Zippers Insights zum 6. Online Print Symposium: Endlich online – und nun? Teil 2

Zippers Insights zum 6. Online Print Symposium: Endlich online – und nun? Teil 2

Zwei Tage Symposium, mehr als ein Dutzend hochkarätige Vorträge, Diskussionen, eine Partnerausstellung und Networking – das alles lässt sich nur schwer in einem Beitrag und schon gar nicht in einem Satz zusammenfassen. Dazu waren die Themen zu verschieden und auch die präsentierten Strategien zu vielfältig. Daher nun der 2. Teil meines Reviews…

Print-Mailings neu entdeckt

Noch einmal Start-up, Old school und Retro? Nicht ganz. Print-Marketing-Kampagnen liefern nach wie vor die höchsten Rücklaufquoten. Mailings sind profitabel und konvertieren mit durchschnittlich 3,7%. Das ist eigentlich bekannt, wird aber viel zu wenig kommuniziert. Stattdessen setzen viele Unternehmen auf E-Mail-Marketing mit Segmentierung und Personalisierung sowie umfangreichen Analyse-Tools. Stellt sich doch die Frage, warum Print das nicht können soll? Natürlich geht das. Digitalisierung kann genutzt werden, Print wieder richtig in Szene zu setzen.

Dafür hat optilyz eine Plattform geschaffen, die dem E-Commerce und stationären Geschäften höhere Konversionsraten bescheren soll. Dazu nutzt das von Martin Twellmeyer und Robert Rebholz 2014 gegründete Start-up aus Berlin die personalisierte und schnell erzeugbare Ansprache auf Grundlage adressierter Mailings, Briefe, Postkarten oder Selfmailer. Auch Broschüren, Kataloge und Flyer gehören zum Portfolio, das für eine Aktivierung von Kunden durch individuell zugeschnittene Werbebotschaften sorgt. Abgerundet wird der Mailingprozess durch eine Performance-Messung, um den Erfolg der Printkampagne analysieren und optimieren zu können.

Martin Twellmeyer, CEO optilyz GmbH

„Mit wenigen Klicks können Kunden eine Mailing-Aktion buchen“, erläuterte Optilyz-Geschäftsführer Martin Twellmeyer. „Wir nehmen dann eine Datenbereinigung vor, kümmern uns um den Druck mit Partnern und begleiten die Kunden während des ganzen Prozesses, indem er automatisiert über die Plattform regelmäßige Updates bekommt: Größere Kampagnen können so um den wertvollen physischen Print-Touchpoint erweitert werden.“

Wenn man so will, haben gedruckte Mailings also vom E-Mail-Marketing gelernt. Customer-Relationship-Systeme werden ebenso wie automatisierte Datenbanken genutzt. Marketing-Clouds ermöglichen die Automatisierung der Customer Journey und eine zielgerichtete Segmentierung der Daten im Cross-Channel-Marketing. Dabei werden Print-Mailings als profitable Kontaktpunkte in die Customer Journeys integriert und gewinnen somit wieder an Wert.

Niemals zwischen den Stühlen

Die beiden vorstehenden Produkt-Innovationen sind aber auch ein typisches Beispiel dafür, dass „die klassische BWL bei Onlineprint und anderen neuen Geschäftsmodellen nur noch bedingt relevant ist“, führte Dr. Christian Maaß, Vice President E-Commerce für das Europageschäft von Cimpress in den Bereichen Marketing und IT, aus. Dass sich die Druckereien zwischen Differenzierung und Kostenführerschaft entscheiden müssen, sich aber keinesfalls zwischen die beiden Stühle setzen dürfen, war einer seiner Ratschläge. Doch ein Patentrezept könne es nicht geben. Dafür seien die Entwicklungsschritte, die die Branche zu gehen habe, viel zu schnell.

Dr. Christian Maaß, Vice President E-Commerce Cimpress France S.A.R.L.

„Digitale Transformation ist ein Rennen, das man nicht gewinnen kann. Man muss aber dranbleiben“, war folglich auch das Fazit der abschließenden Podiumsdiskussion des ersten Tages. Und es wurde abermals angemahnt, dass nicht die Technik, sondern der Kunde im Mittelpunkt stehen müsse.

Bei der Podiumsdiskussion stand das Thema „Mass Customization, Nachhaltigkeit, Produktvielfalt – wo liegt die Zukunft des Onlineprint?“ im Fokus der Diskussionsrunde.

T-Shirts und Mass Customization

„Wir verkaufen eigentlich keine T-Shirts, sondern das Individuelle, was Menschen ausdrücken wollen“, sagte Philip Rooke, seit 2011 CEO von Spreadshirt, in seiner Keynote am Morgen des zweiten Tages. „Unsere Kunden wollen kein Druckprodukt an sich, sie suchen eine Möglichkeit, sich selbst zu entfalten.“ Und wenn es eben „nur“ das Tragen des eigenen T-Shirts ist.

Seit 16 Jahren ist Spreadshirt ein Name im Print-on-Demand-Business. Mit T-Shirts gestartet, wurde das Portfolio um weitere individualisierbare Produkte erweitert. Der Erfolg des Leipziger Unternehmens basiert heute auf drei Säulen: Marktplatz, Shops und Selbstgestalten. Auf dem Marktplatz bieten Kreative, Künstler und Designer ihre Ideen an, beim Shop-Modell handelt es sich um eine White-Label-Lösung für eigene Shops und beim Selbstgestalten kommen die Endverbraucher zum Zug, die ihr persönliches Produkt entweder mit den zur Verfügung gestellten Designs oder mit eigenen Motiven gestalten können. Unter dem Strich ergeben diese drei Säulen etwa 100 Mio. € Umsatz im Jahr 2017.

Philip Rooke, Geschäftsführer Spreadshirt

Und das in einem Markt, auf dem hunderte von Firmen um den Endverbraucher buhlen. Gleichwohl ist die Quote derer, die scheitern, relativ hoch. Als globaler Player verfolgt Spreadshirt jedoch komplexe Wachstumsbestrebungen. Philip Rooke hat Ambitionen, die Marktführerschaft in Europa weiter auszubauen und das internationale Geschäft auf den US-Markt auszuweiten. Dabei zeigt er sich selbstbewusst: „Wir sprechen einen sieben Milliarden Dollar großen Markt an, der jährlich um 10% wächst“, sagt er und meint damit den Markt für personalisierte Produkte. Da 1/3 der Konsumenten personalisierte Produkte möchten und 75% auch bereit sind, dafür mehr auszugeben, könnte seine Rechnung aufgehen. „Bei uns geht es um die Ideen der Menschen. Dafür haben wir die Plattform“, meint Rooke.

Er weiß aber auch, dass das Bedrucken von Shirts wenig spektakulär ist und eine funktionierende Supply Chain das entscheidende Merkmal des Geschäfts ist. Deshalb gab er den Teilnehmern des Symposiums noch eine wesentliche Botschaft mit auf den Weg: „Erfolg ist vergänglich. Heute erfolgreich sein heißt nicht, auch in der Zukunft im Wettbewerb zu bestehen. Auch Qualität ist vergänglich. Was heute qualitativ hochwertig ist, wird morgen zum Standard.“

Fälschungssichere Track&Trace-Lösung

Von Qualität kann aber keine Rede sein, wenn allein in Deutschland etwa zwei Drittel der Hersteller von Markenartikeln mit Produktfälschungen konfrontiert sind: Der Markt für gefälschte Produkte wächst jährlich um bis zu 22%. Angesichts dieser Entwicklungen wird es für Markenhersteller immer wichtiger, sich effizient vor Produktfälschungen zu schützen.

Cüneyt Göktekin, CEO der Snaptrust GmbH, eröffnete den Teilnehmern, wie sie mit  Kennzeichnungspflichten umgehen können und dem Graumarkthandel sowie Produktfälschungen zugleich Paroli bieten können. Snaptrust ist auf die Erstellung, Authentifizierung und Vermarktung von fälschungssicheren Merkmalen spezialisiert, die der Identitätsprüfung von Produkten dienen und somit das geistige Eigentum von Unternehmen schützen. Mit dem patentierten System Snaptrust Print ID werden Markenprodukte unsichtbar markiert – ohne zusätzliche Drucktechnik, ohne Spezialfarben oder Veränderung der Produktionslinien.

Cüneyt Göktekin, CEO Snaptrust GmbH

Die wesentlichen Einsatzbereiche des Systems sind der Schutz vor Produktfälschungen sowie die Steuerung von Logistikprozessen. Ein für das menschliche Auge nicht wahrnehmbares Merkmal wird von der Snaptrust-Software in PDF-Druckdaten eingefügt und in allen gängigen Druckverfahren auf die Verpackungen der zu schützenden Produkte aufgebracht. Mit einem Smartphone oder einem stationären System lässt sich das Produkt dann jederzeit eindeutig identifizieren und seine Echtheit überprüfen.

Im Umfeld Onlineprint könnte die Lösung noch einen weiteren, den logistischen Aspekt ausspielen: In das unsichtbare Sicherheitsmerkmal lassen sich auch Informationen wie etwa Auftrags- oder Jobnummer integrieren. Damit sollte der hinterlegte Code eigentlich auch der Identifizierung von Drucksachen dienen können.

Es ist nie zu spät

Der weit verbreiteten Meinung, der Markt des Onlineprint sei ausreichend besetzt und der Kuchen sei längst verteilt, hielt Gary Peeling, CEO von Precision Printing (wherethetradebuys.com), entgegen: „Es ist nie zu spät, einem wachsenden Markt beizutreten. Die Frage ist nur, wie man am Wachstum partizipiert und wie es sich skalieren lässt?“

Gary Peeling, CEO Precision Printing Co Ltd

Auf Basis seiner mittlerweile 30-jährigen Unternehmenserfahrung zeigte Peeling auf, wie flexiblere Workflow-Lösungen im Onlinedruck zum Erfolg führen und wie das Ganze schnell, kostengünstig und mit internationalem Anspruch geht. Mit der Londoner Precision Printing ist er in den letzten zehn Jahren den Weg aus der Offlinewelt des Print zu einem der führenden Anbieter kundenspezifischer Massenprodukte gegangen. Heute ist das Unternehmen in den Bereichen Foto, Schreibwaren, personalisiertes Publishing und Upload-and-Print mit jeweils eigenen Tochtergesellschaften unterwegs.

Für Peeling ist kundenorientiertes Denken der Schlüssel zum Erfolg. „Ich brauche keinen Bohrer, sondern ein Loch in der Wand“, sagte er, um zu veranschaulichen, dass Technik nur das Mittel zum Zweck ist.

Im Mittelpunkt der Herde

Zwei Tage Symposium, mehr als ein Dutzend hochkarätige Vorträge, Diskussionen, eine Partnerausstellung und Networking – das alles lässt sich nur schwer in einem Beitrag und schon gar nicht in einem Satz zusammenfassen. Dazu waren die Themen zu verschieden und auch die präsentierten Strategien zu vielfältig. Merkmale wie Masse, Nische, Größe oder Spezialitäten lassen sich beliebig mit Produkten, Kundenanforderungen, Services, Plattformen oder Internationalisierung kombinieren.

Maria Seywald, Social Media Managerin Krones AG

Schließlich gab es in München auch Einblicke in den indischen Markt, Modelle für Mass Customization und den 3D-Druck und die Erkenntnis, dass es Fans für Abfüllanlagen und Likes für den Maschinenbau gibt. „Ja, Social Media und B2B funktioniert, wenn man langweiligen Content vermeidet und die richtigen Kanäle für die Kommunikation auswählt“, berichtete Maria Seywald, Social-Media-Managerin beim Maschinenbauer Krones, über ihre Erfahrungen in der modernen Unternehmenskommunikation.

My Take: Jetzt könnte man zwar kritisieren, dass manche Themen nicht wirklich zum Onlineprint passen, zu allgemein oder nicht neu waren. Aber es erstaunt doch, was und wie viel sich in einem Jahr verändert. Print ist eben eine Branche, die sich ständig neu erfindet.

Denn wenn es um digitale Transformation und die Transformation bereits transformierter Geschäftsmodelle geht, müssen einige Dinge neu definiert werden. Wenn Drucksachen dynamisch erzeugt werden können, müssen auch Mass Customization, das Individualisieren und Crossmedia neu gedacht werden. Und wenn der Anspruch der Kunden an Print-Produkte (auch jenseits von Papier und Karton) in dem Maße wächst, wie sich die Möglichkeiten des Drucks immer mehr erweitern, dann ist der Stellenwert eines solchen Branchentreffs gar nicht hoch genug einzustufen.

So war das 6. Online Print Symposium nicht einfach nur die Fortsetzung eines erfolgreichen Events. Es war mehr und ist mehr. Beim Online Print Symposium fühlt man sich inmitten der immer größer werdenden Herde ausgesprochen innovativer Drucker. Das macht Spaß und verbindet. Deshalb sollte München einer der Orte sein, für die Sie 2019 einige Tage einplanen sollten. Zwei zumindest für das 7. Online Print Symposium. Das findet am 4. und 5. April 2019 statt.

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Zippers Insights zum 6. Online Print Symposium: Endlich online – und nun? Teil 2
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Zwei Tage Symposium, mehr als ein Dutzend hochkarätige Vorträge, Diskussionen, eine Partnerausstellung und Networking – das alles lässt sich nur schwer in einem Beitrag und schon gar nicht in einem Satz zusammenfassen. Dazu waren die Themen zu verschieden und auch die präsentierten Strategien zu vielfältig. Daher nun der 2. Teil meines Reviews...
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www.beyond-print.de
22.03.2018|Markt|0 Comments

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