Zukunft: wird künstliche Intelligenz alltäglich?

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(01. Juli 2008- jb) Das iPhone hat sich als eines der innovativsten Produkte behauptet: „Mobilfunkhersteller und Netzbetreiber haben ihre Produkt- und Markenstrategie als Konsequenz aus dem iPhone-Schock im Grundsatz neu sortiert“, sagt Georg Stanossek, Herausgeber des TK-Dschungelführers 2008. E-Plus-Chef Thorsten Dirks meint gar, dass der Mobilfunk künftig sein Geld mit Werbeeinnahmen und nicht mehr über Gesprächsgebühren verdient.

Dirks ist davon überzeugt, dass die Netzbetreiber in spätestens fünf Jahren nur noch Datentransporteure seien. Spätestens dann müssten sich ihre Geschäftsmodelle komplett wandeln: „Der Kunde wird dann nur noch bereit sein, für eine Breitband-Anbindung zu zahlen – wie heute für den DSL-Anschluss zu Hause“, erklärte Dirks auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Telekommarkt Europa“ in Düsseldorf.

Eine Option wäre, auf Einnahmen über geführte Gespräche gänzlich zu verzichten und stattdessen mit hoch personalisierter Werbung Geld zu verdienen. Auf dem britischen Markt ging im Herbst des vergangenen Jahres mit Blyk bereits ein vollständig werbefinanzierter Anbieter an den Start. „Das Geschäftsmodell: kostenlose SMS-Nachrichten und Sprachtelefonie als Entgelt für das Ansehen von Werbung und die Preisgabe persönlicher Informationen, um gezielte Werbemaßnahmen zu ermöglichen“, weiß Portel-Chefredakteur Stanossek. Allerdings seien die Netzbetreiber nicht die einzigen, die über wertvolle Kundeninformationen verfügen. So habe Nokia mit der Übernahme von Enpocket mittlerweile einen Spezialisten für das so genannte „Targeted Advertising“ an Bord. „Enpocket soll den Nukleus für Nokia Ad Business bilden“, so Stanossek. Werbung sei somit integraler Bestandteil von Ovi, der Plattform für alle Webdienste des finnischen Handyherstellers.

Um in der Telekommunikation weiter zu kommen, brauche man nach Ansicht von Trendforscher Lars Thomsen von der Agentur „Future Matters“ eine neues Verständnis von Künstlicher Intelligenz. „Erst wenn Geräte eine höhere Intelligenz bekommen, sind wirklich Systemsprünge möglich. Wir stehen jetzt noch am Anfang eines solchen Prozesses“, erläuterte Thomsen beim Handelsblatt-Kongress. Zurzeit würde die Computerintelligenz noch auf dem Niveau einer Stubenfliege liegen. In fünf Jahren erreiche man die Intelligenz eines Hundes und in zehn Jahren ungefähr die Intelligenz eines Menschen. „Speicher und Bandbreite werden dann in einem für heute unvorstellbaren Bereich liegen – rund 200.000 mal höher als der heutige Standard. Der Zugang zum Internet wird so omnipräsent sein wie elektrischer Strom. Vor allem aber können wir die meisten organisatorischen Aufgaben an persönliche Assistenten delegieren und uns so auf die wichtigen Dinge konzentrieren“, bemerkte Thomsen.

Für das Fernsehprogramm ist diese Vision schon Realität. So wurde auf dem Zukunftskongress forward2Business in Halle die Software „TV Digital Personal“ vorgestellt. Nach den Interessen des Zuschauers stellt das System personalisierte TV-Kanäle auf Basis des konventionellen TV-Programms und aller verfügbaren Internet-Angebote zusammen. Das Programm wird automatisch generiert und spiegelt die Vorlieben und das Aufnahme-Verhalten des Zuschauers wider. „Meine Prognose ist, dass alle Branchen, deren Unternehmensprozesse sich im Internet darstellen lassen, alle Alltagssituationen, in denen internetbasierte Geräte zum Einsatz kommen, von elektronischen Assistenten bestimmt werden. Spätestens wenn alle Geräte um uns herum ständige Internetverbindungen haben, vom ICE-Sitz über das Auto, Handy, Wohnzimmerfernseher, Kinderbett bis zur Aktentasche, spätestens dann wird jeder von uns einen kleinen intelligenten Helfer haben“, bestätigt Sven Gábor Jánszky vom forward2Business-Trendbüro.

In zehn Jahren werden dann die meisten Servicewünsche über Spracheingabe mit einem Satz erledigt, meint Sprachdialogexperte Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin: „‚SMS an Anne: Der Flug ist verspätet, ich komme erst um 21:00 Uhr an’ und die SMS wird sofort verschickt. ‚Reservier mir einen Platz für den nächsten Zug nach Berlin“ und die Backendsysteme des persönlichen Assistenten übernehmen die Online-Buchung und schicken eine SMS mit den Verbindungsdaten, dem reservierten Platz und einem Reservierungscode. ‚Ich brauche noch drei Liter Milch, drei Stück Butter und ein Kürbiskernbrot’ und der Einzelhändler an der Ecke stellt etwas zum Abholen zusammen oder liefert die Ware ins Haus. Beim persönlichen Assistenten stellt jeder selbst die Services zusammen, die er nutzen möchte. Für die Unternehmen wird es wichtig sein, sich auf diesen Trend einzustellen und eine Präsenz in der personalisierten Zusammenstellung der Dienste zu haben“, so der Ausblick von Pape.

Link:
www.tk-europa.de

Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Seine Fachgebiete sind u.a. Online-Print, Mass Customization, Strategie- und Technologie Assessment für Print, sowie die Entwicklung neuer Strategien im Print- und Mediaumfeld. Bernd Zipper ist Initiator und Vorsitzender der Initiative Online Print e.V. und neben seiner Beratertätigkeit Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen für die Druck- und Medienindustrie. (Profile auch bei Xing, LinkedIn).

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