGuru“ – eine Tatsache, die vielen bisher zwar aufstößt, aber dennoch vom Produkt überzeugte.

Was am Montag zerstört wurde, war der emotionale Mehrwert, der mit dem Produkt WePad verbunden war – sowohl die Hoffnung, ein kleiner, deutscher Konkurrent könnte Apple schlagen als auch die Glaubwürdigkeit der Neofonie. Das Unternehmen ließ die Presse glauben, es sei ein anderes Betriebssystem auf dem Gerät als tatsächlich darauf war.

Nun bestehen auch Zweifel an der Einzigartigkeit des WePads, seitdem ein fast identischer Tablet-PC vom gleichen Hersteller gefunden worden sein soll. Es wird schwierig für Neofonie, ab dem 26. April die potentiellen Kunden von der Einmaligkeit und Perfektion des WePads zu überzeugen. (Arne Unger | Quelle: basicthinking.de, chip.de, Facebook.com, golem.de, handelsblatt.com)

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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