Es ist viel passiert im ersten Halbjahr 2024: Die Inflationsrate hat sich bei knapp über +2% eingependelt, die Energiepreise lagen weiterhin auf hohem Niveau, die Kosten für Dienstleistungen kletterten nach oben, die Erzeugerpreise für grafische Papiere sanken dagegen unter den Werten des letzten Jahres. Und in der Druckindustrie nahmen Geschäftslage, -klima und -erwartungen zwischen Tarifverhandlungen und drupa-Euphorie eine Auf- und Ab-Bewegung. Die Preise für Onlineprint-Produkte zeigten sich von alledem unbeeindruckt und beharrten auf einem stabilen Niveau.
Wie aus dem ZOPI, dem zipcon Onlineprint Preis Index für das zweite Quartal 2024 hervorgeht, gingen die durchschnittlichen Preise im Juni 2024 sowohl für das Produktecluster Flyer wie auch für den Warenkorb sogar wieder leicht nach unten. Wobei hier auch noch ein anderer Effekt zum Tragen gekommen sein dürfte. Aber eins nach dem anderen.
Denn um die Entwicklung der Preise für die beliebtesten Onlineprint-Produkte besser bewerten zu können, ist es wie immer wichtig, nicht nur die Entwicklungen innerhalb der Druckindustrie zu betrachten, sondern sie vor dem Gesamtbild der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland zu sehen.
Und die scheint, wie es das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Juni urteilte, zwar verhalten, aber dennoch langsam wieder in Gang zu kommen. Die konjunkturelle Schwächephase sei überwunden, die Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr wurde auf 0,3 Prozent erhöht. Das ist zwar noch immer mager, aber die Dynamik werde zunehmen, heißt es, unter anderem wegen des – mit Blick in die Zukunft – vorsichtig steigenden privaten Konsums.
Der wird nicht zuletzt wiederum von der Inflationsrate beeinflusst, die sich nach den Rekordwerten aus 2022 und 2023 in diesem Jahr wieder auf einem etwas niedrigeren Niveau eingependelt hat. Nach +2,2 % gegenüber der Vorjahreswerte im März und April dieses Jahres und +2,4% im Mai, lag die Inflation laut Destatis zur Jahreshälfte wieder bei +2,2%. Energie war zwar noch immer teuer, doch im Vergleich zum Vorjahresmonat verbilligten sich Energieprodukte um 2,1%, wobei wie einzelne Bereiche, wie leichtes Heizöl (+7,9%) und vor allem Fernwärme (+27,6%) die Ausreißer nach oben markierten.
Eine allgemeine Kehrtwende in der wirtschaftlichen Entwicklung lasse sich bisher nicht erkennen. So formulierte Anfang Juni und mit Blick auf das erste Halbjahr 2024 das Bundesministerium für Wirtschaft und Klima, dass sich die konjunkturelle Erholung verzögern dürfte. Einzelne Indikatoren seien zwar minimal positiv ausgefallen – wie etwa der Dreimonatsvergleich im produzierenden Gewerbe, der mit einem leichten Plus von +0,4% zu Buche schlug –, andere hingegen blieben ungefähr gleich oder schwächten sich ab. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zum Beispiel, ist in den ersten sechs Monaten und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um insgesamt 35,1 % gestiegen, besagen die Zahlen des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Wobei die Firmenpleiten vor allem im März und April auf Höchstwerte hochschnellten, im Mai und Juni dann allerdings wieder sanken.
Und was ist mit der Druckindustrie?
Alles in allem entsteht damit ein eher durchwachsenes Bild der deutschen Wirtschaft im ersten halben Jahr 2024. Ebenso durchwachsen zeigte sich die Konjunktur in der Druckindustrie. Das BVDM-Konjunkturtelegramm zeigte für Geschäftsklima und -erwartungen im ersten Quartal eine leicht zurückgehende Entwicklung, die durch die leicht positiver bewertete Geschäftslage im März „aufgehübscht“ wurde, bevor alle drei Werte im April deutlich stiegen, um im Mai bzw. Juni wieder leicht zurückzugehen.
drupa füllt Auftragsbücher
Dabei fand im Mai/Juni nach einer coronabedingten achtjährigen Pause erstmals wieder die drupa statt, die größte Druckfachmesse der Welt. Die Euphorie, von der angesichts des elftägigen Branchentreffens in Düsseldorf immer wieder zu hören und zu lesen war, schlug sich nicht so deutlich in den Konjunktur-Zahlen nieder, wie es sicher einige erhofft hatten. Gemessen an den Besucherzahlen war es die kleinste drupa ever. Trotz allem war die Stimmung positiv und auf der Herstellerseite konnten sicher viele Anbieter ein Plus bei den Bestelleingängen verzeichnen. Wie etwa auch die Heidelberger Druckmaschinen AG, deren Umsatzzahlen im ersten Quartal des Geschäftsjahres (April bis Juni) zwar unter den Vorjahreswerten lagen, der Auftragseingang – nicht zuletzt gepusht durch die drupa – dafür die Erwartungen überstiegen habe und nun ein Plus in der zweiten Jahreshälfte erwartet werde.
Doch längst nicht allen Ausstellern geht es so. Denn mit Kolbus hat Ende Juli ein Hersteller aus der Druckweiterverarbeitung mit fast 250-jähriger Firmentradition trotz gut gefüllter Auftragsbücher Insolvenz anmelden müssen. Und auch der Papiergroßhändler Inapa ist in Schieflage geraten.
Wechselt man die Perspektive von den Maschinen- und Papierherstellern zu den Druckdienstleistern selbst, bleibt auch hier der Markt angesichts der beschriebenen Entwicklungen angespannt. Hinzu kamen die monatelangen Tarifverhandlungen zwischen BVDM und ver.di sowie Meldungen, wie etwa das testweise Aussetzen der Prospektwerbung von Aldi Süd, die für allerlei Aufregung innerhalb der Branche gesorgt haben.
Der Vorteil heterogener Kundenstämme
Onlinedruckereien dürfte gerade diese Nachricht nicht allzu sehr tangieren, denn ihre Kundenstämme setzen sich zumeist aus einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Bereiche, sowohl B2B also auch B2C, womit der wirtschaftliche Erfolg auf mehrere Standbeine, bzw. Kunden verteilt ist. Und auch sonst nehmen Onlinedruckereien oft eine etwas andere Position im Markt ein, als die traditionellen Druckereien, denn sie können wesentlich flexibler auf Veränderungen am Markt oder im Nutzerverhalten reagieren. Oder eben gelassener sein.
Letzteres scheint vor allem in den letzten Monaten gegolten zu haben. Denn so, wie sich der ZOPI, der zipcon Onlineprint Preis Index, über die letzten Monate entwickelt hat, lässt sich tatsächlich von einem Plateau sprechen. Denn sowohl im Produktcluster Flyer wie auch im Warenkorb haben sich die aufgerufenen Preis nur minimal verändert. Bei Flyern (10.000 Stk, A5, beidseitig, vierfarbig bedruckt) lag der durchschnittliche Preis im 1. Quartal 2024 bei +30%, sowie im 2. Quartal bei +27% und damit jeweils in etwa auf dem Wert aus Q4/2023 (29%). Beim Warenkorb (der neben Flyern auch Broschüren und Visitenkarten beinhaltet) schlugen die durchschnittlichen Preise gegenüber Q4/23 (+24,5%) mit +24% im 1. Quartal und +22% im 2. Quartal zu Buche, und sind damit sogar ganz leicht gesunken. Das wiederum könnte aber auch mit einer besonderen Nachricht zusammenhängen. Denn die Redprintgroup, der Onlineshop des Druckhauses Mainfranken hat im April seinen Betrieb eingestellt und leitet seine Nutzer seitdem zu Flyeralarm weiter.
Detailbetrachtung Flyer
In der Einzelbetrachtung des Segmentes Flyer hat sich im Vergleich zum letzten Quartal 2023 nur wenig verändert: Unitedprint/print24 ist mit +80% im März 2024, ebenso wie im Juni 2024, wie gewohnt derjenige Onlineprint-Anbieter, der seit dem Start des ZOPIs im Sommer 2020 den höchsten Preisaufschlag an die Kunden weitergegeben hat. Ähnlich sieht es am anderen Ende des Indexwertes aus: Druckdiscount24 war mit -13% im Q4/23, sowie mit -12% im März wie auch im Juni 2024 das Unternehmen, das die größte Abweichung nach unten verzeichnet hat, die Flyer also günstiger als im Sommer 2020 verkaufte.
Zwischen diesen beiden sortieren sich Ende Juni 2024 die anderen Anbieter wiefolgt ein: Mit jeweils +36% rangieren Saxoprint und Onlinedrucken auf Platz 2 der größten Preis-Erhöhungen seit ZOPI-Beginn. Doch während bei Onlinedrucken der Indexwert im Vergleich zu Dezember 2023 und März 2024 gleichgeblieben ist, sank er bei Saxoprint von Dezember 2023 mit +49% und März mit ebenfalls +49% um immerhin einige Prozentpunkte. Wir machen Druck (WmD) lag mit +34% im Dezember 2023, im März sowie im Juni 2024 auf gleichbleibenden Niveau, während Onlineprinters für die 10.000 Flyer mit +33% im Juni und März diesen Jahre ganz leicht niedrigere Preise aufrief als noch im Dezember 2023 (+37%).
Flyeralarm notierte im März sowie Juni mit +27% leicht unter dem Wert aus Q4/23 (+28%). Wer allerdings bei Vistaprint Flyer bestellte, der musste in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen: +30% im März und +26% im Juni stellten gegenüber dem Dezemberwert (+17%) eine deutlichere Steigerung dar. Die geringsten Abweichungen vom Indexwert (allerdings liegt er in diesen Fällen nicht im Sommer 2020, sondern im Winter 2022) verzeichnen die Anbieter Primus-Print mit +2% im Juni 2024 und +5% im März 2024 (Dezember 23: +5%), sowie Printkit mit -1% im Juni 2024 und +9% im März 2024 und Dezember 2023.

Detailbetrachtung Warenkorb
Im Produktesegment Warenkorb, der Flyer, Broschüren und Visitenkarten umfasst, ist der Durchschnittswert am deutlichsten gesunken, der nämlich mit +19% im Juni um fünf Prozentpunkte unter dem Wert vom März lag (+24%). In der Einzelbetrachtung ist auch in diesem Produktecluster Unitedprint/print24 der Anbieter, der im Vergleich zum Indexwert aus dem November 2020 die größte Preissteigerung durchgesetzt hat: +59% im Juni 2024 gegenüber +69% im März (und +69% im Dezember 2023). Es folgt Onlinedrucken, die mit +39% im Juni 2024 nach +38% im März 2024 und Dezember 2023 ebenso deutlich gegenüber dem Wert zum Start des ZOPIS aufgeschlagen haben und gar seine bisher höchsten Werte erreichte.
Günstiger ist der Warenkorb bei Wir machen Druck geworden, die im Juni +31% höhere Preise als zum Start der Erhebung aufriefen, gegenüber +37% im März 2024 und Dezember 2023. Auch bei Saxoprint sind die Preise gepurzelt: +20% im Juni 2024, nach +38% im März 2024 sowie Dezember 2023 – ebenso wie bei Onlineprinters: +13% im Juni 2024, nach +24% im März 2024 sowie Dezember 2023. Konstant sind die Preise bei Druckdiscount24 sowie bei Flyeralarm geblieben: Seit Oktober 2023 liegt Druckdiscount beim Warenkorb nur um +4% über dem Indexwert vom November 2020, Flyeralarm notiert sogar bereits einige Monate länger bei konstanten +3% gegenüber dem Start der Erhebung. Bei Primus-Print ist der Preis für den Warenkorb im Juni mit -1% etwas günstiger gegenüber dem Indexwert im Winter 2022 ausgefallen, nach +5% im März 2024 und Dezember 2023. Und bei Printkit zahlte man für die Flyer, Broschüren und Visitenkarten im Juni mit -6% deutlich weniger als noch im März (+8%) und im Dezember (+8%).
In den dazugehörigen Grafiken ist deutlich zu erkennen, dass sich beide im ZOPI betrachteten Produktcluster auf einem recht hohen Niveau eingependelt haben. Das sich die Preise in den letzten sechs Monaten nicht allzu sehr verändert haben, könnte auf die hohe Resilienz der Onlinedruckereien hindeuten.
Ausblick
Und die werden sie auch weiterhin benötigen. Denn es nicht damit zu rechnen, dass die deutsche Wirtschaft in den restlichen Monaten des Jahres noch ein überraschendes Turbo-Wachstum hinlegen wird. Ja, die Zeiten sind alles andere als leicht. Die Kriege um uns herum, die politischen Spannungen und die wirtschaftlichen Herausforderungen, die das alles nach sich zieht, können nicht so einfach zur Seite geschoben werden. Denn sie beeinflussen unser Business tagtäglich. Und trotzdem – auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Möglichkeiten, Print online zu verkaufen, sind so groß wie nie. Noch dazu, da wir über all die digitalen Kanäle Menschen aller Altersklassen und jeder Herkunft erreichen und ihnen darüber nicht nur die Vorteile von Print, sondern auch unsere Leidenschaft fürs Gedruckte vermitteln können. Wir müssen uns nur trauen, diese neuen Möglichkeiten auch zu nutzen!
Denn ganz ehrlich: Ja, auch Onlinedruckereien leiden unter den wirtschaftlichen Unsicherheiten, das will ich gar nicht wegdiskutieren. Aber: Wir leiden auf einem ganz anderen Niveau als so mancher klassische Druckdienstleister. Darum lasst uns den Fokus auf unsere Stärken nicht verlieren, auf unsere Flexibilität, unsere Resilienz, unsere hochautomatisierte Produktion und unsere Fähigkeit, die Menschen auf einer persönlichen, emotionalen Ebene anzusprechen – mit Print.


