Die drupa ist ohne Zweifel die Investitionsgütermesse der Druckindustrie weltweit. Und es gibt nicht wenige Unternehmer, die sich fragen: Was soll ich kaufen? Nun, ich bin Berater, und treffe hier auf den einen oder anderen Kunden. Die Frage „Bernd, was soll ich denn kaufen?“ ist mir daher nicht fremd und ich antworte gerne darauf, und zwar so:
„Wenn Du jetzt wirklich 8 Jahre mit neuen Investitionen in Dein Unternehmen gewartet hast – dreh‘ Dich um und schau, ob da überhaupt noch eine Druckerei zum Investieren ist!“. In der Tat ist die Frage wo und wie investiert werden sollte, nicht einfach zu beantworten.
Ich persönlich bin der Auffassung, dass unserer Industrie eine massive Optimierung des Kundenservices (vor allem des digitalen Kundenservice) sehr, sehr gut tun würde – dafür benötigt man aber keine Maschine, sondern Menschen, Software und agile Organisationen. Außerdem bin ich der Auffassung, dass man künftig mehr in Mass Customization anstatt in Mass Production investieren sollte – ein Thema, das bei vielen eher klassisch orientierten Anbietern und Druckern nicht so gut ankommt, das aber dummerweise die tatsächlichen Gegebenheiten abbildet.
Und so stellt sich dann – nach acht Jahren Pause – doch die Frage, welchen Stellenwert die drupa künftig in unserer Branche hat. Soll man mit der nächsten Innovations-Investition auch bis zur nächsten drupa warten, oder nicht?
Versteht mich nicht falsch, ich bin ein echter drupa-Fan, aber wir müssen diskutieren, ob die Investitions- und Innovationszyklen unserer Industrie nicht auch entsprechend angepasste Investitionsgütermesse benötigen. Denn, auch das darf man nicht vergessen: Es gibt sie noch, die Drucker, die die drupa zum Anlass nehmen, um die neue Maschine zu kaufen.
Die Geschäfte auf der drupa 2024 laufen sehr gut – vielleicht sogar besser als von einigen erwartet –, aber die Geschwindigkeit der Innovationszyklen nimmt stetig zu. Dem gilt es künftig, Rechnung zu tragen, sonst macht es ggf. ein anderer Messeplatz (China?) – oder gar die Anbieter mit ihren eigenen Open-House-Events selbst.

